Bremische Missionsarbeit in Skandinavien

Europäisches Kulturerbejahr: Geschichten aus dem Rom des Nordens

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Henrike Weyh (Dom-Museum, l.) und Sonja Kinzler („Retrokonzepte“) in der Ausstellung „Bremen und Skandinavien – Geschichten über den Zauber des Anfangs“, die das Dom-Museum bis zum 30. September zeigt.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Bremen war das Rom des Nordens. Von hier aus sollte im Frühmittelalter Skandinavien missioniert werden. Daraus entwickelten sich Beziehungen, die bis heute bestehen. All das und einiges mehr erzählt eine Ausstellung im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahrs, getragen vom Kulturressort und vom Landesamt für Denkmalpflege. Unter dem Titel „Bremen und Skandinavien – Geschichten über den Zauber des Anfangs“ ist sie bis zum 30. September im Dom-Museum zu sehen.

Das Rom des Nordens? Ja, tatsächlich. Als Erzbistum wurde Bremen mit päpstlichem Missionsauftrag für den Norden – „bis ans Eismeer“ – zum Dreh- und Angelpunkt eines massiven kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs. Es ging darum, den europäischen Norden „religiös, politisch und wirtschaftlich zu erschließen“, so Professor Georg Skalecki, Bremens Landeskonservator. Eigentlich sollte Hamburg Skandinavien missionieren. Aber: „Die Wikinger griffen Hamburg an“, so Dr. Henrike Weyh, die Leiterin des Dom-Museums.

Also flüchtete Erzbischof Ansgar (801 bis 865) nach Bremen – und setzte den Missionsauftrag von hier aus um. Denn nun war Bremen die Residenzstadt. Auf Handelswegen zogen die Missionare nach Norden. Und sie waren dort durchaus willkommen, sagt Dr. Sonja Kinzler („Retrokonzepte“), die die Ausstellung gemeinsam mit Weyh konzipiert hat. „Das christliche Königtum war für skandinavische Herrscher sehr attraktiv, denn es galt als stabile Herrschaftsform.“

Wie stellt man all das in einer Ausstellung dar, die unterschiedliche Generationen und auch ausländische Besucher – Touristen – ansprechen soll? Weyh und Kinzler wählten einen Kunstgriff. Sie entschlossen sich, die historischen Abläufe in fünf Geschichten zu erzählen. Und sie fanden für diese Geschichten – die sich an Überlieferungen orientieren – eine einheitliche Form. „Fünf Schlüsselbilder“ seien es, so Kinzler.

Blick auf eine der Ausstellungsstationen.

Apropos Bilder – zu den Geschichten aus dem 9. bis 12. Jahrhundert haben die Ausstellungsmacher plastische, ansprechende und durchaus humorvolle Illustrationen geschaffen. An fünf Stationen ziehen sie die Ausstellungsbesucher mit kräftigen Farben auf dunklem Grund förmlich in die Themen hinein – das ist schon sehr gelungen. Historische Dokumente und Fundstücke ergänzen die Geschichts-Stationen – Keramik, Wetzsteine aus Norwegen, bisher nie ausgestellte Schieferscherben aus dem Altarraum des Bremer Doms des 9. Jahrhunderts.

Und dann die Geschichten! Gleich an der ersten Station Action und Dramatik: Ansgar – für Dompastor Christian Gotzen „der erste europäische Bremer“ – springt vor der schwedischen Ostseeküste über Bord, um sich vor den Wikingern zu retten, die das Handelsschiff angreifen, auf dem er reist. Die teuren Geschenke für den schwedischen König, kostbare Bücher, verliert er.

Ansgars Ziel ist Birka, ein frühmittelalterlicher Handelsknotenpunkt. Hier läuft alles zusammen – ideal für die Mission. In Birka spielt auch die zweite Geschichte – nun schon im Jahr 936. Das Bild wirkt martialisch, denn: einem Mann wird der Kopf abgeschnitten. Aber er ist zu diesem Zeitpunkt schon tot. Unni ist es, von 916 bis 936 Erzbischof von Bremen und Hamburg. Sein Haupt wurde nach Bremen zurückgebracht und im Bremer Dom beigesetzt. Unnis Körper wurde in Birka bestattet.

Die fünfte Geschichte spielt im Jahr 1103; Bremens Missionswerk ist vollbracht. In Rom weiht der Papst den Dänen Asker zum Erzbischof von Lund. Nun gibt es – eben in Dänemark – ein eigenes Erzbistum für Skandinavien. Die Bremer sind raus, die Skandinavier von ihnen unabhängig – Bremen ist nicht mehr das Rom des Nordens. Es bleibt aber eine Handelsmetropole, nicht zuletzt wegen des Austausches mit Skandinavien.

„Bremen und Skandinavien – Geschichten über den Zauber des Anfangs“, Dom-Museum. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 bis 16.45 Uhr, Sonnabend 10 bis 13.30 Uhr, Sonntag 14 bis 16.45 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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