Beratungsstelle, „Kleiderei“ und Gedenkstätte: Rosenak-Haus in der Kolpingstraße neu eingeweiht

Auf Diskussionen folgt Einigkeit

Angela Plümpe vom Sozialdienst katholischer Frauen in der Kinderabteilung der „Kleiderei“.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Einfach war der Weg nicht, aber nun ist das Ziel erreicht – gestern Abend wurde das Rosenak-Haus im Schnoor eingeweiht. Katholische Einrichtungen und eine Gedenkstätte sind hier nun unter einem Dach.

Das Haus liegt an der früheren Gartenstraße, die heute Kolpingstraße heißt. Es hat die Nummer 7. Gleich ne ben an, im Haus Nummer 6, war seit 1876 die Bremer Synagoge. Nummer 7 wurde 1927 zum Gemeindehaus – benannt nach Leopold Rosenak (1868 bis 1923), dem ersten Bremer Rabbiner.

Bei der Reichspogromnacht im November 1938 brannten SA-Männer die Synagoge bis auf die Grundmauern nieder. Das Gemeindehaus blieb stehen. Nach dem Krieg, in den 50er Jahren, kaufte der Katholische Gemeindeverband die Grundstücke Nummer 6 und 7 – nachdem die Jüdische Gemeinde sich entschieden hatte, eine neue Synagoge in Schwachhausen zu bauen.

Einige Jahrzehnte später verkauften die Katholiken wieder. Sie brauchten Geld zur Finanzierung des Umzugs ihrer St.-Johannis-Schule ins Kaiserliche Postamt an der Domsheide. Ein Investor wollte hier Wohnungen bauen. Doch dagegen gab es bald Protest. Sollte das Rosenak-Haus als einziges jüdisches Gemeindebauwerk, das die NS-Zeit überstand, verschwinden? Der Denkmalschützer schaltete sich ein und stellte den Keller von Haus Nummer 6 unter Schutz. Er ist der einzige erhaltene Teil der Synagoge.

Nach etlichen Diskussionen, in denen der damalige Propst Ansgar Lüttel eine wichtige Rolle spielte, kauften die Katholiken Nummer 7 zurück. Heute gehört die Immobilie der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Der Verein Rosenak-Haus ist als Mieter mit drin und richtet im Keller eine Gedenkstätte ein. Der ehemalige Synagogenkeller in Nummer 6 ist nur über Nummer 7 zu erreichen.

„Wir waren uns nicht immer einig“, beschrieb der Bremer Caritas-Direktor Martin Böckmann gestern das Verhältnis von Katholiken und Gedenkstättenverein. „Es hat erhebliche Reibungen gegeben“, sagte Dr. Peter Zimmermann vom Verein. Nun aber gebe es eine „Hausgemeinschaft“. Die Kellerrenovierung ist abgeschlossen, nun soll eine Ausstellung entstehen. „Ein Raum der Erinnerung, ein Museum zum Anfassen“, so Zimmermann: „Wo Schülergruppen nicht beklommen drinstehen und schnell wieder raus wollen, sondern wo sie gehalten werden, historische Erkenntnisse zu gewinnen.“ Es gelte, die mehr als 200-jährige Geschichte jüdischen Lebens in Bremen zu dokumentieren: „Wir wollen Biografien und Schicksale erzählen.“

Eine halbe Million Euro wurde ins Rosenak-Haus investiert. 50 000 Euro davon kamen von der Stiftung Wohnliche Stadt, 50 000 Euro gab Bremen dazu, noch einmal 50 000 Euro das Deutsche Hilfswerk (Fernsehlotterie). Caritas und SkF, den es in Bremen seit genau 100 Jahren gibt, bieten nun das, was man heute gern ein „vernetztes Angebot“ nennt: Sozial- und Schuldnerberatung, Schwangerschaftsberatungen und Auskünfte über Eltern-Kind-Kuren.

Hinzu kommt die „Kleiderei im Schnoor“ – so heißt die frühere Kleiderkammer jetzt. Kinderkleidung gibt es mittwochs von 15 bis 16 Uhr, Erwachsenenkleidung montags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr.

WWW.

rosenak-haus.de

caritas-bremen.de

skf-bremen.de

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