Diskussion um Osterwiesen-Öffnung am Karfreitag: Die SPD ist sich nicht einig

„Eine interessante Debatte“

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Schausteller beim „Schoppengespräch“ der Arbeitsgemeinschaft der Selbstständigen in der SPD im „Riverboat“. Im Vordergrund die Verbandsvertreter Rudi Robrahn und Susanne Keuneke.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Karfreitag und kein Ende – die Diskussion um eine eingeschränkte Öffnung der Osterwiese am „stillen Feiertag“ war gestern auch Thema beim traditionellen „Schoppengespräch“ der Sozialdemokraten im „Riverboat“ auf der Osterwiese. In der SPD, so stellte sich heraus, gibt es dazu gegensätzliche Positionen.

Die Schausteller wünschen sich – wie berichtet – eine Karfreitagsöffnung „im Konsens mit der Kirche“, nachdem sie damit im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht hatten. Damals durften die Buden, Karussells und Zelte auf der Bürgerweide ausnahmsweise ab 18 Uhr öffnen – als Ausgleich für außerplanmäßige Schließungen wegen eines Sturms in den Tagen zuvor.

„Es war der beste Tag auf der ganzen Osterwiese“, sagte die Schaustellerin und Verbandsvertreterin Susanne Keuneke jüngst. Während Bürgerschaftspräsident Christian Weber hochging wie eine Achterbahn-Gondel.

Der Sozialdemokrat kritisierte, dass die Schausteller die Ausnahme des vergangenen Jahres offenbar „als Einfallstor zur generellen Liberalisierung“ betrachteten. „Karfreitag steht über Kommerz“, so der Präsident. Ähnlich äußerte sich gestern im „Riverboat“ Innensenator Ulrich Mäurer, der von Amts wegen für Bremens Volksfeste zuständig ist. „Ich bin da sehr konservativ“, so Mäurer. Es müsse doch möglich sein, an einem Tag im Jahr „Rücksicht auf die religiösen Gefühle einer großen Mehrheit unserer Bevölkerung“ zu nehmen und mal nicht zu feiern. Dies sei seine „persönliche Meinung“.

Nun steht aber die Neuregelung des Landesfeiertagsgesetzes an. Die Schausteller haben die Diskussion mit gutem Timing angestoßen. Die Bremer Regelung läuft Ende Februar 2018 aus. Spätestens 2017 muss geklärt werden, wie es weitergehen soll. Senator Mäurer regte gestern an, die Debatte darüber bereits „in diesem Jahr in der Bürgerschaft“ zu führen. Und fügte an: „Möglicherweise gibt es einen Kompromiss, den man entwickeln kann.“

Zu dem Zeitpunkt hatten sich bereits zwei Parteifreunde Mäurers zum Thema geäußert – aber ganz anders als Mäurer und Weber. Andreas Kottisch, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Es kann Sinn haben, die Osterwiese am Karfreitag begrenzt zu öffnen, etwa in der Zeit von 18 bis 22 oder 23 Uhr.“

Die Osterwiese sei ja auch nicht „über die ganze Stadt verteilt“: „Diejenigen, die sich am Karfreitag besinnen wollen, die kriegen das ja gar nicht mit.“ Und: „All diejenigen, die nicht Christen sind, haben keinen Anlass, sich zu besinnen.“ Das gab Applaus von den Schaustellern im „Riverboat“.

Sükrü Senkal, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Ich sehe es wie Kottisch. Es wird eine interessante Debatte werden in der Fraktion.“

Schaustellerin Keuneke: „Ich freue mich, dass man in einer Partei gegensätzliche Meinungen haben kann.“ Ein „klein wenig“ geärgert habe sie sich aber doch über die Worte des Bürgerschaftspräsidenten.

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