Im Disco-Rausch der 70er

Musikkomödie „Burn, Baby, Burn“ feiert im „Fritz“-Theater Premiere

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Eine Demo für die Liebe – von links gesehen: Dieter (Justus Schmeck), Luise (Cindy Walther) und Emily (Lena Wischhusen) in der „Fritz“-Theater-Produktion „Burn, Baby, Burn“.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Eine Show in der Show – Dieter (Justus Schmeck) erklärt dem Publikum die Vorzüge des Transvestiten-Daseins: „Wenn mein Mann kuscheln will, gebe ich ihm meine Brüste und mache schon mal Kaffee. Ich wasche meine Brüste bei 60 Grad.“ In den 70ern kam vieles in Schwung, unter anderem die Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung und natürlich Umweltschutz und Vegetarismus. Disco-Musik war angesagt.

Daraus hat Christopher Kotoucek, Geschäftsführer des „Fritz“-Theaters am Herdentorsteinweg, die witzige und kurzweilige Liebeskomödie „Burn, Baby, Burn“ gemacht. Die Premiere vor ausverkauftem Haus kam sehr gut an.

Die in die Handlung eingeflochtenen Auftritte des Travestie-Duos „Chrystals auf dem Weg zum Ruhm“ sind herrlich böse. Karl (Tim Reichwein) beschreibt Dieter: „Dieses Ding steht unter Denkmalschutz. Einmal berühren und es fällt in sich zusammen.“

Er dagegen sei eine Dame mit Stil. Nicht freundlich, aber eindeutig zweideutig sowie travestietauglich ist Dieters Antwort: „Ein Besen hat auch einen Stiel.“ Dieter, Anhänger schriller Kostüme, offen schwul und von Schmeck mit einer wunderbaren, leicht hysterischen Note gespielt, intensiviert seine „natürliche Schönheit“ gerne mit Make-up und findet, dass Karls Tanz-Solos eher an einen Schlaganfall erinnern. Dennoch lieben sie sich. Karl ist Anwalt und hält seine Liebe zu Männern verdeckt.

Sie will ausgehen, er liest die Zeitung

Etwas ermüdet und stark am Kriseln ist die Beziehung zwischen Sabine (Sarah Fleige) und Thomas (Torsten Ankert), wobei Thomas davon nicht unbedingt etwas merkt. Die Begrüßung am Morgen in der Küche ist nicht allzu romantisch: „Darf ich meine Eier auf Deinem heißen Hintern braten?“

Sabine hat dagegen andere Bedürfnisse. Sie will ausgehen, in die Disco. Davon will Thomas, der sich längst hinter der Zeitung vergraben hat, nichts wissen. Selbst eine herrliche Tanzeinlage Sabines mit „Boogie-Stiefeln“ ändert seine Meinung nicht. Sabine, die meint, mit 23 schon mit einem Fuß im Grab zu stehen, droht damit, alleine zu gehen – und tut dies später auch.

Ihr Ziel ist eine Disco, in der Dieter, ihr Bruder, als DJ arbeitet. Dort ist am Tag der Eröffnung tote Hose. Dieter und die Clubbetreiberin, die etwas in der Pubertät steckengebliebene Emily (Lena Wischhusen), warten vergebens auf Kundschaft. Emilys Geliebte Luise, von Cindy Walther wunderbar frech als radikale Frauenrechtlerin und Veganerin gespielt, überlegt bereits, wo überall Kühlfächer stehen könnten, um den Club in einen Vegan-Supermarkt zu verwandeln.

„Was ist ein Prinz ohne seine Prinzessin?“

Sabine – als einziger Gast – sorgt für Stimmung und eine schicke Disco-Tanzeinlage zum „Four-Tops“-Klassiker „Reach out, I’ll be there“, in den 70ern von Gloria Gaynor gesungen. Hilfe braucht Sabine plötzlich, als sie auf dem Rückweg überfallen wird. Ihr Retter: Karl. Eine einseitige Liebe entbrennt. Zu Hause kriegt Karl gehörig eins auf den Deckel, als Dieter hört, dass Karl sich in Lebensgefahr begeben hat: „Was hätte ich ohne Dich gemacht? Was ist ein Prinz ohne seine Prinzessin?“

Doch auch Dieter soll zum Retter werden: Thomas will tanzen lernen, um seine Beziehung zu Sabine zu retten. Die Lektion zum „Village-People“-Hit „YMCA“ macht das Publikum mit. Arme hoch, nach links und rechts, zur Brust und hoch, um mit den Händen ein Dreieck zu formen: Dieter ist ein eleganter Vortänzer und baut auch mal einen selbstbewussten Hüft-Stoß in die Choreographie ein.

Immer mehr kommt ein Beziehungsgeflecht aus Liebschaften und Fremdgehen zwischen den Charakteren ans Licht. Dazu erklingen 70er-Hits unter anderem von „Kool & The Gang“, den „Bee Gees“ und Tina Turner. Das Ensemble trifft auch beim Tanz die 70er, cool und Disco-like, sogar mit buschigen 70er-Perücken.

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