Dieter Schimanski verleiht emsige Nutztiere an Honig-Liebhaber

Bienen zum Mieten

+
Dieter Schimanski vor seinen Bienenstöcken im heimischen Garten in Bremen-Nord. Der Hobby-Imker vermietet Bienenvölker jetzt auch an Firmen, Vereine und Unternehmen. Die können dann einmal im Jahr ihren eigenen Honig genießen.

Bremen - Von Viviane Reineking. Geschäftiges Treiben herrscht im Garten von Dieter Schimanski in Bremen-Nord. Zehn Bienenvölker sind hier beheimatet. „Sie sind wahnsinnig nützlich und wertvoll, doch das Bienensterben ist besorgniserregend“, sagt der Hobby-Imker. Um das Überleben der wertvollen Nutztiere zu sichern, hat Schimanski ein ungewöhnliches Konzept entwickelt: „Bee-Rent“ – Bienen zum Mieten.

Honigbienen sind emsige Bestäuber von Nutz- und Wildpflanzen. Dem Deutschen Imkerbund zufolge hängen etwa 85 Prozent der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau in Deutschland von der Bestäubung der Honigbiene ab. Doch verschiedene Faktoren bedrohen die Existenz der Honigbienen.

„Ein Bienenvolk kann in der freien Natur alleine nicht überleben“, sagt Schimanski. Monokulturen beschränken den Lebensraum, Insektizide schwächen die Biene, deren Gesundheit zudem von der Ende der 70er Jahre aus Asien eingeschleppten Varroa-Milbe bedroht ist. „Jedes Bienenvolk muss deshalb jedes Jahr dagegen behandelt werden“, so Schimanski. Doch es gibt einen weiteren Grund, warum die Zahl der Bienenvölker in Deutschland seit 1990 von etwas mehr als einer Million auf rund 700 000 geschrumpft ist: „Es gibt einfach zu wenig Imker.“ 100 000 seien es in Deutschland, nur etwa ein Prozent arbeite als Berufsimker.

Deshalb hat Schimanski das eigenen Angaben zufolge „weltweit einmalige“ Konzept“ „Bee-Rent“ entwickelt, mit dem Laien die Honigbienen retten können. Unternehmen, Schulen und Vereine, aber auch Privatpersonen können Bienenvölker leasen, also für einen bestimmten Zeitraum und eine monatliche Gebühr mieten. Das Unternehmen ist vor knapp zwei Monaten an den Start gegangen, doch schon jetzt habe er Anfragen aus Berlin und München, sogar aus den USA habe sich schon jemand für das Konzept interessiert.

Wer ein Bienenvolk mit bis zu 50 000 emsigen Arbeitsbienen für mindestens ein Jahr least, erhält eine Box, die sogenannte Beute, bestehend aus drei übereinandergestapelten Zargen – zwei für den Honig sowie eine für die Brut. Ob der Standort geeignet ist, prüfen sogenannte „Bee-Keeper“ vor Ort, „schließlich handelt es sich hier um Lebewesen“, betont Schimanski, der selbst insgesamt 30 Bienenvölker hat. Erst einmal aufgestellt, fliegen sich die Bienen auf ihren neuen Standort ein, so der Imker. Deshalb lasse sich die Box auch nicht mal eben um zehn Meter verrücken. Acht- bis zwölfmal im Jahr, so der Imker, kämen die „Bee-Keeper“ vorbei, um die Entwicklung der Völker zu überprüfen, gegen Krankheiten wie die Varroa-Milbe zu behandeln, den Bienenstock winterfest und im Frühjahr fitzumachen für den Start in die neue „Honigbienen-Saison“. Außerdem werde das Volk beim Veterinäramt angemeldet. Der Mieter sei damit „Nutztierhalter mit Stallhaltung“, erklärt Schimanski.

Die emsigen Honigbienen fliegen bis zu drei Kilometer um ihren Bienenstock, um Nektar zu sammeln. Einmal im Jahr wird der Mischblütenhonig entnommen. Den erhält der Honig-Liebhaber geschleudert und fertig abgefüllt. 20 bis 30 Kilogramm pro Volk und Jahr können das sein, so Schimanski. Das Leasing für ein Jahr kostet 159 Euro pro Monat.

Die Honigbiene fühlt sich übrigens nicht nur auf dem Land wohl. Die Stadt sei laut Schimanski im Grunde sogar der bessere und ertragreichere Lebensraum: Parks, Gärten, Balkonpflanzen, Friedhöfe und Verkehrsinseln böten ihr bis in den Spätherbst reichlich Pollen und Nektar. Städtische, unbehandelte Vielfalt statt ländlicher, mit Pflanzenschutzmitteln behandelter Monokulturen. Bienenstöcke können zum Beispiel auf Dächern von Firmen und Hotels stehen. „Und theoretisch auch auf dem Balkon.“

www.bee-rent.de

Kerber macht es bei Melbourne-Rückkehr spannend

Kerber macht es bei Melbourne-Rückkehr spannend

Amri war nahezu wöchentlich Thema bei Behörden

Amri war nahezu wöchentlich Thema bei Behörden

Mindestens 35 Tote bei Absturz eines Fracht-Jumbos

Mindestens 35 Tote bei Absturz eines Fracht-Jumbos

Berlin Fashion Week: Vom Kaufhaus bis zur Volksbühne

Berlin Fashion Week: Vom Kaufhaus bis zur Volksbühne

Meistgelesene Artikel

Sixdays Bremen: Sechs Tage Sport und Party

Sixdays Bremen: Sechs Tage Sport und Party

Schrecksekunde: Lampater und das Vogel-Feeling

Schrecksekunde: Lampater und das Vogel-Feeling

Mordkommission ermittelt: Frau nach Ehestreit gestorben 

Mordkommission ermittelt: Frau nach Ehestreit gestorben 

Clemens Fritz und Martin Rütter schießen die Sixdays Bremen an

Clemens Fritz und Martin Rütter schießen die Sixdays Bremen an

Kommentare