Dieselloks werden im Bremer Instandhaltungswerk auf Herz und Nieren geprüft

Filigrane Kraftpakete

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Volle Konzentration: Stefan Wolter arbeitet an einer Kurbelwellenschleifmaschine.

Bremen - Von Steffen Koller. Sie machen Kilometer um Kilometer, sind tonnenschwer und doch so filigran: Wenn die Motoren von Dieselloks einmal zur Reparatur müssen, ist das Instandhaltungswerk der Deutschen Bahn (DB) in Bremen Ansprechpartner Nummer eins. Ein Blick hinter die Kulissen.

Die Hallen sind riesig, die Motoren auch. Wer das Gelände des Instandhaltungswerks im Bremer Osten betritt, merkt sofort, dass hier etwas Großes vor sich geht. Meterhoch ragen die Wände der Werkshallen Richtung Himmel, es wird gehämmert, geschweißt, geschliffen, geölt und gereinigt. Der Geruch von Metall liegt in der Luft, das Licht von Neonröhren erhellt jeden noch so kleinen Quadratzentimeter. Und das ist auch notwendig, werden im Werk, das in seiner Größe einmalig in Deutschland ist, pro Jahr bis zu 1000 Dieselmotoren aufgearbeitet. Dabei ist höchste Konzentration gefragt. Denn trotz ihres nahezu robusten Aussehens sind die Aggregate filigrane Kraftpakete.

Fast 450 Mitarbeiter, davon 49 Auszubildende, tüfteln an den Motoren, die alle 800000 Kilometer aufgearbeitet werden. So auch Marcel Garcia und Waldemar Kramer, die gerade dabei sind, einen überdimensionalen Abgaskrümmer an ein sogenanntes Powerpack zu montieren. Ist für diese Arbeit an einem normalen Auto ein Mensch ausreichend, braucht es hier vier Hände und zusätzlich einen Kran. Einer hält fest, der andere schraubt. Jedes Teil am Antriebsaggregat muss sitzen, schließlich werden die Motoren nach der Endabnahme auf eine Reise geschickt, die 20-mal so lang ist wie der Äquator.

In der Endabnahme wird der Motor auf Herz und Nieren geprüft. Erst wenn alles in Ordnung ist, wird das Aggregat wieder eingebaut und geht auf die nächsten 800000 Kilometer.

Hier ist vieles anders. Allein die Größenunterschiede sind enorm. Misst beispielsweise die Kurbelwelle eines herkömmlichen Autos rund 80 Zentimeter Länge, können es bei Dieselloks gerne viereinhalb Meter sein. Die Motorenleistung der Loks liegt zwischen 130 und 2700 PS, und auch der Hubraum kann sich sehen lassen. Sind es bei Kompaktwagen rund zwei Liter Hubraum, kann das Volumen bei diesen Motoren 100 Liter übersteigen. Doch davor hat hier keiner Angst. Den Mitarbeitern macht gerade das den größten Spaß, wie Waldemar Kramer sagt: „Das ist einfach eine andere Welt. Auf jeden Motor, der fertig ist, sind wir mächtig stolz.“

Je nach Größe und Gewicht der Motoren brauchen die Mitarbeiter zwischen zehn und 40 Tagen zur Revisionierung – so heißt die Wiederaufbereitung der Aggregate. Zunächst wird dazu der Ist-Zustand der Antriebseinheiten bestimmt und auf Grundlage dessen ein konkretes Konzept erarbeitet. Dann durchläuft der Motor alle Teile des Werkes. Zylinderköpfe werden gereinigt, Einspritzpumpen kontrolliert, Pleuelstangen montiert. Wenn alles sitzt, schauen alle gebannt Richtung Endabnahme. Wenn die Parameter stimmen, geht es wieder ab auf die Schiene. Bis zu sechsmal kann ein Motor instandgesetzt werden, was letztlich bis zu fünf Millionen Kilometer macht.

Auch für die Mitarbeiter ist der Moment der Endkontrolle ein ganz besonderer, weiß Stefan Wolter. Der Industriemechaniker, der gerade eine Kurbelwelle schleift, meint: „Jeder bringt sein Wissen ein. Wenn aus einem so großen Puzzle am Ende ein tolles Gesamtbild wird – einfach klasse!“ Dann schlägt nicht nur sein Herz höher, auch die Dieselloks sind um ein gesundes Herzstück reicher.

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