Goldener Bischofsring aus dem 12. Jahrhundert verschwindet aus Museumsvitrine

Diebstahl im Bremer Dom

Blick ins Erdgeschoss des Dom-Museums, das 1987 gegründet wurde – zur 1 200-Jahr-Feier eines historischen Ereignisses: Kaiser Karl der Große hatte Bischof Willehad anno 787 den Amtssitz Bremen zugewiesen. ·
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Blick ins Erdgeschoss des Dom-Museums, das 1987 gegründet wurde – zur 1 200-Jahr-Feier eines historischen Ereignisses: Kaiser Karl der Große hatte Bischof Willehad anno 787 den Amtssitz Bremen zugewiesen. ·

Bremen - Von Thomas KuzajDiebe im Dom! Unbekannte Täter haben einen goldenen Bischofsring aus dem 12. Jahrhundert aus einer Vitrine des Dom-Museums gestohlen. Dort reagierte man bestürzt auf die spektakuläre Tat. „Der Ring hat einen sehr hohen kulturellen Wert“, sagt Dr. Henrike Weyh, die Leiterin des Dom-Museums.

Er zählt zu den Funden aus acht Bischofsgräbern des 11. bis 15. Jahrhunderts, die in den Jahren 1973 bis 1975 bei einer archäologischen Grabung im Mittelschiff des St.-Petri-Doms freigelegt wurden. Das Museum präsentiert sie in abgedunkelten und klimatisierten Räumen, und dort wiederum in lichtgeschützten Vitrinen.

Aus einer dieser Vitrinen im Obergeschoss – das jetzt bis auf Weiteres für Besucher gesperrt ist – verschwand der goldene Ring, den als Stein ein großer, zart lilafarbener Amethyst ziert. Die Archäologen hatten ihn in den 70er Jahren in Grab Nummer 19 gefunden. Er stammt – wie die berühmte vergoldete Krümme eines Bischofsstabes mit Löwenkopf – vermutlich aus England. Möglicherweise kann er Bischof Ger hard II. zugeordnet werden, sagt Kustodin Weyh.

Dass der fast 900 Jahre alte Ring fehlt, wurde am Montagnachmittag bemerkt. Gestern ging die Polizei mit dem Fall an die Öffentlichkeit. „Die Tat dürfte sich am Montag ereignet haben“, so Polizeisprecher Dirk Siemering. Einbruchexperten und Spurensucher der Polizei nahmen die Ermittlungen auf. Siemering: „Insbesondere wird untersucht, wie es gelungen ist, den Ring aus der gesicherten Glasvitrine zu stehlen.“

Offenbar gelang dies über das Belüftungssystem und mit der Hilfe von Draht. Ein Alarm ging nicht los – wie es beispielsweise bei Bildern des Museums der Fall wäre, sollte ihnen jemand zu nahe kommen. Der Ring lag mit vielen weiteren Gegenständen zusammen in der Vitrine, sagt Dr. Detlev Gross. Er ist Vorsitzender der Stiftung Bremer Dom, die das 1987 gegründete Museum für bremische Kirchengeschichte betreibt.

„Ein schlimmes Ereignis“, sagt Gross über den dreisten Diebstahl. Die Polizei vermute, so Gross weiter, dass es sich bei den Tätern nicht um Profis handele, mithin: nicht um einen Auftragskunstdiebstahl. Es handele sich eher um jemanden, „der an Geld kommen will“. Für die Wiederbeschaffung des Rings wurde eine Belohnung in Höhe von 3 000 Euro ausgesetzt – eine Summe, die laut Gross möglicherweise schon über dem Materialwert des Bischofsrings liegt.

Was ihn so unschätzbar wertvoll und auch unersetzlich macht, ist seine kulturelle und historische Bedeutung. Außer dem Ring fehlt nichts, sagt Museumsleiterin Weyh.

Wie aber steht es um die Sicherheit der Exponate des Dom-Museums? „Wir müssen selbstverständlich prüfen, was wir zu tun haben“, sagt Gross. „Wir stehen in Verbindung mit der Polizei und lassen uns dort beraten.“ Zu Diebstählen aus Museen kommt es immer mal wieder. Auch Gross glaubt, dass es keine absolute Sicherheit vor Dieben geben kann. „Wenn einer das wirklich will, dann können Sie das nicht verhindern. Sie können nicht neben jedes einzelne Exponat eine Aufsicht stellen.“

Die Polizei sucht unterdessen nach Zeugen. Siemering: „Wer hat am Montag oder an den Tagen davor Beobachtungen gemacht? Wer kann Angaben zum Verbleib des sakralen Rings machen?“ Und: „Der Zeuge, dem das Fehlen des Rings aufgefallen war, wird gebeten, sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen.“ Hinweise an 0421/362-3888.

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