Pandemie verhagelt Schaustellern die Bilanz

Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“: Die Touristen fehlen

Die Corona-Pandemie hat den Marktleuten in diesem Jahr das Geschäft auf Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ verhagelt. Dennoch sind sie froh, dass Bremen die Veranstaltungen überhaupt ermöglicht hat. 2020 fiel der Trubel ganz aus.
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Die Corona-Pandemie hat den Marktleuten in diesem Jahr das Geschäft auf Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ verhagelt. Dennoch sind sie froh, dass Bremen die Veranstaltungen überhaupt ermöglicht hat. 2020 fiel der Trubel ganz aus.

Die Corona-Pandemie hat den Schaustellern auf Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ in Bremen das Geschäft verhagelt. Dennoch sind sie froh, dass sie überhaupt öffnen durften.

Bremen – Simon Fischer aus Weyhe hat geahnt, dass es mit dem Standort nicht gut laufen würde. Aber es kam noch ärger als befürchtet. Fischer ist Chef der „Feuerzangenbowle“. Der Stand, an dem sich üblicherweise ab nachmittags Menschen drängeln, ist in diesem Jahr statt auf dem Marktplatz auf dem Ansgarikirchhof platziert. Aber nicht nur bei der „Feuerzangenbowle“ laufen die Geschäfte in diesem Pandemie-Jahr weit schlechter als normal, auch andere Stände auf Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ klagen. Dennoch sind alle Marktbetreiber froh, dass die Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte.

Wegen Corona wollte die Marktverwaltung des Geschehen auf dem Marktplatz bewusst entzerren, daher musste Fischer weichen. Für ihn ein emotionaler und finanzieller Rückschlag. „Das tat im Herzen weh“, sagt er. Sein Geschäft sei immer ein Anziehungspunkt auf dem Weihnachtsmarkt gewesen, auf dem es schon seit 30 Jahren stehe. „Wir haben Schilder am alten Standort aufgestellt“, sagt Fischer. Doch dort ist der nächste vergleichbare Stand nahe.

Weihnachtsmarkt: „Feuerzangenbowle“ versetzt

Selbst eine Verdoppelung oder Verdreifachung der erzielten Umsätze hätte zu keiner befriedigenden Lage geführt, sagt Fischer. Nahe seinem Standort gebe es auch noch eine Baustelle und zeitweise Presslufthammerlärm. Er habe die „Feuerzangenbowle“ für seine Stammgäste aufgebaut und um Präsenz zu zeigen. Der Stadt ist er dankbar, weil diese das Standgeld erlassen habe. Mehrere Marktbetreiber haben lobende Worte für die politisch Verantwortlichen, die das Weihnachtsevent überhaupt möglich gemacht haben, wenn auch unter strengen Regeln. Andernorts wurden die Märkte komplett abgesagt, zum Teil direkt nach dem Aufbau.

„Es fehlen die Touristen“, sagt Susanne Keuneke, Vorsitzende des Vereins der Schausteller und Marktkaufleute Bremen, und selbst mit einem gastronomischen Stand vertreten. Ähnliches ist immer wieder zu hören. Die Einheimischen seien verunsichert. Auch abgesagte Weihnachtsmärkte in der Umgebung hätten für keine bessere Lage gesorgt. „Wir laufen hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit“, sagt Keuneke. Da müssten die Schausteller trotz des Wegfalls der Standgebühren aufpassen. Erst sei es schwer gewesen, Personal zu bekommen, jetzt sei es nicht ausgelastet. Arbeitsverträge müssten aber erfüllt werden.

Bremen: Bändchen-Lösung für Märkte und Einzelhandel

Rudolf Robrahn, Vorsitzender des Schaustellerverbands des Landes Bremen und mit der „Elchbar“ auf dem Bahnhofsvorplatz vertreten, sagt: „Die 2G-Regelung ist eine gut verträgliche und saubere Sache.“ Aber auch die Möglichkeit, mit dem Bändchen in die City-Geschäfte zu können, habe die Besucher nicht mobilisiert. Nach seiner Schätzung kommen die Schausteller durchschnittlich auf 25 bis 30 Prozent des Umsatzes von 2019. Eine Belebung habe es an einigen Adventswochenenden gegeben. Auch an diesem Wochenende herrschte reichlich Betrieb auf den Märkten.

Auf Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ in Bremen gilt die 2G-Regel.

„Der Weihnachtsmarkt findet auch unter Pandemie-Bedingungen statt“, das zu zeigen, sei wichtig gewesen, sagt Heiko Schierenbeck aus Weyhe-Leeste, Geschäftsführer bei „Strohmanns Weihnachtsparadies“, das ein Kinderkarussell und Gastronomien umfasst. Er ist unter Corona-Bedingungen zufrieden. Kindergärten und Kindergruppen seien allerdings weggeblieben.

Marktmeister Thomas Ledwig ist zusammen mit seiner Kollegin Franziska Höppe für den „Schlachte-Zauber zuständig.“ Seine Schätzung zum Besucheraufkommen: 30 bis 50 Prozent der Vorjahre. In der Woche sei wenig los, am Wochenende mehr. Sonst seien „Büro-Menschen“ während der Mittagspause gekommen, jetzt gebe es jedoch viel Homeoffice. Die Verkürzung um einen Tag falle nicht großartig ins Gewicht.

Viele Tage nützten nicht unbedingt. „Es ist nichts los, und das wird sich auch nicht verändern“, sagt Sigrid Hinrichs aus Sandkrug, die an einem Stand Haushaltsgegenstände verkauft und zum ersten Mal auf dem „Schlachte-Zauber“ ist. Lohnen würde es sich nicht. Noch schlimmer ergehe es ihrem Mann, der in Hannover unter 2G-plus stehe. „Die Menschen haben keine Lust, mit Maske zu kommen“, sagt sie.

Freibeuterdorf: Ein Drittel der üblichen Besucherzahl

Johannes Faget, Geschäftsführer von „Fogelvrei Produktionen“ (Hassel), dem Ausrichter des Freibeuterdorfs an der Schlachte, geht von einem Drittel der üblichen Besucherzahl aus, vornehmlich als Folge zurückgegangener Touristenzahlen. Im Vergleich zu vergangenen Jahren sprechen die befragten Ausstellern von etwa 50 Prozent des Normalumsatzes. Von etwas mehr berichtet Gewürzkrämerin Elke Osterhaus aus Martfeld. „Unsere Stammgäste halten uns am Leben“, sagt sie. Michel Meyer, Geschäftsführer der „Wein-Taverne“, verweist auf das Ausbleiben niedersächsischer Besucher. Sonst habe er manchmal den Eindruck gehabt, jedes dritte Wort war „Niedersachsen-Ticket“, sagt er.

Am Ende werde für ihn als Veranstalter wohl ein Minus stehen, sagt Faget. „Durch den geforderten entzerrten Aufbau konnten weniger Stände eingeplant werden.“ Dadurch gebe es weniger Umlage bei gleichbleibenden Kosten. Wichtig sei aber, Präsenz zu zeigen und das Überleben der Aussteller zu sichern.

Weihnachtsmarkt und „Schlachte-Zauber“ öffnen noch bis Mittwoch, 22. Dezember, 20.30 Uhr.

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