„Die Reise“ ist das Motto des 31. Bremer Sambakarnevals / Flüchtlinge integriert

Kunst, Politik und Phantasie

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Nähmaschine und Kostümteile: Blick ins Atelier.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir sind noch nicht fertig, wir werden noch ein paar Nachtschichten machen“, sagt Janine Jaeggi, die künstlerische Leiterin des Bremer Sambakarnevals. Der wird in diesem Jahr zum 31. Mal gefeiert. Termin: Freitag und Sonnabend, 29. und 30. Januar. Das Motto heißt „Die Reise“ – was die Fahrt ins Blaue ebenso meinen kann wie die Flucht über Meere und Grenzen. Und natürlich die Zeitreise während der Vorbereitung mit den vielen Nachtschichten.

Die Zeit drängt ein wenig. „Der frühe Termin Ende Januar ist für uns eine Herausforderung“, sagt Jaeggi. Aber der Karneval, die – wie es immer heißt – „Begegnung der Winterkräfte und der aufkeimenden Frühjahrskräfte“, richte sich eben „nach Vollmond und Ostern“, und Ostern ist auch früh in diesem Jahr. Und damit eben auch der Bremer Karnevalstermin, der zugleich so etwas wie der bundesweite Saisonauftakt für die Samba-, Stelzenläufer- und Maskenspielerszene ist.

Und der erfahrungsgemäß ein Schwerpunktthema der Saison vorgibt. „Wir wollen das Motto immer so wählen, dass es politisch ist, dass es künstlerisch ist, dass es möglichst offen ist in ganz verschiedene Phantasierichtungen“, so Jaeggi. Nun, das Thema „Reise“ habe mit Blick auf die aktuellen Weltereignisse einen „brisanten Aspekt“: Flucht. Jaeggi: „Wir sind der Meinung, man sollte da hingehen können, wo man hingehen will.“

Katrin Witte inszeniert das Spektakel, das am Sonnabend, 30. Januar, bereits um 11 Uhr auf dem Bremer Marktplatz beginnt – und nicht (wie gewohnt) dann, wenn die Domuhr zur Mittagsstunde schlägt. Warum 11 Uhr? In diesem Jahr ist ausgerechnet am Samba-Sonnabend auch ein Werder-Heimspiel. Beide Veranstaltungen ziehen erfahrungsgemäß etwa 40000 Besucher an. Dass der Karneval eine Stunde früher loslegt, soll für Entzerrung sorgen. Auf dem Marktplatz werde eine „märchenhafte Fluchtgeschichte“ erzählt, sagt Witte.

Ein Mädchen – begleitet von einer Erzählerin – reist in einem Boot übers Meer. Schließlich kommt es an eine Grenze. Zur Inszenierung gehört eine Gruppe junger Flüchtlinge. Die Jugendlichen spielen – ausgerechnet – Grenzwächter, sagt Witte. Grenzwächter sind es, die sich „zu Unterstützern wandeln“. Bereits zum zweiten Mal integrieren die Karnevalsorganisatoren damit Flüchtlinge in ihre Inszenierung.

Nach dem Marktplatz-Spektakel folgt der Umzug zum und durchs Ostertor, wo es sogar theatral-karnevaleske Inszenierungen in Schaufenstern gibt. Bis etwa 17.30 Uhr soll das Viertel einen „Rausch aus Farben und Musik“ erleben, heißt es. Wie rauschhaft die Stimmung dann im Weserstadion sein wird, lässt sich hingegen deutlich weniger sicher vorhersagen.

87 Gruppen haben sich zum Bremer Karneval angemeldet, etwa 1600 Teilnehmer sind dabei. Bereits am Freitag, 29. Januar, beginnt um 16 Uhr ein „Karneval der Kids“ im Bürgerhaus Weserterrassen (Osterdeich), um 18 Uhr das stimmungsvolle „Lichtertreiben“ im Milchquartier (Ostertor) und um 20 Uhr das traditionelle „Einheizen“ in Lagerhaus, „Lila Eule“ und „Moments“. Der Karneval endet am Sonnabend, 30. Januar, mit einer „Großer-Bahnhof“-Gala im Schlachthof (20 Uhr).

Anschließend machen sich das Team um Janine

Jaeggi auf die Reise: 24 Bremer Stelzen- und Sambakünstler sind nach Hongkong eingeladen – zur Neujahrsparade am 8. Februar.

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