„Fritz“ in Bremen: Musikkomödie „Camping“ feiert Premiere

Die Mischung stimmt

Szene aus der Premiere von „Camping“ mit Rudi und Heidi Schönborn (Philipp Trant, Sarah Fleige).
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Szene aus der Premiere von „Camping“ mit Rudi und Heidi Schönborn (Philipp Trant, Sarah Fleige).
  • Martin Kowalewski
    vonMartin Kowalewski
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Bremen – Es ist ein langer Applaus, als Christopher Kotoucek, Chef des Bremer „Fritz“-Theaters, vor der Premiere von „Camping“ kurz auf die Bühne kommt. Er genießt das sichtlich. Die Zuschauer freuen sich, denn das „Fritz“ spielt wieder, zunächst im Metropol-Theater.

Kotoucek hat wieder einen herrlichen Schwank geschrieben und viele Schlager, Gassenhauer und auch Pop-Songs darin verwoben und teilweise mit anderen Texten versehen. So beginnt das Stück mit einem gewissen Pathos. Aus „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ ist „Rudi, wir fahr‘n in Harz“ geworden, mit Wucht gesungen von Adelheid Schönborn (Sarah Fleige).

Es folgt entspanntes Urlaubsfeeling, der gesamte Cast tanzt und singt den Song „Urlaub“, eine Abwandlung von „Hands Up“ der Discoband „Ottawan“. Die Zuschauer klatschen den ganzen Song über mit. Bauunternehmer Rudi Schönborn (Philipp Trant) und seine Frau ahnen noch nicht: Der vertraute Camping-Platz ist auch eine Baustelle, allerdings im Verdeckten. Dafür sorgt Thomas (Christopher Ciraulo), der einen unterirdischen Tunnel baut.

Ein Tag und eine Kiste Bier

Wie auch Rudi steht Thomas unter der Fuchtel seiner Partnerin. Während er arbeitet, genießt Iris (Maria Kristina Nissen) das Leben auf dem Camping-Platz und ist dem Alkohol nicht abgeneigt: „Ein Tag hat 24 Stunden, ‘ne Kiste Bier hat 24 Flaschen. Ich glaube nicht an Zufälle.“

Schnell kommt raus: „Camping“, laut Untertitel eine „typisch deutsche Musikkomödie“, ist auch ein bisschen Kriminalstück. Der Tunnel führt in eine nahegelegene Villa, deren Besitzer ist in Urlaub und soll um seine Kunstsammlung erleichtert werden. Es handelt sich um den Ex von Thomas’ Mutter Rita (Cindy Walther), Imbiss-Betreiberin und gute Seele des Platzes. Der Ex hat sie angeblich sehr schlecht behandelt. Zudem hat er noch eine Rechnung für den Bau der Villa bei Rudi Schönborn offen. Schließlich haben noch Kurt und Hilde, zwei putzige Maulwurfpuppen mit den Stimmen von Kotoucek und Lena Wischhusen, einen gelungenen Auftritt und eine fürs Verbrechen gar nicht so unwichtige Rolle.

Tanzszenen und Ovationen

Die Schauspieler strotzen vor Energie. Man merkt förmlich, wie sie die Bühne vermisst haben. Alle machen ihre Sache richtig gut. Das findet auch Zuschauerin Manuela Dahmen (52) aus Brake, Ostwesfalen. „Mir hat das gefallen. Ein sehr heiterer Abend, eine gute Mischung aus aktuellen Songs und Songs aus den 70ern“, sagt sie. Die Zuschauer danken mit stehenden Ovationen.

Die vielen Tanzszenen begeistern das Publikum. Tanz-Ikone Sarah Fleige gibt eine herrlich-verwöhnte ältere Unternehmergattin. Nissen setzt eine junge Schönheit in Szene. Es knistert förmlich, wenn sie mit dem Publikum flirtet und diesem ein Bussi zuwirft, während sie den Anfang von „36 Grad“ singt.

Trant beeindruckt besonders mit seiner Gesangsstimme. Kraft und zarte Artikulation gehen Hand in Hand mit viel Ausdruck. Zusammen mit Ciraulo singt er einen „sensiblen“ Song: den Heinz-Erhardt-Klassikier „Immer wenn ich traurig bin (trink ich einen Korn)“. Der Pegel steigt. Die Zuschauer klatschen im Refrain mit. Die Schauspieler kombinieren die typische Motorik schwer Angetrunkener mit Elementen moderner Bühnenchoreographie. Eine gelungene Premiere!

Rückkehr in den Keller

Übrigens: Ab Sonnabend, 15. August, spielt das „Fritz“-Theater wieder im eigenen Keller am Herdentorsteinweg 39. Dann steht die Travestie-Musik-Komödie „Flying Sisters am Boden – Neues aus der Corona-WG“ auf dem Programm. Beginn: 20 Uhr.

„Camping“ ist bis zum 22. August auf der Bühne des Metropol-Theaters am Richtweg zu sehen. Die nächsten Termine: 2. und 6. August, 19.30 Uhr, sowie 7. und 8. August, 20 Uhr. Eintritt: 20 bis 40 Euro. Tickets gibt es in den Verkaufsstellen unserer Zeitung.

Von Martin Kowalewski

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