Programm am Sonntag

So läuft der „Tag des offenen Denkmals“ in Bremen

Die prachtvolle Baumwollbörse an der Wachtstraße in der Bremer Innenstadt gilt als Schlusspunkt des Historismus in Bremens Architekturlandschaft. Die Fassade aber will einen Renaissance-Eindruck erwecken, sagt der Landesdenkmalpfleger.
+
Die prachtvolle Baumwollbörse an der Wachtstraße in der Bremer Innenstadt gilt als Schlusspunkt des Historismus in Bremens Architekturlandschaft. Die Fassade aber will einen Renaissance-Eindruck erwecken, sagt der Landesdenkmalpfleger.

Bremen – „Sein und Schein“ – unter diesem Motto steht der „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 12. September. Mehr als 70 Denkmäler sind in Bremen dabei. Professor Georg Skalecki, Bremens Landeskonservator, ist froh, dass es wieder „einen richtigen, einen analogen“ Denkmal-Tag gibt.

Nichts gegen das Digitale, doch „das tatsächliche Erleben der Denkmäler“sei nicht zu ersetzen – schließlich gehe es um „die Macht des Authentischen“. Fragen und Antworten zum Thema.

Was bedeutet das Motto „Sein und Schein“?

Es geht um Materialtäuschungen, Augentäuschungen und akustische Täuschungen – ein spielerisches Motto, das zum Blick hinter die Kulissen verführt. „Denkmäler sind immer echt, aber manchmal wurde getrickst“, sagt Skalecki.

Wie können solche Täuschungen aussehen?

Die Illusionsmalerei ist ein schönes Beispiel. Wandmalereien und Mosaiken im Chor und an der Turmfassade im Innenraum des Bremer St.-Petri-Doms etwa wecken den Eindruck von Marmor und Schiefer, obwohl diese Materialien gar nicht verarbeitet wurden, wie Karin Geiss vom Landesamt für Denkmalpflege sagt. Im Dom gibt es am Sonntag um 14, 15 und 16 Uhr verschiedene Themenführungen – mit jeweils höchstens 20 Teilnehmern.

Gibt es Täuschungen auch in der Architektur?

Johann Georg Poppe (1837 bis 1915) war im ausklingenden 19. Jahrhundert so etwas wie der Star-Architekt des auf Repräsentation bedachten Bremer Bürgertums. Sein Stil war der Historismus. In den Jahren 1900 bis 1902 errichtete er die prachtvolle Baumwollbörse an der Wachtstraße – Historismus pur, ganz nach dem Geschmack der Zeit. Die Fassade aber „erweckt bei Betrachtern den Eindruck, sie würden vor einem Bauwerk der Renaissance stehen“, heißt es bei den Denkmalpflegern. Dabei handelt es sich um einen Stahlskelettbau! Für die Rundgänge um 11, 12, 13 und 14 Uhr gibt es ab Dienstag, 7. September, kostenlose Eintrittskarten an der Rezeption der Baumwollbörse (14 bis 17 Uhr).

Wie passt das Motto zur Kunst?

In „Thieles Garten“, einer romantisch wirkenden 20er-Jahre-Anlage in Bremerhaven (Leherheide, Führungen um 11 und um 15 Uhr), stehen Bronzeskulpturen – glaubt man jedenfalls. Doch für Bronze hatten die Garten-Gründer kein Geld. Die Figuren bestehen in Wirklichkeit aus Drahtgeflecht, Ziegelbrocken und Mörtel – und einer wetterfesten Zementmischung für die Außenhaut. Für den Bronze-Look sorgt ein Anstrich aus Firnis und Pottasche.

Welche Täuschungen gibt es in der Musik?

Die Orgel, vom Musikrat zum „Instrument des Jahres“ gekürt, soll ein Orchester vortäuschen. Zum „Tag des offenen Denkmals“ wird in Bremen die Orgel der Propsteikirche St. Johann im Schnoor in den Fokus gerückt – und zwar bereits am Sonnabend, 11. September, ab 19.30 Uhr. Dann nämlich beginnt dort eine „Orgelnacht“ mit fünf je 30-minütigen Kurzkonzerten. Programm: Orgelmusik von Barock bis Jazz.

Apropos Schnoor – läuft da noch was?

Ja, am Sonntag. Denkmalpfleger Uwe Schwartz führt ab 14 Uhr durch die historische Haupt-Gasse des Quartiers. Sein Thema: Lücken. Jene Lücken, die bei der Schnoor-Sanierung ab 1959 gefüllt wurden, um Kriegsschäden zu ersetzen – und zwar so, dass das Neue nicht an jeder Stelle gleich als neu zu erkennen ist. Treffpunkt für den Rundgang ist der Brunnen „Beim Bade“ am Stavendamm.

Wo wird das Bremer Programm zum „Tag des offenen Denkmals“ eröffnet?

Im Tabakquartier in Woltmershausen – auf dem Areal der früheren Tabak- und Zigarettenfabrik Martin Brinkmann („Lord Extra“) also. Hier entsteht gegenwärtig ein neues Viertel; das Weyher Theater etwa eröffnet im Tabakquartier am 17. September seine zweite Spielstätte, das Boulevardtheater Bremen. Zur Eröffnung des Denkmal-Tags sprechen an der Hermann-Ritter-Straße 112 neben Landeskonservator Skalecki Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz und Marcel Linnemann vom Immobilienunternehmen Justus Grosse (11 Uhr). Es spielen Musiker der Bremer Philharmoniker. Führungen mit dem Architekten Hans-Jürgen Hilmes sind für 13 und 15 Uhr geplant.

Welche Corona-Einschränkungen gelten am „Tag des offenen Denkmals“?

3G ist Pflicht; der Trend geht zu kleineren Besuchergruppen, für viele der Programmpunkte sind Anmeldungen nötig. In den Gebäuden müssen Masken getragen werden. Da sich auch in den nächsten Tagen immer noch etwas ändern kann, rät Skaleckis Team zum Blick auf die Website der Bremer Denkmalpflege.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Mögliche Minister unter Rot-Gelb-Grün

Mögliche Minister unter Rot-Gelb-Grün

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Meistgelesene Artikel

Bremen: 83-Jähriger überfährt Ehefrau – tot

Bremen: 83-Jähriger überfährt Ehefrau – tot

Bremen: 83-Jähriger überfährt Ehefrau – tot
Grünes Licht vom Bremer Wirtschaftsressort für Freimarkt

Grünes Licht vom Bremer Wirtschaftsressort für Freimarkt

Grünes Licht vom Bremer Wirtschaftsressort für Freimarkt
Neue Corona-Verordnung in Bremen: 2G oder 3G – Was gilt in Bremen?

Neue Corona-Verordnung in Bremen: 2G oder 3G – Was gilt in Bremen?

Neue Corona-Verordnung in Bremen: 2G oder 3G – Was gilt in Bremen?
Bremen: Elfjähriger baut Unfall mit Papas Benz

Bremen: Elfjähriger baut Unfall mit Papas Benz

Bremen: Elfjähriger baut Unfall mit Papas Benz

Kommentare