Feuer und Vernichtung

Die Geschichte des Kaufhauses von Max Baron in der Bremer Innenstadt

Das Bremer Kaufhaus von Max Baron auf der Werbe-Ansichtskarte.
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Das Bremer Kaufhaus von Max Baron auf der Werbe-Ansichtskarte.

Bremen – „Großfeuer. Brand des Warenhauses Max Baron & Co. an der Obernstraße.“ So steht es unter dem Datum 24. Januar 1903 in der Chronik „30 Jahre Bremen“, die 1906 im Bremer Schünemann-Verlag erschienen war. Das Warenhaus von Max Baron an der Obernstraße 10 – heute ist es Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Das Großfeuer an jenem Januartag des Jahres 1903 – in der Chronik zwischen den Punkten „Anstellung eines Staatsbaumeisters“ und „Mitteilungen der Gewerbekammer“ abgehandelt – vernichtete ein so liebe- wie geschmackvoll eingerichtetes Kaufhaus. Dielen, Regale, Schubfächer. Schokolade, Damenmode, Kinderwagen.

All dies und vieles mehr ist auf einer farbigen Ansichtskarte zu sehen, mit der das Kaufhaus – offenkundig ein Schmuckstück der Bremer Innenstadt – für sich warb. Ein dreistöckiges Gebäude zeigt die Karte. Erdgeschoss und erstes Obergeschoss mit großen Fenstern, hinter denen die Warenauslagen zu erkennen sind. Und darüber eine Wohnetage mit kleineren Fenstern und Vorhängen.

Elektrischer Fehler löst Großbrand aus

Es war die Privatwohnung Barons, der aus der Stadt Fürstenberg (Oder) bei Guben stammte und Mitte der 1890er Jahre nach Bremen gekommen war. Sein Geschäft an der Obernstraße lief gut. Anfang 1899 heiratete er seine Frau Henriette, die – wie Baron – jüdischen Glaubens war und zuvor noch bei ihren Eltern an der Pelzerstraße gewohnt hatte, nur wenige Schritte von Barons Kauf- und Wohnhaus entfernt.

Das Großfeuer vom 24. Januar 1903 zerstört das Glück. Es ist schon fast Feierabend, als es ausbricht; die Ursache ist – wie später vermutet wird – eine elektrische Störung in einem der Schaufenster. Die Fenster bersten, Waren und Einrichtung stehen in Flammen. Das Feuer vernichtet Max Barons Werk. Angestellte und Kundinnen flüchten durch den Hinterausgang. Barons Frau hatte gerade entbunden. Der Kaufmann trägt sie in die Pelzerstraße, zu den Eltern. Ein Kindermädchen rettet das Neugeborene. Die Feuerwehr kämpft gegen die Flammen und kühlt damit die Eisenträger, die das Haus stützen.

Ermordet in Auschwitz, Treblinka und Sobibor

Es sind Flammen, die mehr als ein Warenhaus zerstören. Die Ehe der Barons wird sich von dem Schicksalsschlag nicht erholen und Ende 1903 geschieden. Barons nun ehemalige Frau nimmt wieder ihren Mädchenamen an: Hirschhahn. 1907 heiratet sie erneut. Sie zieht nach Augsburg, später dann nach München. Von dort wurde sie am 20. April 1943 nach Theresienstadt deportiert, wie auf der Website „Gedenkbuch München“ unter dieser Adresse zu lesen ist. In Auschwitz wurde sie ermordet.

Max Baron verkaufte sein Geschäft im Oktober 1903 an die jüdischen Unternehmer Samuel Heymann und Leo Neumann, die es wieder aufbauten und nach einer Hausnummernänderung als elegantes Kaufhaus mit der Adresse Obernstraße 15 neu eröffneten. In den 30er Jahren wurden sie im Zuge der „Arisierung“ unter anderem mit Boykotten zur Aufgabe gezwungen. Heymann wurde 1942 im KZ Treblinka ermordet. Neumann floh in die Schweiz, wie es auf der Bremer Spurensuche-Website heißt.

Max Baron hatte 1921 mit 52 Jahren in Holland wieder geheiratet. Seine zweite Frau – Isabella, geborene Koppel, aus Apeldoorn – wurde 1943 im Vernichtungslager Sobibor in Polen ermordet. Über das Leben von Max Baron nach der Eheschließung 1921 im holländischen Zutphen sind keine gesicherten Daten zu finden. Sein Name taucht online in holländischen Akten auf, aber seine Spur verliert sich.

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