Zeitreise in die 60er

Die „Ecksteine“ und der heiße Soul-Jazz aus Bremen

„Ecksteine“, das Jazz-Buch von Rolf Schmidt.
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„Ecksteine“, das Jazz-Buch von Rolf Schmidt.

Bremen – Es ist ein Buch über Musik, über Jazz. Es ist ein Buch voller persönlicher Erinnerungen. Es ist ein Buch über Bremen in den 60er und 70er Jahren; ein Buch über die Szene, die – vom Schnoor ausgehend – das Viertel eroberte und schließlich (vor den Abrissbaggern und der „Mozarttrasse“) rettete.

Eine Szene, die um die „Lila Eule“ kreiste, eine Szene mit Charakteren wie Olaf Dinné (Architekt und später Urgestein der Grünen-Bewegung), Ursel Kerstein (ab 1982 die erste Frauenbeauftragte Bremens), Gert Settje (der später das „Cinema Ostertor“ aufbaute). Immer mittendrin: die „Ecksteine“. Sprich: das stilbildende Jazz-Sextett des Bremer Pianisten Harald Eckstein, eigentlich Werbegrafiker von Beruf.

Die Musiker bringen in den 60er Jahren den Modern Jazz nach Bremen – und müssen zugleich erleben, wie die Beat-Musik dem Jazz mehr und mehr das (junge) Publikum nimmt. Das Eckstein-Sextett aber läuft – gut eingespielt – zu großer Form auf, freitags als Hausband in der „Lila Eule“, regelmäßig auch vor US-Soldaten in einem heute geradezu legendären Bremerhavener Club: In „Chico‘s Place“, der Bar des Nigerianers Chico Eyo an der Rickmersstraße. Dort war die Musik so heiß, dass der Schweiß von der Decke tropfte – heißt es. Manche sprechen noch heute davon.

Session mit König Bhumibol im Bremer Park Hotel

Rolf Schmidt zum Beispiel. Der Lehrer war der Schlagzeuger in Ecksteins Band, die mit ihrem soulgetränkten schwarzen Hardbop europaweit auf sich (und Bremen) aufmerksam machte. Schmidt, Jahrgang 1938, hat die Geschichte des Sextetts nun aufgeschrieben: „Ecksteine – Als der Bebop nach Bremen kam“, so heißt sein 224-Seiten-Buch, das im Kellner-Verlag erschienen ist und 19,90 Euro kostet.

Die Bremer, zu denen der afroamerikanische Trompeter William „Mac“ McKay gehörte, der ursprünglich als US-Soldat nach Bremerhaven gekommen war, erspielten sich in den 60ern einen Ruf, der weit über Bremen hinausreichte. Das Eckstein-Sextett gewann große Amateurmusikfestivals. Es spielte für den in Jazzmusik vernarrten König Bhumibol von Thailand im Park Hotel (und auch mit ihm). Die Bremer schafften es nach New York und – 1967 – zum berühmten Newport Festival. Mehr Jazz geht kaum. Aber Profis wollten sie trotzdem nicht werden.

Von Ausnahmen abgesehen. Der Saxophonist Jochen Voß etwa zählt lange schon zur europäischen Spitze – wie auch der Bremer Posaunist und Pianist Ed Kröger, der Ecksteins Sextett einst verließ, um Berufsmusiker zu werden. „Drummer Man“ Schmidt erzählt die Geschichte der „Ecksteine“ in 33 Abschnitten – mal reportagehaft, mal tagebuchartig, mal dokumentarisch. Als Leser wäre man gerne live dabeigewesen.

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