Kundgebung in der City

Solidarität mit Israel: Emotionale Momente auf dem Bremer Marktplatz

„Bremen unterstützt Israel“: Junge Teilnehmer der Kundgebung halten auf dem Bremer Marktplatz ein Transparent mit Friedenstaube und rotem Herz hoch.
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„Bremen unterstützt Israel“: Junge Teilnehmer der Kundgebung halten auf dem Bremer Marktplatz ein Transparent mit Friedenstaube und rotem Herz hoch.

Etwa 300 Menschen haben am Sonntag auf dem Bremer Marktplatz für Solidarität mit Israel demonstriert – vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts. Landesrabbiner Netanel Teitelbaum, Oberhaupt der Jüdischen Gemeinde in Bremen, rief dazu auf, in den Dialog zu treten: „Unsere Aufgabe ist es, miteinander zu sprechen.“

Bremen – Es wurde still auf dem Marktplatz, als der Rabbiner ans Mikrofon trat. Ein emotionaler Augenblick, zumal die Anwesenden wussten: Teitelbaum war erst kurz zuvor aus Israel zurückgekehrt, wo er von den Raketen- und Luftangriffen überrascht worden war. Fünfmal musste der Rückflug verschoben werden, berichtete Grigori Pantijelew, stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde.

Teitelbaum gelangte schließlich über Paris und Hamburg nach Bremen; auf dem Weg zum Flugzeug nach Paris musste er vor Raketenbeschuss Zuflucht suchen. „Das Ziel dieser Bomben war, mich zu töten“, so hat er das empfunden. „Ich wollte einfach nur nach Bremen zurück.“

Landesrabbiner Netanel Teitelbaum.

50 Teilnehmer hatten die Organisatoren der einstündigen Demonstration erwartet, so die Polizei, die sämtliche Zuwegungen zum Marktplatz gesichert und bewacht hatte. Die Jüdische Gemeinde und die Deutsch-Israelische Gesellschaft wollten mit der Kundgebung ein Zeichen setzen – auch mit Blick auf die pro-palästinensische Demonstration am Himmelfahrtstag auf dem Domshof, zu der 1 500 Teilnehmer aus Bremen und Umgebung angereist waren.

Präsident Imhoff wählt deutliche Worte

Schon eine gute Viertelstunde vor Beginn der Kundgebung auf dem Marktplatz zeichnete sich am Sonntag ab, dass deutlich mehr als 50 Menschen kommen würden. Überall Israel-Flaggen, kleine aus Papier, große aus Stoff, gerne über die Schultern gehängt. Etliche bekannte Gesichter waren zu sehen – so erschien beispielsweise Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD). Viele Bürgerschaftsabgeordnete waren zu sehen, Sozialdemokraten und Christdemokraten, Grüne und Linke. Sie hielten keine Reden, sie waren einfach da, um ihrer Solidarität mit Israel Ausdruck zu verleihen.

Bürgermeister a. D. Henning Scherf unter den Demonstranten auf dem Marktplatz.

Einer aber sprach – gleichsam von Amts wegen. Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff wählte deutliche Worte. „Die Raketenangriffe auf Israel sind ein Akt des Terrors“, so der Christdemokrat. Und es mache ihn „wütend“, wenn er sehe, „was auf deutschen Straßen passiert“, die antisemitischen Äußerungen, das Verbrennen israelischer Flaggen, die Steinwürfe auf Synagogen. Das seien Taten Krimineller. „Wir dürfen uns das nicht gefallen lassen“, so Imhoff.

„Israel wird von der Terrororganisation Hamas angegriffen“, so Hermann Kuhn von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. „Israel hat das Recht und die Pflicht, sich zu verteidigen, seine Bürger zu schützen.“

Polizei stellt Mikro zur Verfügung

Die Hamas hetze junge arabische Israelis zu gewaltsamen Unruhen auf, sie wolle „jedes erfolgreiche gute Zusammenleben stören“, so Kuhn. „Wir sind der Überzeugung, dass wir in Deutschland und in Bremen für das Recht der Israelis eintreten müssen, in Sicherheit leben zu können; nur so kann Frieden entstehen.“

Da Mikro und Lautsprecher der Organisatoren nicht ausgereicht hätten, den – mit Abstand – vollen Marktplatz zu beschallen, durften die Redner das Mikrofon des Polizei-Lautsprecherwagens benutzen. Aus Sicht der Polizei lief die Kundgebung auf dem Marktplatz störungsfrei ab, sagte ein Sprecher. Einschreiten mussten die Beamten woanders: Am Sonntagnachmittag entdeckten Einsatzkräfte an einem Schulgebäude in der Bremer Neustadt die Schriftzüge „Free Palestine“ und „Fick Israel“. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, hieß es.

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