Wie DGzRS und DLRG dabei helfen, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten

Die Bilder von Lesbos

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Einsatz in der Ägäis – die Besatzung der „Minden“ nimmt Menschen aus einem seeuntüchtigen Schlauchboot an Bord. Das Manöver konnte zuvor nicht trainiert werden.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Über ihren gemeinsamen Einsatz im Mittelmeer berichten Vertreter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) gerade, als plötzlich ein Zettel mit den neuesten Zahlen in den Raum gebracht wird. Weitere 146 Menschen, darunter 40 Kinder, aus Gefahr befreit und vor dem möglichen Ertrinkungstod gerettet, heißt es darauf.

Nüchterne Zahlen. Was hinter ihnen steckt, lässt sich erahnen, als Kapitän Udo Helge Fox, Leiter des Rettungsdienstes bei der DGzRS, vom Einsatz in der Ägäis erzählt. Wie berichtet, unterstützen die Bremer dort mit dem Seenotrettungskreuzer „Minden“ seit Montag unter Regie der griechischen Küstenwache die Schwesterorganisation „Hellenic Rescue Team“.

Gerettet werden Flüchtlinge, die von der Türkei aus auf die griechische Insel Lesbos gelangen wollen – und die von Schleusern in überladenen Schlauchbooten auf die lebensgefährliche Reise geschickt werden.

„Ich hab‘ ein Kleinkind von vier Wochen im Arm gehabt“, sagt Kapitän Fox, der gerade von Lesbos zurückgekehrt ist. „Es steckte in völlig durchnässten Decken.“ Fox: „Frühzeitige Hilfe ist wichtig.“ Bevor die Holzböden der Flüchtlingsboote nachgeben, bevor vorgelagerte Felsen unter Wasser die Boote aufschlitzen, bevor die Menschen in gefährliche Strömungen geraten. 50, 60, 70 Menschen auf einem Boot, das allenfalls für zehn reicht. Ausgestattet mit Westen, die wie Rettungswesten aussehen, aber vielfach eher gefährliche Imitate sind, wie Fox anhand von Beispiel-Westen vorführt.

„Die griechische Küstenwache hat entschieden, wir warten nicht mehr ab, bis die Leute ertrinken“, heißt es nun. Und: „Es hat in den vergangenen Tagen keine Todesfälle gegeben.“ Jetzt nämlich gibt es – unter Beteiligung der Bremer – Patrouillen, um frühzeitig intervenieren zu können. „Wir müssen Menschen von Klippen herunterziehen und aus Strömungen herausziehen“, sagt Dr. Detlev Mohr, Vizepräsident der DLRG.

DGzRS-Koordinator Fox zeigt Videos, auf denen zu sehen ist, wie die Besatzung der „Minden“ syrische Flüchtlinge mit großem Einsatz unter widrigen Bedingungen an Bord des Seenotkreuzers bringt. Kinder, Frauen, Männer. Durchnässt, erschöpft, von Angst gezeichnet. Bilder und Erlebnisse, die auch den Helfern, den Freiwilligen, den Ehrenamtlichen zu schaffen machen. Sie werden psychologisch betreut, berichten Vertreter beider Rettungswerke. Und sie werden zuvor trainiert, um mit den speziellen Belastungen eines solchen Einsatzes zurechtzukommen. Es seien auch Freiwillige abgelehnt worden, denen man nicht zutraute, die Belastungen durchzustehen, heißt es.

Die Flüchtlinge werden im Hafen von Mytilini auf Lesbos an die griechischen Behörden übergeben. „Wir wollen nicht mit ansehen, wie Menschen in Europa ertrinken bei der Flucht vor Krieg und Elend“, sagt DLRG-Vizepräsident Mohr. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt tätig werden können.“

Warum erst jetzt? DGzRS-Vorsitzer Gerhard Harder erklärt es so: „Wir sind von den griechischen Freunden gebeten worden, in der Ägäis zu helfen.“ Man taucht ja nicht einfach so in fremden Gewässern auf. Der Hilferuf kam im November. Harder: „Wir müssen helfen. Wir werden es so lange tun, wie es nötig ist.“

Erst einmal mit der „Minden“. In einigen Monaten soll der Kreuzer von zwei 8,50-Meter-Booten abgelöst werden, die die Seenotretter jetzt in Auftrag gegeben haben und die von privaten Sponsoren bezahlt werden. „Die Boote übergeben wir der griechischen Rettungsorganisation als Hilfe zur Selbsthilfe“, so Harder. Mit Blick auf die gefährlichen Felsen in der Ägäis seien es Boote mit einem Rumpf aus elastischem Polyäthylen – und nicht, wie sonst, aus Aluminium. Nüchterne Technik. Auch sie kann lebensrettend wirken.

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