„Stolpersteine Bremen“ stellt vierten Band vor

Buchpremiere in der Zentralbibliothek: Dezentrale Mahnmale

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660 Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig wurden von 2004 bis 2016 in Bremen verlegt und sollen so an die Schicksale der Juden während der NS-Zeit erinnern. Das Foto zeigt zwei Steine in der Sögestraße.

Bremen. - Von Steffen Koller. Sieben Bücher sollen es mal werden, drei sind bereits erschienen: Das Projekt „Stolpersteine Bremen“ stellt morgen, Donnerstag, ab 19 Uhr in der Bremer Zentralbibliothek nun den vierten Band der Reihe „Stolpersteine in Bremen – Biographische Spurensuche“ vor. Dieses Mal im Fokus: die Stadtteile Schwachhausen und Horn-Lehe.

660 sogenannte „Stolpersteine“ wurden von 2004 bis 2016 in Bremen verlegt, jeder einzelne soll an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft errinnern. Im Zusammenhang mit der Verlegung der Messingsteine, die die Lebensdaten deportierter, verfolgter oder in „Schutzhaft“ genommener Menschen zeigen, hat das Projekt „Stoplersteine Bremen“ intensive Spurensuche betrieben und die Ergebnisse zu Papier gebracht. Drei Bände, die sich mit den Regionen Nord, Mitte und Ostertor/Östliche Vorstadt beschäftigen, sind seitdem erschienen.

Nun folgt Band Nummer vier, erschienen im Sujet-Verlag. Das Buch, das sich mit den Stadtteilen Schwachhausen und Horn-Lehe befasst, informiert unter anderem über Themen wie Suizid unter Juden in der NS-Zeit, die Nachkriegsgeschichte der Jüdischen Gemeinde in Bremen, das Haus Reddersen und sogenannte „Judenhäuser“. Zusätzlich soll das Werk eine aktualisierte Geschichte der Deportation der Bremer Juden in das Ghetto Minsk zeigen.

Überdies haben die Macher dem Buch einen Stadtplan mit eingezeichneten Verlegeorten für eine persönliche Spurensuche beigelgt. Über ein Nummernsystem soll es möglich sein, die jeweiligen biographischen Porträts zu finden und sich so vor Ort die historischen Hintergründe zu erschließen. „Ein Glossar wichtiger Begriffe, eine Zeitleiste zur NS-Geschichte und eine Literaturzusammenstellung runden das Informationsangebot ab“, heißt es in einer Mitteilung der Organisatoren.

Musikalischer Rahmen durch Dieter Weische

Zur Buchpremiere wird neben Mitautor Peter Christoffersen auch Regisseur und Übersetzer Rainer Iwersen zugegen sein. Letzterer liest Auszüge aus dem Buch. Dieter Weische (Japanische Bambusflöte) sorgt für die musikalische Umrahmung des Abends. Das Grußwort spricht Karin Mathes, Leiterin des Ortsamtes Schwachhausen/Vahr.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert seit 1992 mit den Messingsteinen, die bodengleich vor die letzten – meist selbst gewählten – Wohnorte in den Bürgersteig eingelassen werden, an die Schicksale der Juden zur NS-Zeit. In Bremen geht man bislang von 1 500 Menschen aus, die der Diktatur zum Opfer gefallen sind. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit darüber. Durch das Projekt von Künstler Demnig wurden bis Mitte dieses Jahres rund 61.000 Steine in Deutschland und 21 weiteren europäischen Ländern verlegt. Die „Stolpersteine“ sind somit das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

Die Buchpremiere, die im Zusammenhang mit der Wanderausstellung „Vernichtungsort Malyj Trostenez. Geschichte und Erinnerung“ steht, die in der Unteren Rathaushalle noch bis zum 16.  Oktober zu sehen ist, beginnt um 19 Uhr im Wall-Saal der Zentralbibliothek (Am Wall 201). Der Eintritt ist frei.

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