„Bremer Frauen-Geschichten”: Der soziale Aufstieg von Louise Ebert

Deutschlands erste „First Lady“

Jugendfoto von Deutschlands erster „First Lady“ Louise Ebert.

Bremen - Von Nina Seegers. Vom einfachen Mädchen aus Melchiorshausen zu Deutschlands ersten „First Lady“: Das Leben von Louise Ebert (1873 bis 1955) verlief alles andere als geradlinig, ihr sozialer Aufstieg war außergewöhnlich. Der Sozialdemokratin ist daher eine Folge unserer Serie „Bremer Frauen-Geschichten” gewidmet.

11. Februar 1919, Weimarer Republik: Der Erste Weltkrieg ist beendet, der Kaiser hat abgedankt und Friedrich Ebert ist das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt Deutschlands. An seiner Seite: Louise Ebert, geborene Rump, Tochter eines Arbeiters und einer Waschfrau aus Melchiorshausen, Weyhe.

Rückblende: Bereits 1891 kommt der gebürtige Heidelberger Friedrich Ebert, 20 Jahre jung, nach Bremen. Auf einer Gewerkschaftsversammlung lernt er dort zwei Jahre später seine zukünftige Ehefrau kennen. Louise Rump hat zu jener Zeit in der Hansestadt eine Anstellung als Etikettenkleberin in einer Teefabrik und ist politisch engagiert. Sie setzt sich für bessere Bedingungen der Arbeiter ein und ist als 20-Jährige bereits zweite Vorsitzende im „Centralverband der in Holzbearbeitungsfabriken und auf Holzplätzen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen“.

1894 heiratet sie Friedrich Ebert und bringt bis 1900 fünf Kinder zur Welt, vier Söhne und eine Tochter. Die Familie wohnt in der Bremer Neustadt. An der Ecke Brautstraße/Westerstraße betreibt die frischgebackene Mutter zusammen mit ihrem Mann die Gaststätte „Zur guten Hilfe” – ein Treffpunkt für Gewerkschafter und Sozialdemokraten. Friedrich Ebert macht ab 1899 eine steile Karriere als SPD-Politiker: Bis die Familie 1905 nach Berlin zieht, ist er Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und Fraktionsvorsitzender. In der Hauptstadt ist Ebert zunächst Parteisekretär der SPD, dann Parteiführer und wird schließlich nach dem Ersten Weltkrieg zum Reichspräsidenten gewählt.

Um 1920: Das Haus der Familie Rump in Melchiorshausen. - Repros: Wilfried Meyer

Aber zurück zu Louise Ebert. Die fünffache Mutter ist nicht einfach nur die Ehefrau des Reichspräsidenten. Die Rolle der „First Lady” füllt das gebürtige Mädchen vom Lande vollends aus und verschafft sich großen Respekt. Zeitgenossen schätzen Eberts schlichtes, geradliniges Wesen, ihre sympathische und natürliche Art. Die engagierte Sozialdemokratin teilt mit ihrem Mann die gleichen politischen Ziele und glaubt an diese auch über dessen Tod 1925 hinaus.

Bis zum Zweiten Weltkrieg lebt die Witwe weiterhin in Berlin, von dort zieht sie wegen schwerer Bombenangriffe in den Schwarzwald. Zu diesem Zeitpunkt sind nicht nur ihr Mann, sondern auch drei ihrer fünf Kinder bereits gestorben – ihre beiden mittleren Söhne fallen im Ersten Weltkrieg und auch die Tochter stirbt jung im Alter von 31 Jahren.

Ihr ältester Sohn Friedrich Ebert junior ist ab 1948 Oberbürgermeister von Ost-Berlin. Ihr Jüngster wohnt in Heidelberg und ist dort Abgeordneter des Landtags von Württemberg-Baden. Nach dem Krieg verbringt Louise Ebert ihren Lebensabend in Heidelberg – Wohnort ihres jüngsten Sohnes und Heimat ihres Mannes. Dort stirbt sie 1955 und wird auf dem Heidelberger Bergfriedhof begraben.

In Weyhe ist eine Straße nach Louise Ebert benannt. In Heidelberg trägt ein Seniorenzentrum ihren Namen.

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