DLRG-Experten in Sorge

Im Nichtschwimmerland - hohe Zahl der Bäderschließungen wirkt sich aus

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Einsatz mit Seil – die Strömungsretter Jonas Michalewski (20, Bremen; am Ufer), Moritz Hagedorn (30, Bremerhaven) und Eike Harms (19, Bremerhaven) auf der Weser (Höhe Osterdeich).

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Deutschland entwickelt sich zum Nichtschwimmerland“, sagt Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Mit Blick auf Weser und Osterdeich präsentierte die DLRG am Donnerstag in Bremen ihre Bilanz für 2017. Die Einsatzkräfte retteten im vergangenen Jahr 756 Menschenleben. In 49 Fällen riskierten die Retter dabei ihr eigenes Leben. 404 Menschen sind im Jahr 2017 ertrunken.

2016 waren es nach DLRG-Angaben noch 528 gewesen. In Bremen sank die Zahl der Ertrunkenen von neun (2016) auf zwei (2017). Alles wird besser? „Nein“, sagt Wiese. „2017 gab‘s keinen Sommer.“ Das sei der wesentliche Grund für den Rückgang.

Ansonsten gehe vor allem die Schwimmkultur zurück, sprich: „Deutschland hat in den vergangenen zehn Jahren 800 Bäder verloren“, so DLRG-Präsident Achim Haag. Und die hohe Zahl der Bäderschließungen wirke sich negativ aus. „25 Prozent der Grundschulen haben mittlerweile keinen Zugang mehr zu einem Bad“, heißt es bei der DLRG. Wiese: „60 Prozent der Zehnjährigen sind keine sicheren Schwimmer.“ Vor diesem Hintergrund fordert die DLRG die Kommunen auf, Bäder zu erhalten – und nicht rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Präsident Haag: „Der Erhalt von Schwimmbädern ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge.“ Es könne nicht darum gehen, ob Bäder sich tragen. Haag: „Stellen Sie sich vor, eine Schule müsste sich rechnen. . .“

Vorstellung der bundesweiten DLRG-Bilanz 2017 in Bremen

Vorstellung der bundesweiten DLRG-Bilanz 2017 in Bremen

Trotz des Bädersterbens hat die DLRG – im Gegensatz zu anderen Hilfsorganisationen – keine Nachwuchsprobleme. Probleme, die Stationen an Stränden und Badeseen auch zu besetzen, gebe es eher wegen der Zeiten. Wer zur Schule geht oder eine Ausbildung macht, hat eben oft keine Zeit für ehrenamtliches Engagement. Dennoch seien im vergangenen Jahr knapp 80.000 Rettungsschwimmprüfungen abgelegt worden.

Rettungsschwimmer mit besonderen Fähigkeiten (und besonderer Muskelkraft) sind die Strömungsretter der DLRG. Tempo und Kraft der Strömung werden oft unterschätzt, sagen die DLRG-Experten. Auf der Weser zwischen Bremen und Achim zum Beispiel sei das häufiger mal der Fall. Zum Einsatz kommen dann die Strömungsretter – mit Seilen, Helmen und roten Anzügen.

Katrin Behrensdorf lässt sich für ihre Söhne Leon (5, l.) und Julian (3) ein DLRG-„Kindersuchband“ geben – hier von dem Bremer DLRG-Sprecher Philipp Postulka.

Für das bunte Treiben am Strand (und auf der Liegewiese am Badesee) gibt es unterdessen eine Neuheit für Familien mit kleinen Kindern. An den Wasserrettungsstationen der DLRG ist jetzt das kostenlose „Kindersuchband“ zu haben. Die dehnbaren Armbändchen aus Silikon werden am Handgelenk getragen. Auf der Innenseite steht eine Nummer, die auch auf der Station verzeichnet ist – dort zusammen mit der Mobilnummer der Eltern.

Verliert das Kind im Strand-Trubel seine Eltern, kann es sich an einen DLRG-Rettungsschwimmer wenden – und der stellt den Kontakt zu den Eltern dann über die an der Station notierte Nummer wieder her.

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