Deutsch-Amerikaner John Reinhardt: Mit Cookies zurück zu den Wurzeln

Ein kleines Stück New York

+
Mit seinem Geschäft „Brownies & Cookies“ bringt der Deutsch-Amerikaner John Reinhardt ein kleines Stück New York nach Bremerhaven.

Bremerhaven - Von Wolfgang Heumer. Der Deutsch-Amerikaner John Reinhardt ist der Liebe wegen nach Bremerhaven gezogen. Mit Brownies, Cookies undCakes hat sich der ehemalige Unternehmensberater in der Heimatstadt seiner Eltern selbstständig gemacht – eine ungewöhnliche Migrantengeschichte aus dem einst größten Auswandererhafen des Kontinents.

„Bremerhaven? Nein, danke!“ Als John Reinhardt 1971 mit seinen Eltern aus den USA in deren Geburtsstadt umzog, stand sein Urteil sofort fest. Damals war Reinhardt zehn Jahre alt, mit 20 – gleich nach dem Abitur – zog es ihn zurück in die Staaten. Mittlerweile ist der inzwischen 53-Jährige schon zwei Jahrzehnte wieder zurück in der Stadt. Jetzt liebt er sie, nicht nur weil er seine Frau hier kennengelernt hat: „Der Wandel ist beeindruckend.“

Das gilt auch für sein eigenes Leben: Vor etwa drei Jahren hat der frühere Unternehmensberater und Manager sich eine neue Existenz aufgebaut. Reinhardt verkauft in einem winzig kleinen Geschäft sowie übers Internet amerikanisches Gebäck. „Ein bisschen alte Heimat nimmt jeder Auswanderer mit“, schmunzelt er.

Einst war Bremerhaven die größte Auswandererstadt des Kontinents. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verließen mehr als sieben Millionen Menschen über den Hafen die Alte Welt. Reinhardts Lebensweg passt perfekt dazu – erzählt sie doch von dem Hin-und-Hergerissen-sein, das Migranten häufig empfinden und von den Zufällen, die am Ende zu einem neuen Glück führen können. „Wenn mir früher jemand erzählt hätte, dass ich in Bremerhaven Kekse verkaufe, hätte ich nur gelacht“, meint er.

Bremerhaven ist für den in der Nähe von New York geborenen Reinhardt nicht irgendeine Stadt in Europa. Seine Eltern stammen von hier. 1959 verließen sie den damals noch beschaulichen Stadtteil Alt-Lehe. Reinhardts Vater war Dachdecker; im Hudson Valley im Bundestaat New York erlebte er mit seiner Familie den typischen amerikanischen Traum, erarbeitete sich einen Lebensstandard, den er im Nachkriegsdeutschland möglicherweise nie erreicht hätte. „Dennoch sind die beiden in ihrem Herzen immer Bremerhavener geblieben und 1971 zurückgekehrt“, erzählt Reinhardt.

Die zehn Jahre in der Seestadt prägten ihn stärker, als er nach den ersten Eindrücken vermutet hätte. Das merkte er aber erst nach seinem Studium in San Francisco und einigen Berufsjahren als Marketing-Experte in den USA: „Irgendwann fehlten mir die Wochenmärkte, der Geruch von frischen Lebensmitteln, diese besondere Atmosphäre, die es nur in Europa und vor allem nur in Deutschland gibt.“

Traum

verwirklicht

Auch deshalb kehrte er 1993 erneut – dieses Mal aus freien Stücken – in das Heimatland seiner Eltern zurück. Zweimal USA-Europa und wieder zurück – die Lebenswege von Migranten verlaufen selten gradlinig. Auch Reinhardt absolvierte in der neuen alten Heimat einige Kurven, lebte im Norden wie im Süden, verkaufte Flugzeugteile und Computerprogramme. „In Bremerhaven habe ich meine Frau kennengelernt. So bin ich hier sesshaft geworden“, erzählt er. Typisch für die Lebenswege von Migranten ist auch, dass Reinhardt jetzt in Bremerhaven amerikanische Kekse und Kuchen verkauft – gerade weil es zumindest auf den ersten Blick nicht zum Bild des einstigen Managers passt.

Mit seinem Geschäft „Brownies & Cookies“ hat Reinhardt gemeinsam mit seiner Frau Michaela und den beiden Söhnen einen Traum verwirklicht. Das Geschäft in einer Seitenstraße der Bremerhavener Innenstadt (Pressburger Straße) ist klein. Dennoch herrscht hier reger Betrieb. Eine kleine Kühltheke mit Cup Cakes, ein Regal voller Cookies und Brownies, dazu Coffee to go – ein paar original amerikanische Werbeschilder und die Nationalflagge „Stars and Stripes“ runden das Bild ab. „Natürlich kommen die Kunden wegen unserer Produkte, aber sie kommen auch wegen der Atmosphäre hier“, ist Reinhardt überzeugt. Er bietet ein kleines Stück New York mitten in Bremerhaven. Das Geschäft mit den amerikanischen Backwaren hat klein angefangen: „Die ersten Cookies haben wir noch zu Hause in der eigenen Küche gebacken“, sagt Reinhardt.

www.brownies-cookies.de

Gomez macht sich über Hass-Tiraden in Braunschweig lustig

Gomez macht sich über Hass-Tiraden in Braunschweig lustig

Ranking: In diesen Berufen gibt es die meisten Urlaubstage

Ranking: In diesen Berufen gibt es die meisten Urlaubstage

Die Bachelorette 2017: Das sind die Kandidaten

Die Bachelorette 2017: Das sind die Kandidaten

Sonnenbaden für Profis: Zwölf coole Extras fürs Cabrio

Sonnenbaden für Profis: Zwölf coole Extras fürs Cabrio

Meistgelesene Artikel

Noch Bock auf Krawall

Noch Bock auf Krawall

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Spenden aus dem Bremer Untergrund

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

Uwe und Nadine Kloska sind „Bremer Unternehmer“ 2017

„Verschwunden“: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Herzen Bremens

„Verschwunden“: Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal im Herzen Bremens

Kommentare