Vom Detail zum Muster

„Mein Kunst-Stück“ mit Myong-Hee Ki und ihrer Bleistiftzeichnung „Ausflug“

„Ausflug“ heißt eine mit Bleistift gezeichnete filigrane Struktur aus lauter einzelnen Waben, die die Künstlerin Myong-Hee Ki in unserer Serie präsentiert. - Foto: Langkowski
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„Ausflug“ heißt eine mit Bleistift gezeichnete filigrane Struktur aus lauter einzelnen Waben, die die Künstlerin Myong-Hee Ki in unserer Serie präsentiert.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Ausflug“ heißt Myong-Hee Kis Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es ist eine mit Bleistift gezeichnete filigrane Struktur aus lauter einzelnen Waben, die eine räumliche Oberfläche ergeben. In der Computergrafik nennt man so etwas „Textur“.

Die Südkoreanerin beschäftigt sich leidenschaftlich häufig mit Text, Textur und Textil. Ihre aktuelle Bleistiftzeichnung heißt „Ausflug“. Sie ist das kleinere Pendant zu dem 20 Zentimeter mal 100 Zentimeter messenden Werk „Journey“, das derzeit noch im Neuen Museum Weserburg auf dem Teerhof ausgestellt ist. „Ausflug“ ist bezeichnend für viele Werke Kis, die sich durch filigrane Strukturen und Muster auszeichnen. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie Formen zu einem Muster wachsen. So erzeugt Ki aus scheinbar unendlich vielen Einzelwaben Texturen.

Sie streckt und staucht die Einzelelemente, um räumliche Oberflächen zu schaffen. Auf die Frage, woher sie die Geduld für die feinen Strukturen nimmt, antwortet Ki amüsiert: „Ich brauche keine Geduld, denn ich habe keinen Zeitdruck. Wenn ich ermüde, lege ich die Arbeit zur Seite und hole sie später wieder hervor, um daran weiterzuarbeiten.“

So hat Ki es auch mit ihren „Briefmarken“ gehalten. Erst, wenn man ganz genau hinschaut, sieht man auf dem weißen Papierbogen die perforierten Umrisse von genau 416 kleinen Rechtecken im Briefmarkenformat. Jedes einzelne Loch setzte die Künstlerin per Hand mit einer Nadel. Ähnlich zart präsentiert sich auch ein Werk, das an ein Taschentuch oder eine Serviette erinnert. Hier hat Ki die üblichen Prägungen am Rand als feine präzise Bleistiftpunkte gesetzt.

„Ich habe viel mit Textil gearbeitet“, erzählt Ki. Stoff, Gewebe und deren Strukturen faszinieren die Künstlerin. Dazu gesellt sich noch ihre Leidenschaft fürs Texten. „Für mich macht das keinen Unterschied“, sagt sie und zeigt ein Buch, dessen Seiten aus gefalteten und zusammengenähten Nachthemden bestehen. Die Textzeilen hat die Künstlerin aufgestickt.

„Ich mochte die Sprache“

Schon in Korea hat Ki Fotografie studiert und in einer Designfirma gearbeitet. Sie fragte sich, ob sie das bis zum Ende machen wolle. Es hätte vielleicht Geld, Familie und ein Haus gesichert. Doch sie entschied sich für die freie Kunst und wollte in Deutschland studieren.

„Ich mochte die Sprache, und das ist wichtig für meine Gedichte.“ Gerade ist Myong-Hee Ki mit dem Studium fertig geworden. „Da kommt auch Angst hoch. Es ist nicht angenehm, aber eine gute Motivation.“ Fast jeden Tag fährt sie in ihr kleines Atelier am Güterbahnhof. „Man kann nicht jeden Tag etwas schaffen, aber ich mag die Routine“, sagt die Hochschulabsolventin. Morgens geht sie laufen, fährt dann ins Atelier, liest und arbeitet.

Ob wir Kunst brauchen? „Ja, klar“, sagt Ki. „Sie ist ein kleines Ding mit großer Bedeutung, die dann spürbar wird, wenn sie fehlt.“

Zu den Künstlern, die für Ki besonders bedeutend sind, zählen Agnes Martin (1912 bis 2004) und der deutsche Zeitgenosse German Stegmaier. Martin, eine kanadisch-US-amerikanische Künstlerin, fertigte zurückgezogen ihre nicht gegenständlichen Arbeiten aus sehr vielen Details, geraden und senkrechten Linien, die man erst aus der Nähe sieht. „Insgesamt ergibt sich so eine Art Universum aus Einzelteilen wie der Sternenhimmel“, beschreibt Ki. Stegmaier habe hingegen zwei Semester in ihrer Kunstklasse unterrichtet und sie habe viel von ihm gelernt.

Wenn Ki jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge eines als Dank an das Land Schweden. Die Wahl-Bremerin studierte dort zwei Semester, ganz im Norden. „Es war kalt und einsam und im Winter nur drei Stunden Tag. Ich war den ganzen Tag im Atelier. Es war eine ungewöhnliche Zeit, sehr kreativ. Und ich habe super Leute kennengelernt.“

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