„Desinfektion der Hände ist unerlässlich“

Krankenhaushygienikerin Dr. Karolin Graf kämpft gegen Keime

Krankenhaushygienikerin Dr. Karolin Graf (l.) und Hygienefachkraft Natalie Zilke freuen sich über die guten Ergebnisse der Paracelsus-Klinik beim Thema Hygiene.

Bremen - Die Paracelsus-Klinik in der Vahr ist mächtig stolz: Mehr als 1.000 künstliche Gelenke sind hier im vergangenen Jahr bei Patienten eingesetzt worden. Und kein einziger hat sich nach eigenen Angaben mit einem multiresistenten Erreger infiziert. Statistisch, so Klinik-Sprecherin Janin Nienaber, entzündet sich etwa bei einem von 100 Patienten die Endoprothese nach dem Einsatz in den Körper.

„Die Klinik Bremen ist sehr gut aufgestellt“, bilanziert Krankenhaushygienikerin Dr. Karolin Graf. Das Thema Krankenhaus-Hygiene ist aktueller denn je – die Angst vor Infektionen nimmt nicht ab. „Es gibt gute und wirkungsvolle Ansätze, wie sich sowohl der Patient als auch die Klinik vor einem Keimbefall schützen können“, sagte die Krankenhaushygienikerin. Sie stellte die Zahlen kürzlich auch einer Kommission vor. In allen Bereichen der Infektions- und Erregerstatistik liege die Paracelsus-Klinik in der Vahr weit unterhalb der bundesweiten Referenzbereiche. „Das ist ein besonders positives Ergebnis“, resümiert Graf. Patienten kämen ins Krankenhaus, um gesund zu werden, dafür müsse die Klinik Sorge tragen.

Die Gründe für dieses gute Ergebnis sieht die Ärztin in der Vielfalt der Hygiene-Maßnahmen und bei der Planbarkeit der Operationen: „Die Klinik stellt den Patienten beispielsweise vor der OP ein Hygiene-Set kostenlos zur Verfügung. Laut hauseigener Umfrage wird die präoperative Waschung von den Patienten als positiv bewertet – fast alle nutzen das Angebot“, berichtet Graf. Durch das sogenannte risikobasierte Screening, in dem der Patient vor der OP durchgecheckt werde, sei im vergangenen Jahr in fünf Fällen ein Keimbefall verhindert worden.

„Multiresistente Keime enormes Problem“

Zudem werden die Ärzte den Angaben zufolge zweimal pro Jahr geschult und auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Prävention und zur Verhinderung multiresistenter Erreger in der Klinik fokussiert. Mit Natalie Zilke führt eine hauseigene Hygienefachkraft regelmäßig sogenannte „Compliance-Beobachtungen“ durch. „In rund 400 Situationen überwachte sie das Hygiene-Verhalten des Klinikpersonals. Auch die Verabreichung von Antibiotika auf den Stationen wird kontinuierlich geprüft“, sagt Sprecherin Nienaber.

Einen großen Stellenwert im Kampf gegen Krankenhauskeime nimmt die Händedesinfektion ein, heißt es. Diese sei unerlässlich, um die Ausbreitung von Keimen zu verhindern. Die Paracelsus-Klinik beteiligt sich – neben anderen Bremer Krankenhäusern – an der Aktion „Saubere Hände“ und besitzt konzernweit als einzige Klinik die höchste Zertifikatsstufe, so die Sprecherin weiter.

Karolin Graf macht noch einmal auf die Bedeutsamkeit des Themas aufmerksam: „Multiresistente Keime stellen in der Krankenhauslandschaft ein enormes Problem dar. Jährlich ereignen sich mehr als 220.000 postoperative Wundinfektionen in Deutschland. Diese bedeuten für den Patienten erhebliches Leid und für ein Krankenhaus enorme Kosten.“

Übrigens, in der Alltagssprache wird das Wort „Hygiene“ fälschlicherweise als Synonym für Sauberkeit verwendet. „Hygiene ist die Wissenschaft und Lehre von der Erkennung und Verhütung von Gesundheitsrisiken, insbesondere von Infektionen“, erklärt Nienaber. gn

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