Rösterei-Duft in der Innenstadt

Das „Johann-Jacobs-Haus“ steht für die Neuerfindung der Bremer City

Blick ins Innere des „Johann-Jacobs-Hauses“, wo sich bremische Kaffee- und Handelstradition mit zeitgenössischer Ausstattung verbindet.
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Blick ins Innere des „Johann-Jacobs-Hauses“, wo sich bremische Kaffee- und Handelstradition mit zeitgenössischer Ausstattung verbindet.
  • Thomas Kuzaj
    vonThomas Kuzaj
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Bremen – Dieses Haus steht für Kaffee. Und es steht für eine Hoffnung. Für die Hoffnung, dass es etwas wird mit der Neuerfindung der Bremer Innenstadt. Am Donnerstag ist das „Johann-Jacobs-Haus“ an der Obernstraße offiziell eingeweiht worden. In Zeiten schließender Kaufhäuser und platzender Pläne wie auf dem Sparkassen-Areal am Brill gewinnt so ein Projekt zusätzlich an Symbolkraft.

Nach nur gut zwei Jahren Bauzeit steht es da, das Symbol. Erst im Januar, vor Corona, war Richtfest gefeiert worden. Im Mai zog schon Kaffeeduft durchs Haus, der Betrieb hatte begonnen.

Am Tag des Richtfests waren exakt 125 Jahre vergangen, seit sich Johann Jacobs (1869 bis 1958), Spross einer Borgfelder Bauernfamilie, anno 1895 mit einem – wie es zu Kaisers Zeiten hieß – „Specialgeschäft in Caffee, Thee, Cacao, Chocoladen, Biscuits“ selbstständig gemacht hatte. Die Geschichte begann am Domshof, die Obernstraße aber wurde später zum Stammsitz des weltbekannten Kaffeeunternehmens.

Das Tor zum neuen „Balge-Quartier“ in der Breme Innenstadt

Und eben hier hat Investor Dr. Christian Jacobs, der Urgroßneffe des Firmengründers Johann Jacobs, mit dem neuen „Johann-Jacobs-Haus“ den Stammsitz wieder zum Leben erweckt. Gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) weihte er das Bauwerk ein.

Das Johann-Jacobs-Haus an der Obernstraße in Bremen versprüht echtes Kaffee-Flair.

Zugleich ist das „Johann-Jacobs-Haus“ Auftakt und Tor zum „Balge-Quartier“, mit dem Christian Jacobs einen Brückenschlag von der Obernstraße über die Langenstraße hin zu Schlachte und Weser schaffen will. „Handlauf zur Weser“, so nennt er das gern. Etwa 100 Millionen Euro investiert der Unternehmer, 1962 in Bremen geboren, in diesen „Handlauf“. 2024 soll das Quartier fertig sein – ein entscheidender Impuls für die neue Bremer Innenstadt.

Und für diese Erneuerung wird aus dem Gewachsenen, aus der Tradition geschöpft. Das Quartier umfasst neben dem Jacobs-Stammhaus die Stadtwaage mit ihrer prächtigen Lüder-von-Bentheim-Fassade von 1613, das Essighaus, das in den nächsten Jahren mit der Fassade von 1587 wiederaufgebaut wird, sowie das Kontorhaus Langenstraße von 1913 – einst größtes Bankhaus in Bremen.

Mitten in der Bremer Innenstadt „einfach guten Kaffee machen“

Zurück ins Stammhaus. „Wir wollen einfach guten Kaffee machen“, sagt Christian Jacobs mit hanseatischem Understatement. „Dafür sind drei Dinge wichtig: Herkunft des Rohstoffes, ein handwerklicher Umgang mit dem Produkt und Leidenschaft bei der Zubereitung. Genau diese drei Komponenten vereinen wir im neuen ,Johann-Jacobs- Haus‘ – es ist ein Ort, der Kaffee in all seinen Facetten greifbar macht.“

Den Eingang zum „Johann-Jacobs-Haus“ bildet der „Heritage Store“ – ein kleines Café, das das von 1914 bis 1990 betriebene Ladengeschäft in moderner Weise wieder aufnimmt. Barista bereiten Kaffeesorten beispielsweise aus Nicaragua und Kolumbien, aus Costa Rica und Ruanda zu. Hinzu kommen Trend-Kaffeegetränke (Beispiel: „Cold Brew“). Es geht um „das Naturprodukt Kaffee in seiner ganzen Vielfalt“, sagt Jonathan Wehking, Geschäftsführer des „Johann-Jacobs-Hauses“.

„Kaffee-Akademie“ und Tagungsräume

Und vor allem: Geröstet werden die Bohnen – so wie bis zum Jahr 1990 – direkt in der Stammhaus-eigenen Rösterei. Damit zieht wie einst frischer Kaffeeduft durch die Obernstraße. „Ich persönlich freue mich, wenn in der Obernstraße auch wieder geröstet wird und man den Duft von Kaffee weithin wahrnehmen kann“, so Bürgermeister Bovenschulte. „Das macht einmal mehr deutlich: Bremen ist eine traditionsreiche Kaffeestadt – und die Bohnen für jede zweite in Deutschland getrunkene Tasse Kaffee kommen von hier.“

Um die Kunst der Zubereitung geht es in Kursen für Privatleute und Gastronomie, die im „Johann-Jacobs-Haus“ in der „Jacobs-Kaffee-Akademie“ angeboten werden. Tagungsflächen bieten zudem Privat- und Geschäftskunden Gelegenheit für Events „in einer authentischen Kaffeewerkstattumgebung“, wie es heißt. Als Highlight neben der Dachterrasse mit Blick über die Bremer Innenstadt gilt das mit Eukalyptusholz vertäfelte „Walther-J.-Jacobs-Zimmer“, das dem historischen Originalbüro von Walther Johann Jacobs (1907 bis 1998) nachempfunden wurde, der das Unternehmen zum deutschen Marktführer gemacht hatte.

Neben all den Jacobs-Aktivitäten sind mit dem „Espresso House“ und dem Schweizer Chocolatier Läderach zwei Mieter im neuen Gebäude zu finden. Für Bürgermeister Bovenschulte ist das Jacobs-Stammhaus derweil ein wichtiger Schritt „zu einer Aufwertung der Bremer Innenstadt“. Da passt es gut, dass es rechtzeitig vor dem von Bovenschulte initiierten „City-Gipfel“ eingeweiht wurde, der – wie in dieser Zeitung zuerst zu lesen war – auf den 15. Juli terminiert worden ist.

Bovenschulte: „Wichtiger Schritt zur Aufwertung der Bremer Innenstadt“

Zurück in die Gegenwart. Was darf nicht fehlen, wenn ein Gebäude von und mit Politikern eingeweiht wird? Richtig, das obligatorische rote Band, das durchtrennt wird. Im Fall des „Johann-Jacobs-Hauses“ an der Obernstraße griff der Unternehmer Dr. Christian Jacobs, Urgroßneffe des Unternehmensgründers Johann Jacobs, gemeinsam mit Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) zur Schere.

Fürs Foto komplettierten Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) die Senatsriege, passte ja auch gut wegen der Ressorts. Und obendrein war so auch in diesem Fall dokumentiert, dass Bremen eine rot-grün-rote Koalition hat, in der alle Beteiligten zu ihrem Recht kommen, wenn auch nicht alle schneiden dürfen.

Das Band allerdings, das da durchtrennt wurde, das war nur rot – ohne den allerkleinsten Hauch von Grün. Es heißt ja auch „rotes Band“. Charmant die Aufschrift, die die Organisatoren dem Band verpasst hatten: „Danke, Onkel Johann!“ In Erinnerung an Johann Jacobs (1869 bis 1958), an den Gründer, nach dem das nun wieder neu errichtete Stammhaus benannt worden ist.

Bovenschulte lobt „Wumms und Energie“ für die Bremer Innenstadt

Durchtrennt wurde das Band übrigens nicht auf der Obernstraßen-Seite, sondern auf der anderen Seite – auf dem Hof mit Blick auf die Rückfront der historischen Stadtwaage, die auch ein Teil des „Balge-Quartiers“ sein wird, das Christian Jacobs vorschwebt und mit dem er den Brückenschlag von der Obernstraße über die Langenstraße hin zu Schlachte und Weser schaffen will.

„Ich bin froh, dass wir aus diesem Hinterhof ein bisschen was gemacht haben“, sagte Jacobs mit einer Art von Bescheidenheit, wie sie so nur Hanseaten hinkriegen. Bürgermeister Bovenschulte ging derweil fußballerisch-verbal in die Vollen: Jacobs habe „Wumms und Energie, nach vorne zu gehen, anstatt am Spielfeldrand zu stehen und zu kritteln“. Ja, in der Bremer Innenstadt gebe es Herausforderungen und Schwierigkeiten, das „Johann-Jacobs-Haus“ aber zeige: „Hier passiert was!“

Zur Eröffnung Kaffee von der deutschen Meisterin

Und da kocht auch was. Kaffee gab es nämlich auch bei der Eröffnung des „Johann-Jacobs-Hauses“ – und zwar zubereitet von meisterlicher Hand. Das Team um Geschäftsführer Jonathan Wehking hatte die deutsche Barista-Meisterin Aylin Ölcer engagiert, um den Eröffnungsgästen in der „Jacobs-Kaffee-Akademie“ die eine oder andere Finesse zu verraten.

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