Böttcherstraße

Der Töpfer im Bremer Schaufenster

Als Töpfer sah sich der Künstler – und das schrieb er auch an den Eingang seiner Werkstatt.
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Als Töpfer sah sich der Künstler – und das schrieb er auch an den Eingang seiner Werkstatt.

Bremen – „Töpferei.“ So ist es heute noch im Eingangsbereich der „Bremer Bonbon-Manufaktur“ im Handwerkerhof der Böttcherstraße zu lesen. Rundum: Keramik-Reliefplatten mit Krügen, Mustern und Fischen. Denn wo heute der Duft süßer Versuchung durch die Lüfte zieht, da wurde einst getöpfert. Längst ist die Werkstatt des Künstlers Gerhard Liebenthron verschwunden – und so ist sie nun Thema unserer gleichnamigen Serie.

Liebenthron-Objekte sind heute gefragte Sammlerstücke, die in der Böttcherstraße gefertigten Vasen zum Beispiel erzielen teils hohe Preise. Liebenthron, 1925 in Neustrelitz geboren, studierte von 1948 bis 1951 an der Staatlichen Kunstschule in Bremen. 1952 eröffnete er seine eigene Werkstatt. Und Ende Januar 1959 folgte dann die Eröffnung seiner Werkstatt im Handwerkerhof der Böttcherstraße.

Das war ganz im Sinne einer Tradition, die der Mäzen und Kaffee-HAG-Erfinder Ludwig Roselius (1874 bis 1943), sozusagen Vater des Gesamtkunstwerks und der Idee der Böttcherstraße, begründet hatte: Roselius wollte Schauwerkstätten für hochwertiges Kunsthandwerk im Handwerkerhof haben, er wollte „tätige Handwerker“ sehen.

Und durchs Schaufenster sahen Besucher der Böttcherstraße nun, wie der bärtige Künstler in Schürze und mit Brille tätig war, wie er an seinen Schalen, Geschirrserien und Vasen arbeitete: Studiokeramik als Publikumsattraktion. Auf Liebenthrons Töpferscheibe, da ging es rund. Der Keramiker bezeichnete sich selbst als „Töpfer“, mit dieser Wortwahl betonte er das Handwerkliche.

Internationale Ausstellungen präsentieren den Töpfer aus der Bremer Böttcherstraße

Liebenthron setzte sein Geschäft zusätzlich in Szene, indem er es noch enger mit der Böttcherstraße verband – für alle Welt sichtbar: Die Keramikplatten im Eingangsbereich sind Schautafeln seines Könnens, das Wort „Töpferei“ taucht dort natürlich mit voller Absicht auf. „Die Keramikrahmung seines Ladeneingangs stammt von 1966“, so Uwe Bölts vom Archiv der Böttcherstraße.

Aus dem Jahr 1966 stammt die Keramikrahmung vor dem einstigen Atelier Liebenthrons.

Zu diesem Zeitpunkt war Liebenthron (mit seinem Hang zu mitunter charaktervoll eigenwilliger Formgebung) längst ein weit über Bremen hinaus bekannter und geschätzter Künstler. In Bremen wurde er regelmäßig ausgestellt – so beispielsweise 1956, 1968 und 1987 im Focke-Museum und 1975, als 50-Jähriger, in der Crusoe-Halle der Böttcherstraße. Seit 1961 nahm er bereits an den renommierten Jahresausstellungen der Bremer Kunsthandwerker teil.

„G L“ – die Bodenmarke des Künstlers.

Auf der bundesweiten und auf der internationalen Bühne war der Töpfer aus der Böttcherstraße – der kontinuierlich auch ausbildete – ebenfalls präsent. „Ausstellungen in Düsseldorf, München, São Paulo, Compiègne, Lyon und Ostende zeugen von der internationalen Beachtung“, heißt es 1984 in einer Mitteilung zum 25-jährigen Bestehen des Ateliers in der Böttcherstraße.

Blick in eine Liebenthron-Schale.

Und: „Seine Stärke liegt in der Oberflächengestaltung und seine Arbeiten haben weitgehend praktische Funktionen.“ Aber nicht nur – und nicht alle. Im November 1970 zum Beispiel wurde ein Relief im Neustädter Hafen eingeweiht, das Liebenthron gemeinsam mit der Bildhauerin Maria Ewel (1915 bis 1988) geschaffen hatte. Am Haupteingang des Zollamts zeigte es Motive aus dem Hafen – ein Sujet aus der Logistik- und Arbeitswelt, aber eben auch wieder: ein Relief. Wie vor dem Atelier in der Böttcherstraße.

1993 ist Liebenthron gestorben. Seine Frau Hanna, die bis 2005 lebte, führte das Geschäft im Handwerkerhof bis 1998 weiter, so Archivleiter Uwe Bölts. Anschließend zog die Künstlerin Kea Tute (1948 bis 2005) mit ihrem Atelier für Figurenbau in die Räume. Und im Jahr 2009 eröffnete Sabine Marquardt dort ihre „Bremer Bonbon-Manufaktur“. Und Zutritt zur Welt der süßen Dinge gibt es nur durch den Windfang mit Liebenthrons Keramik-Relief aus der Welt der Töpferei.

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