Streit- und Knotenpunkt

Bremer Innenstadt: Umbau der Domsheide sorgt für Diskussionen

Zwischen der Post – links im Bild – und dem Konzerthaus Glocke auf der rechten Seite will Verkehrssenatorin Maike Schaefer den Bus-, Bahn- und Umsteigeverkehr bündeln. 2025, so das Ziel, soll die Umgestaltung der Domsheide abgeschlossen sein.
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Zwischen der Post – links im Bild – und dem Konzerthaus Glocke auf der rechten Seite will Verkehrssenatorin Maike Schaefer den Bus-, Bahn- und Umsteigeverkehr bündeln. 2025, so das Ziel, soll die Umgestaltung der Domsheide abgeschlossen sein.

Vordergründig geht es um Busse, Bahnen, Haltestellen. Aber beim Streit um die Neugestaltung der Domsheide geht es um noch mehr: um die Zukunft der Bremer Innenstadt. Das Gewirr der Meinungen zum Verkehrsknotenpunkt hat sich zum Streitthema in der rot-grün-roten Koalition entwickelt.

Bremen – Ein Spitzentreffen von Verkehrs- und Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) mit Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte (SPD), Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) und Vertretern der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) hat ergeben, dass die Sache bis zu den Sommerferien erneut geprüft wird. Es dauert alles noch etwas länger, dafür ist ein bisschen Dampf raus. Eigentlich aber hatte Schaefer schon vor dem nächsten City-Gipfel Ende April für klare Verhältnisse sorgen wollen.

Darum geht‘s: 14 Varianten für die Domsheide lagen auf dem Tisch, zwei blieben übrig. Für eine davon hat Schaefer sich klar entschieden: Sie will die Haltestellen zwischen dem Konzerthaus Glocke und dem Kaiserlichen Postamt zusammenziehen, den Verkehr dort bündeln. Diese Variante bietet die kürzesten Laufwege. Zu den Straßenbahnlinien 2 und 3 kämen hier die Linien 4, 6 und 8 hinzu – sowie die Busse 24 und 25. Damit entfielen die teils komplizierten Umsteigewege, die es jetzt gibt, weil einige Linien vor der Post, andere in der Balgebrückstraße halten – wo Fahrgäste zudem ständig Radfahrern in die Quere kommen. Und umgekehrt.

Alle Haltestellen an die Domsheide – oder in die Balgebrückstraße?

Alles in die Balgebrückstraße legen – das fordern die Gegner der Schaefer-Variante. Haltestellen vor der Glocke, daran gab es plötzlich Kritik von SPD und Linken. Das überraschte, denn es hatte zuvor ja ein langes Entscheidungsverfahren gegeben, bis die zwei Schluss-Varianten gefunden waren. In der Zwischenzeit aber ist eben noch mehr geschehen.

Denn mit 40 Millionen Euro aus Berlin soll die Glocke um- und ausgebaut werden. Das war im Herbst bekannt geworden. Kulturpolitiker sehen in dem Geldsegen die Basis für eine „Musikstadt Bremen“. Da stören Geräusche von Bus und Bahn; den von den Planern in Aussicht gestellten „Flüsterschienen“ trauen viele in der Kulturwelt nicht. Und dann noch Haltestellenhäuser vorm Konzerthaus-Entrée? Igitt!

Es werde einen „städtebaulichen Wettbewerb für den gesamten Platz“ geben, sagt Schaefers Sprecher Jens Tittmann. Der markante Backsteinturm des weltberühmten dänischen Künstlers Per Kirkeby (1938 bis 2018) wird um ein paar Meter verrückt. Alles soll neu sortiert werden, eine Weichenstellung auf Jahre hinaus.

Passen Haltestellen vor das Konzerthaus Glocke?

Wenn etwa die Anlieferung für die Glocke, so Schaefers Idee, gleichsam von hinten über die Sandstraße ermöglicht wird, dann müssten keine Tourbusse und Trucks mehr vor dem Konzerthaus parken. Die Lastwagenschleife könnte dort weg, das brächte Raum für den Umbau der Domsheide. Und Platz wird gebraucht für eine barrierefreie Haltestellengestaltung, wie sie vorgeschrieben ist laut Bundesteilhabegesetz.

Blick in die Balgebrückstraße.

Unterdessen hatte die Handelskammer in sehr deutlicher Tonart ein Moratorium gefordert. Der Knotenpunkt Domsheide müsse im Zusammenhang mit der gesamten Innenstadt-Entwicklung gedacht werden, die gegenwärtigen Planungen seien falsch, so die Kammer. Präses Janina Marahrens-Hashagen: „Die vom Verkehrsressort favorisierte Zusammenziehung aller Haltestellenanlagen vor der Glocke kann mit Blick auf die Entwicklung der Innenstadt nicht die Lösung sein. Sie wird auch der Bedeutung der Glocke als Konzerthaus nicht gerecht.“ Die Millionen des Bundes für die Glocke seien „eine große Chance für die gesamte Innenstadt“. Für die weiteren Planungen müssten zudem die Ergebnisse einer von der Handelskammer geforderten Machbarkeitsuntersuchung zur Verlegung der Straßenbahn aus der Obernstraße in die Martinistraße abgewartet werden.

Bahn-Verlegung in die Martinistraße wird nochmal geprüft

Die Verlegung der Straßenbahn ist nun noch einmal eines der Prüfungsthemen bis Sommer. Bahn in die Martinistraße und außerdem alle Haltestellen in die Balgebrückstraße – dieser Vorschlag gefällt vielen Gegnern der Schaefer-Variante.

Doch: „Beides zusammen ist nicht möglich“, heißt es bei der Straßenbahn. „Es sei denn, man reißt Gebäude ab“, so BSAG-Sprecher Jens-Christian Meyer. Der Haltestellenbereich für mehrere Linien brauche eine bestimmte Länge, der Schienen-Kurvenradius in die Martinistraße eine gewisse Größe – es passt nicht. Hinzu kommen statische Fragen wegen der Unterführung an der Tiefer. Und: „Womöglich müssten wir an die Widerlager der Wilhelm-Kaisen-Brücke heran. Dann gäbe es eine Kostenexplosion.“ Die will niemand, da sind sich alle einig.

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