Straßennamen erzählen Geschichten (403): Das Schwanengatt galt als Schwachstelle in der Bremer Stadtmauer

„Der Rath kriegskundiger Männer“

Kreiszeitung Syke

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Die Mauer sollte Bremen schützen, doch sie hatte eine Schwachstelle – eine Schwachstelle mit einem geradezu idyllisch klingenden Namen: Schwanengatt.

Die Stadtmauer ist hier längst verschwunden, doch der Name „Schwanengatt“ blieb über die Jahrhunderte hinweg erhalten. Eine kleine Straße – oder vielleicht genauer: ein Platz – hinter dem AOK-Gebäude an der Bürgermeister-Smidt-Straße trägt diesen Namen. Gegenüber liegt die Sparkasse; direkt angrenzend: die Zentrale des Bremer „Taxi-Rufs“ mit dem 1952 errichteten und zehn Jahre später auf vier Etagen erweiterten Gebäude (Postadresse: Jakobistraße).

Von motorisierten Taxen war noch lange keine Rede, als das Schwanengatt eine Schwachstelle der Stadtmauer war. Der Tümpel westlich von St.-Ansgarii-Kirche und Ansgariitor trennte Altstadt und Steffensstadt, also das Stephaniviertel. Um das Jahr 1550 herum wurde das Schwanengatt zugeschüttet – sicher ist sicher.

In seiner „Chronik der freyen Hansestadt Bremen“ schreibt der Kaufmann und Autor Carsten Miesegaes (1767 bis 1846) anno 1829: „Zur ferneren Befestigung der Stadt wurden bey der Belagerung derselben durch Kayser Karl den V. im Jahre 1547 drey lange Thürme der Stadtmauer und drey Thore, nämlich das Stephani-, Dove- und Abbenthor, oben abgebrochen, das von dem Feinde zunächst bedrohte Schwanengatt zugedeicht und der Rath erfahrner, kriegskundiger Männer bey der vorgenommenen Verbesserung der Festung befolgt.“ Und weiter: „Weil man 1550 eine wiederholte Belagerung zu befürchten Ursache hatte, legte man das Rondell auf dem Schwanengatt und den Wall bis zum Ansgariithore in 35 Wochen durch den dritten Theil der Bürgerschaft an.“

Das historische Werk des Autodidakten Miesegaes gilt wissenschaftlich längst als überholt, gibt aber einen stimmungsvollen Einblick in die Geschichtsbetrachtung früherer Zeiten. Wir haben die zeitgenössische Rechtschreibung so belassen, die – gelinde gesagt – originelle Kommasetzung des Kaufmanns aus Gründen der besseren Lesbarkeit allerdings nicht. Seine Chronik kann in Antiquariaten gesucht werden, eine Ausgabe aus dem Bestand der Indiana University ist in digitalisierter Form bei Google Books zu finden.

Der Straßenname „Schwanengatt“ übrigens blieb am Schwanengatt nicht durchweg erhalten. Zwischenzeitlich galt für einige Jahrzehnte der Name „Schwanenstraße“ – bis 1958, um genau zu sein. Die einstige Bebauung – schmale Häuser im Wechsel mit etwas stattlicheren Bauwerken – ist heute aber allenfalls noch zu erahnen.

WWW.

taxi-bremen.de

http:

//books.google.de/books?q=Carsten+Miesegaes

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