Historischer Dienstwagen als neue Attraktion

Der Kaisen-Mercedes steht jetzt vor dem Bremer Focke-Museum

Hochglanz-Heckflosse mit 110 PS: Direktorin Anna Greve und Restaurator Olaf Ruprecht in der neuen Großraum-Vitrine vor dem Focke Museum – und natürlich mit dem Kaisen-Mercedes.
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Hochglanz-Heckflosse mit 110 PS: Direktorin Anna Greve und Restaurator Olaf Ruprecht in der neuen Großraum-Vitrine vor dem Focke Museum – und natürlich mit dem Kaisen-Mercedes.

„Sieh, Wilhelm fährt regieren!“ So sollen es einst die Nachbarn in Borgfeld gesagt haben, wenn Bremens Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen (SPD, 1887 bis 1979) von seiner Borgfelder Siedlerstelle ins Rathaus gebracht wurde.

Bremen – Und wie er regieren fuhr! In einem schwarzen, auf Hochglanz polierten Mercedes-Benz 220 S der Baureihe W 111 mit dem amtlichen Kennzeichen „HB – 3–4“. Jetzt hat das geschichtsträchtige Modell einen Dauerparkplatz vor dem Focke-Museum in Schwachhausen gefunden.

Mit dem neuen Kennzeichen „HB – FM – 101H“ steht Kaisens Dienstwagen dort in einer klimatisierten Vitrine. Rundum hinter Glas und alarmgesichert, wie eine Museumssprecherin betont. Die Karosserie mit der legendären Heckflosse, sie fügt sich ästhetisch wunderbar ein in ihre Umgebung; hier zeigt sich die diskret elegante Formensprache der frühen 60er. Kein Wunder: „Gleiche Bauzeit“, sagt Prof. Dr. Anna Greve, die Direktorin des Focke-Museums. Kaisens Mercedes: Baujahr 1962. Der von dem Architekten Heinrich Bartmann (1898 bis 1982) entworfene Museumsbau: 1964 eröffnet.

Der ausgebaute Zigarrenduft

Ein Termin übrigens, zu dem Kaisen auch mit dem schwarzen Mercedes gebracht worden sein soll. Der Legende nach herrschte während der Bürgermeister-Fahrten stets Nebel. Der leidenschaftliche Zigarrenraucher Kaisen saß hinten rechts am Aschenbecher. Und qualmte. Der Zigarrenduft aber ist nicht mehr da. Allerdings ist er nicht etwa verflogen. Er wurde ausgebaut: In der Zeit nach Kaisen ist der Wagen neu gepolstert worden. Kaisen war im Juli 1965 aus dem Senat ausgeschieden.

Sein Dienstwagen – 110 PS stark, bis zu 165 Kilometer pro Stunde schnell, 1.440 Kilogramm schwer – war noch bis in die 70er Jahre hinein auf Bremens Straßen unterwegs, zuletzt allerdings in Privatbesitz. Später verschwand er aus der Hansestadt. Anfang 2014 tauchte der Kaisen-Mercedes dann auf der Oldtimermesse „Bremen Classic Motorshow“ auf. Und er geriet dort in den Blick des Bremer Vereins „Freundeskreis Automobil“. Schnell kam die Idee auf, den Mercedes nach Bremen zurückzuholen.

Kaisen-Mercedes seit 2014 wieder in Bremen

„Wir haben uns in mehreren Stufen angenähert“, so hieß es 2014 diplomatisch über die Verhandlungen mit dem Autosammler in Detmold, dem der Kaisen-Dienstwagen gehörte. 30.000 Euro habe er zunächst gefordert, gut 20.000 Euro zahlten die Bremer am Ende. Hinzu kamen Reparaturkosten. Auf Initiative des „Freundeskreises Automobil“, der Spenden dafür sammelte, hatte der Verein von Freunden des Focke-Museums die Limousine gekauft. Als Dauerleihgabe gehört sie seit 2014 zum Museumsbestand.

Schlicht elegant: Lenkrad im Kaisen-Mercedes.

Der Kaisen-Mercedes soll eines der Flaggschiffe der neuen Bremen-Dauerausstellung des Focke-Museums werden, die – so die Planung – 2026 eröffnet wird und dann auch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einschließt. Nun ist er das erste weithin sichtbare Signal für die Neukonzeption des Hauses.

Kaisen-Mercedes: Vorbote der neuen Bremen-Ausstellung

Wie aber lässt sich ein so großes Objekt präsentieren? Die Idee mit der frei zugänglichen Vitrine vor dem Haus sei vor etwa einem Jahr im Lockdown aufgekommen, so Direktorin Greve. Im Haus würde dieses Exponat sehr viel Platz wegnehmen, zudem hätte der Wagen wegen all des Öls und Benzins dafür stillgelegt werden müssen.

In der Vitrine muss er das nicht, sie ist so etwas wie eine transparente Garage. Der Kaisen-Mercedes, dessen Bordradio das Rundfunk-Museum wieder in Schwung gebracht hat, muss nun einmal im Monat bewegt werden. Diese Aufgabe liegt in den Händen des Diplom-Restaurators Olaf Ruprecht. Sein Fachgebiet: technisches Kulturgut. Diese Fahrten zählen zu den schönen Seiten seines Berufs, sagt Ruprecht, zugleich bedeuteten sie aber auch Stress: „Man hat immer im Kopf, dass nichts passieren darf.“ Der Wagen habe Lenkradschaltung – „ultracool“ – und keine Sicherheitsgurte: „Ist halt old school.“ Nur Kaisens Zigarrenrauch, der fehlt. . .

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