Straßennamen erzählen Geschichten (355): Oskar Drees war Lehrer, Turner und zehn Jahre lang DSB-Vizepräsident

„Der Einiger des deutschen Sports“

Offenbach-Post

Bremen - BREMEN n Bundespräsident Theodor Heuss nannte ihn „den Einiger des deutschen Sports“. Und würdigte den Turner, Arbeitersportler und Volksschullehrer Oskar Drees mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Von der Bremer Landesregierung gab’s die Senatsplakette für den langjährigen Vizepräsidenten des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Deutschen Turner-Bundes (DTB).

Oskar Drees kommt am 2. Mai 1889 in Burhave im damaligen Großherzogtum Oldenburg zur Welt. Der Kaufmannssohn turnt als Kind im heimischen Turnverein, heißt es. Und schon in jungen Jahren landet Drees in Bremen. Nach der Schulzeit beginnt er in der Hansestadt eine pädagogische Ausbildung im Volksschullehrerseminar. Seine erste Stelle tritt er im April 1911 an – als Volksschullehrer in Habenhausen.

Militärdienstpflicht und der Erste Weltkrieg unterbrechen die Karriere des jungen Drees. Nach Kriegsende kehrt er in den Lehrerberuf zurück. Die revolutionäre Nachkriegszeit prägt den Pädagogen. 1919 schließt sich Oskar Drees dem Arbeiter-Turn- und Sportverein (ATS) Buntentor an. In den Folgejahren wird der Lehrer zum Sportfunktionär. Er engagiert sich im Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB) vor allem in der Nachwuchsarbeit. 1920 übernimmt er in Bremen den Vorsitz des Volksbundes für Sport und Körperpflege, 1925 wird er Bundesjugendleiter des ATSB. Und der Habenhauser steigt zum Präsidiumsmitglied der Sozialistischen Arbeitersport Internationale (SASI) auf. In die SPD tritt Drees 1923 ein, 1928 wird er in die Bremische Bürgerschaft gewählt.

Oskar Drees wird Reichsbannerführer, kämpft gegen den aufstrebenden Nationalsozialismus. Das „danken“ ihm die Nazis nach der Machtergreifung. Schon 1933 wird er aus dem Schuldienst entlassen und vor übergehend – wie viele Kommunisten und Sozialdemokraten – ins Konzentrationslager Mißler in Findorff eingesperrt und dort misshandelt. Das „Dritte Reich“ überlebt Drees als kaufmännischer Angestellter auf der Werft AG „Weser“.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrt Drees erneut in den Lehrerberuf zurück, er wird Schulleiter, 1950 zum Turnrat und zwei Jahre später zum Landesturnrat ernannt. Er zählt zu den Gründern des Bremer Sportverbandes (1946) und des Landessportbundes (LSB, 1947). LSB-Chef bleibt Drees bis 1966.

Der Bremer engagiert sich zudem für den organisatorischen Neuaufbau des deutschen Sports. Er plädiert für eine sportliche Einheitsbewegung nach demokratischen Grundsätzen. Es dauert bis zum 10. Dezember 1950, bis sich der Deutsche Sportbund (DSB) gründet. Im Rathaus von Hannover wird Willi Daume vom Deutschen Handball-Bund zum Vorsitzenden gewählt. Erster Stellvertreter wird Niedersachsens LSB-Vorsitzender Heinrich Hünecke. Bei der Wahl des zweiten Stellvertreters setzt sich zunächst Leichtathleten-Präsident Dr. Max Danz aus Kassel gegen Drees durch, der seinen Hut als Vertreter der Turner und Arbeitersportler in den Ring wirft. Doch der Hesse verzichtet auf den Posten. „Eine noble Geste“, heißt es in den Annalen des DSB. Und die ermöglicht die Einbeziehung der Turner in die Führungsriege der Sportlervereinigung. Oskar Drees bleibt bis 1960 Vize des DSB – und zugleich Vizepräsident des DTB.

1957 beendet Drees seine Lehrertätigkeit. Am 28. Juni 1968 stirbt er in Bremen. Rund fünf Jahre später – am 22. Mai 1973 – beschließt der Senat, eine Straße in Habenhausen (die von der Habenhauser Landstraße abzweigt) nach Oskar Drees zu benennen. In Bremerhaven ist eine Sporthalle nach ihm benannt. Und im Haus des Sports am Rembertiring gibt es einen Oskar-Drees-Saal.

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