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Der Bremer Christian Panse erforscht und übersetzt „Mumin“-Geschichten

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Von: Thomas Kuzaj

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Der Bremer „Mumin“-Experte und Übersetzer Christian Panse mit gesammelten Zeitungs-Comicstrips der finnischen Trolle.
Der Bremer „Mumin“-Experte und Übersetzer Christian Panse mit gesammelten Zeitungs-Comicstrips der finnischen Trolle. © Kuzaj

Bremen – Auf der ganzen Welt haben die Werke der finnischen Zeichnerin, Malerin und Autorin Tove Jansson (1914 bis 2001) ihre Fans – ganz besonders aber in Bremen, denn hier ist der Sitz des „Virtuellen Muminforschungszentrums“. Die „Mumin“-Trolle sind die berühmtesten Figuren der Künstlerin. Der Bremer Christian Panse, Gründer des Forschungszentrums, hat jetzt den ersten der „Mumin“-Comics ins Deutsche übersetzt.

Unter dem Titel „Mumin und der Weltuntergang“ ist die aus dem Jahr 1947 stammende Geschichte, die es bislang nicht in deutscher Sprache gab, im Bremer Schünemann-Verlag erschienen – in einem liebevoll ausgestatteten, 72 Seiten umfassenden, querformatigen Band (Preis: 19,90 Euro). Liebevoll und warmherzig sind die „Mumins“ – nilpferdähnliche Trolle, die im „Mumintal“ zu Hause sind und allerlei Abenteuer zu bestehen haben. Wie zum Beispiel in dem neuen Buch: Ein Komet ist im Anflug und bedroht die „Mumin“-Welt. Aber die Trolle lassen sich nicht unterkriegen und entwickeln einen enormen Einfallsreichtum.

Erstmals in deutscher Sprache: „Mumin und der Weltuntergang“, im Original aus dem Jahr 1947.
Erstmals in deutscher Sprache: „Mumin und der Weltuntergang“, im Original aus dem Jahr 1947. © Kuzaj

Diese Geschichte gilt als Prototyp späterer „Mumin“-Comics, die in vielen Ländern als Fortsetzungs-Strips in Tageszeitungen erschienen sind. So lernte auch Christian Panse, heute Lehrer für Musik und Informatik am Ökumenischen Gymnasium (ÖG), die „Mumin“-Welt kennen. Seine Großmutter hatte die Strips ausgeschnitten, gesammelt und ihre „Enkelschublade“ gelegt. Das hatte Folgen.

Bremer Zentrum würdigt weit verzweigtes Werk

Denn die Geschichten ließen den Enkel nicht mehr los. Wieder und wieder beschäftigte Panse sich mit den Trollen und mit deren Schöpferin. Tove Jansson war Finnlandschwedin, gehörte also zur schwedischsprachigen Bevölkerungsminderheit in Finnland. Panse beschäftigte sich mit dem Werk der Künstlerin, trug eine „Mumin“-Sammlung zusammen, lernte die schwedische Sprache. Und er gründete im Jahr 2001 das „Virtuelle Muminforschungszentrum“.

„Es war das optimistische Zeitalter der privaten Homepages, und meine Absicht war, der neuartigen Öffentlichkeit namens ,World wide web‘, wo plötzlich jeder mitmachen durfte, eine Übersicht über die ,Mumin‘-Bücher und -Comics zur Verfügung zu stellen“, sagt Panse. „Dass das Ganze dann so wachsen würde – einfach, weil das Werk Tove Janssons so groß und verzweigt ist – habe ich da noch nicht geahnt.“ Das Zentrum ist unter unter dieser Adresse zu finden.

Der „Mumin“-Kosmos liegt im „Nirgendwann“

Die „Mumin“-Geschichten tragen mehr in sich als das, was vordergründig erzählt und abgebildet wird. Was ist das Faszinierende an ihnen? „Auf einer inneren Ebene geht es in den ,Mumin‘-Büchern um ganz andere, elementare Dinge – Themen wie Freiheit, Toleranz, Zusammenleben, Weiterentwicklung, persönliche Heilung und das ,Zwischenmenschliche‘“, antwortet Christian Panse. „Die Figuren haben alle ihre – teils erheblichen – Defekte; dabei sind sie als ,Typen‘ erstaunlich gut erkennbar. Jeder von uns kennt tatsächlich im echten Leben Beispiele für ,Hemule‘, ,Filifjonken‘ oder ,Homsas‘; fast jeder kann im Kosmos von Tove Jansson eine Figur finden, in die er sich besonders einfühlen kann.“

Auch auf Briefmarken sind die „Mumin“-Trolle zu Haus – hier ein Beispiel aus Finnland.
Auch auf Briefmarken sind die „Mumin“-Trolle zu Haus – hier ein Beispiel aus Finnland. © Kuzaj

Die „Mumin“-Geschichten entfalteten in den 50er und 60er Jahren ihre Wirkung, heute funktionieren sie auch noch – was macht sie so zeitlos? „Auf einer äußeren Ebene befindet sich die ,Mumin‘-Welt in einem ,Nirgendwann‘“, sagt Panse. Menschliche Erfindungen aus der realen Welt – „Haus, Segelboot, Fernrohr, Leuchtturm, Theater“ – kommen vor, es handele sich aber zumeist um vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden erdachte Dinge. „Diese Technologie-Armut, dass fast alles archetypisch ist, hilft schon einmal gut gegen das Veralten.“

Im Band „Mumin und der Weltuntergang“ wurden die Bilder so belassen, wie Tove Jansson sie gestaltet hat. Panses Übersetzungen wurden jeweils genau darunter gedruckt. Die Herausgeberschaft für das Buch hat Barbara Müller, die Vorsitzende der Braker Georg-von-der-Vring-Gesellschaft, übernommen. Auch Müller engagiert sich dafür, Tove Jansson und ihr Werk in Deutschland noch bekannter zu machen. Ein fulminantes Nachwort hat die Literaturkritikerin Kristina Maidt-Zinke geschrieben, die in Bremen geboren wurde. Sie hat nicht nur zeitweise in Finnland gelebt, sondern die „Mumin“-Schöpferin Tove Jansson auch persönlich kennengelernt.

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