1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bremen

Schifffahrtsmuseum Bremerhaven: Der Blick auf die „Titanic“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Elisabeth Gnuschke

Kommentare

Das Seefahrtsbuch des „Titanic“-Stewards Alfred Theissinger – ab Karfreitag in einer kleinen Sonderausstellung im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven zu sehen.
Das Seefahrtsbuch des „Titanic“-Stewards Alfred Theissinger – ab Karfreitag in einer kleinen Sonderausstellung im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven zu sehen. © DSM/Annica Müllenberg

Bremerhaven – Es war in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912: Das Passagierschiff „Titanic“ kollidiert auf der Jungfernfahrt nach New York südöstlich von Neufundland mit einem Eisberg und versinkt in nicht mal drei Stunden in den Wasserfluten. Das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven blickt 110 Jahre später auf die Schiffskatastrophe zurück und zeigt das Seefahrtsbuch eines „Titanic“-Stewards.

Fast wäre der für damalige Verhältnisse riesige Kreuzliner (gebaut in Belfast auf der Werft von Harland & Wolff) noch am Eisberg vorbeigeglitten. Nachdem der Eiskoloss gesichtet wurde, befahl der Erste Offizier „Hart Backbord“ und schaffte es immerhin, einen Frontalaufprall zu vermeiden, ist den Geschichtsbüchern zu entnehmen. Und doch geschah das, was sich damals zuvor niemand vorstellen konnte, die Passagiere an Bord nur langsam begriffen: Kurz nach Mitternacht begann das bis dahin größte und modernste Schiff der Welt, auf seiner Jungfernfahrt 300 Seemeilen vor Neufundland zu sinken.

Mehrere Filme beschäftigten sich später mit der Tragödie, unter anderen 1997. Kaum jemand behielt damals im Kino trockene Augen. Der Streifen unter der Regie von James Cameron gewann elf „Oscars“. Herzzerreißend die in einer anderen Story als Rückblick erzählte Geschichte um das fiktive Paar Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo DiCaprio). Der Titelsong „My heart will go on“, gesungen von Céline Dion, komponiert von James Horner, wurde ebenfalls ein Mega-Erfolg.

DSM zeigt Seefahrtsbuch eines Stewards

Zurück auf die echte „Titanic“, die für die britische Reederei „White Star Line“ im Einsatz war, und ins Schifffahrtsmuseum: An Bord arbeitete Alfred Theissinger als Kabinensteward der Ersten Klasse. Seit 1993 ist das DSM in Besitz seines Seefahrtsbuches, das seinen Dienst auf dem Liner belegt. Das schlichte dunkelblaue Büchlein war bisher nur einmal im Rahmen einer Sonderausstellung zu sehen, so Annica Müllenberg, eine Sprecherin des DSM, am Mittwoch. Anlässlich des 110. Jahrestages des Unglücks können Interessierte ab Karfreitag, 15. April, in einer Sondervitrine in der Kogge-Halle einen Blick auf das einzige Exponat werfen, das das DSM im Zusammenhang mit der „Titanic“ besitzt. Der Deutsche Titanic-Verein von 1997 stellt aus diesem Anlass eine Fotografie Alfred Theissingers zur Verfügung, die erst vor wenigen Jahren aufgetaucht ist, sagte die Sprecherin weiter. Über Theissinger ist bekannt, dass er als britischer Staatsbürger deutscher Herkunft in Sou-thampton wohnte und von dort aus regelmäßig zur See fuhr, so Müllenberg im Vorfeld der kleinen Ausstellung. Bevor Theissinger am 6. April 1912 auf dem Kreuzfahrtschiff anheuerte, fuhr er auf dem älteren Schwesterschiff „Olympic“. Nach dem Unglück schilderte er mehreren amerikanischen Tageszeitungen seine Sicht des Untergangs.

Nach eigenen Angaben, so Müllenberg, betreute der Kabinensteward berühmte Passagiere an Bord. Nur zwei Monate nach der Katastrophe ging es für ihn zurück an Bord eines Schiffes der „White Star Line“. Müllenberg: „Sein Seefahrtsbuch dokumentiert die Stationen auf See nüchtern und lückenlos.“

In der Vitrine werden außerdem Schiffsmodelle der britischen Reederei „White Star Line“ ausgestellt. Es handelt sich um private Leihgaben des DSM-Archivars Dr. Christian Ostersehlte. „Er infizierte sich bereits in Kindertagen mit dem ,Titanic’-Virus, betreibt schon lange private Forschungen zu dem berühmten Luxusliner und ist gerngesehener Podiumsgast, wenn es um die ,Titanic’ geht“, sagte die DSM-Sprecherin.

Die Kogge-Halle im DSM in den „Havenwelten“ in Bremerhaven ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

DSM-Archivar zur „Titanic“

Am Sonntag, 15. Mai, erzählt DSM-Archivar Dr. Christian Ostersehlte im Rahmen des Formats „Highlight am Sonntag“ von 15 bis 16 Uhr in der Kogge-Halle des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven Fakten zur „Titanic“, der Reederei „White Star Line“ und zum Seefahrtsbuch. Übrigens: Das Buch überließ eine Stifterin aus Bassum, die anonym bleiben möchte, dem Museum 1993.

Auch interessant

Kommentare