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Bremen: Handwerk meldet stabile Auftragslage

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Von: Jörg Esser

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Brötchenteig auf einem Backblech.
Vage Zukunftsaussichten: Die Kostensteigerungen für Energie, Treibstoffe und Mehl bringen die Bäcker und auch die anderen Lebensmittel-Gewerke zunehmend in Schwierigkeiten. © DPA/Pförtner

Die Konjunktur im Bremer Handwerk entwickelt sich trotz steigender Energie- und Baustoffpreise und Lieferengpässen positiv. Das geht aus einer Umfrage der Handwerkskammer hervor.

Bremen – Stabile Auftragslage, viele Neuanfragen, Umsatzwachstum – das Bremer Handwerk ist bislang gut durch die Pandemie gekommen. „Auch Kosmetiker, Friseure und Kraftfahrzeugwerkstätten sind aus dem Tal der Tränen heraus und nur noch mit den Corona-Folgen beschäftigt“, sagt Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke. Die Konjunktur entwickelt sich trotz steigender Energie- und Baustoffpreise und trotz Lieferengpässen positiv, geht aus der aktuellen Umfrage der Kammer für das erste Halbjahr 2022 hervor, die am Freitag präsentiert wurde.

So weit, so gut. Doch der „Ausblick ist nebulös“, sagt Oliver Kriebel, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Kammer. „Keiner weiß, was auf uns zukommt. Vieles wird von der Dauer des Ukraine-Kriegs abhängen.“ Kurzke ergänzt: „Die Unsicherheit durch den Krieg in der Ukraine belastet viele Betriebe mit kurzfristig sehr stark gestiegenen Rohstoff- und Energiepreisen, weiter andauernder Materialknappheit und Lieferengpässen bei wesentlichen Bauteilen. Das führt dazu, dass Aufträge oft nur noch verzögert abgearbeitet werden können.“ Schließlich bleibt der Fachkräftemangel ein beherrschendes Thema. „Uns fehlen die Leute“, sagt Kurzke.

Der Geschäftsklimaindex befindet sich weiter im Aufwind. Der Konjunkturumfrage zufolge sind 85,1 Prozent (Herbst 2021: 80,6 Prozent) der teilnehmenden Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage grundsätzlich zufrieden. 31,9 Prozent rechnen für das kommende Halbjahr mit einer Verbesserung der Geschäftslage (Herbst 2021: 23,1 Prozent), 13,3 Prozent mit einer rückläufigen Geschäftsentwicklung in der Zukunft. Dazu zählen sechs von zehn Betrieben aus den Nahrungsmittelgewerken.

Umsatzrückgänge im Lebensmittelhandwerk

Mehr als die Hälfte der Bremer Handwerksbetriebe berichtet von stabilen Umsätzen, jeder fünfte Bremer Betrieb verzeichnet eine Umsatzsteigerung für die aktuelle Periode. Ausreißer sind das Lebensmittelhandwerk und die Gesundheitsgewerken, wo 60 und 47,6 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge erwarten. Die Zukunftserwartungen bleiben unverändert hoch. 33,6 Prozent der befragten Betriebe erwarten steigende Umsätze und 51,3 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Umsätzen. Mit rückläufigen Geschäften rechnen für das nächste halbe Jahr lediglich 15 Prozent der Bremer Handwerker.

Weiter gesteigen sind die Verkaufspreise. „Die Betriebe geben vor allem die zuletzt stark gestiegenen Materialpreise und Energiekosten an die Kunden weiter“, heißt es. Für das kommende Halbjahr erwarten 31,9 Prozent der Betriebe weiterhin steigende Preise. Kurzke sagt: „Solche Preissteigerungen habe ich noch nicht erlebt.“

„Auftragsreichweite“: 27 Wochen

Das Handwerk bleibt beim Kunden gefragt. Das zeigt sich im hohen Auftragsbestand. Bei 21,1 Prozent der Betriebe ist dieser gestiegen und bei 51,8 Prozent konstant geblieben. Allerdings melden auch 27,2 Prozent der befragten Betriebe einen Rückgang in den Auftragsbüchern. Und: 37,2 Prozent der befragten Betriebe erwarten im Sommer 2022 weiter steigende Auftragseingänge. Die „Auftragsreichweite“ liegt beispielsweise im Bauhandwerk bei durchschnittlich 27 Wochen, bei den Ausbaugewerken sogar bei bis zu 42 Wochen. Anders ausgedrückt: Wer heute bei einem Bauhandwerker anfragt, muss damit rechnen, dass sein Auftrag erst in einem halben Jahr abgearbeitet ist. Wenn genügend Material da ist: „Sie werden keine Baustelle finden, wo nicht irgendetwas fehlt“, sagt Kurzke. Die Engpässe zögen sich wie ein roter Faden durch alle Materialien.

 Oliver Kriebel, Ralf Majowski und Thomas Kurzke in der Metallwerkstatt Majowski.
Pressetermin in der Metallbauwerkstatt: Oliver Kreibel, Hausherr Ralf Majowski, stellvertretender Obermeister der Metall-Innung, und Thomas Kurzke. © Esser

Und die Zukunftsaussichten bleiben vage – eben wegen des Ukraine-Kriegs, wegen der explodierenden Energiekosten und dem Materialmangel. Das zeigt sich in der Investitionsbereitschaft der Betriebe. Die ist im Vergleich zum Herbst 2021 (31,5 Prozent) deutlich auf 11,6 Prozent gefallen.

„Aufträge sind schwer zu kalkulieren“, sagt Kriebel. „Die Rohstoffpreise steigen weiter, die Lieferketten verlängern sich.“ Kurzke, selbst Malermeister, nennt ein Beispiel: „Die Firmen-Tankrechnung hat sich in kurzer Zeit verdoppelt.“ Handwerker müssten jetzt kreativ sein und ihr „kaufmännisches Talent beweisen“.

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