Bremen kündigt Mietvertrag für Musicaltheater / 2,2 Millionen Euro Abtrag pro Jahr bleiben als Altlast

Deputation gibt grünes Licht für Ausstieg

Anna Maria Kaufmann in „Evita“ auf der Bühne des Musicaltheaters am Richtweg. Die Stadt kündigt den Mietvertrag für die Immobilie zum 28. Februar 2011.Archivfoto: dpa

Bremen - Von Jörg EsserBREMEN · Bremen steigt aus. Die Stadt will das Musicaltheater am Richtweg nicht weiter betreiben und kündigt den Mietvertrag für die Immobilie zum 28. Februar 2011. Die Wirtschaftsdeputation gab gestern mit den Stimmen von SPD, Grünen und FDP bei Enthaltung der CDU grünes Licht für den von Wirtschaftssenator Ralf Nagel (SPD) vorgeschlagenen Weg.

„Das ist eine mutige Entscheidung“, kommentierte Andreas Kottisch (SPD) den Beschluss, der als Notbremse angesehen wird. „Das ist nicht die optimale Lösung“, sagte Max Liess (SPD). Doch die finanziellen Verluste seien nicht mehr tragbar. Die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFB) zahlt pro Jahr 601 000 Euro an Mietkosten. „Ein Weiterbetrieb wäre unverantwortbar“, so der Grüne Frank Willmann. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, ergänzte Oliver Möllenstädt (FDP). Die CDU wirkte irgendwie ratlos. „Ein schwieriges Projekt“, sagte Ex-Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek.

Ein Kostenfaktor bleibt das Musicaltheater ohnehin. Die Verluste lagen zuletzt im Schnitt bei 550 000 Euro pro Jahr. Und bis 2018 muss Bremen noch Jahr für Jahr 2,2 Millionen Euro an Zins und Tilgung für den Umbau des Hauses berappen – eine Altlast aus Zeiten der großen Koalition. Klaus Möhle hat seinerzeit als Grüner gegen den Deal gewettert. Ihn ärgert heute noch „tierisch“, dass die Immobilie mit staatlichen Geldern abbezahlt wird. Möhle, mittlerweile fraktionsloser Abgeordneter, sagte, es sei schwer, in einer schlechten Situation eine gute Entscheidung zu treffen. Er schlug aber vor, „den Laden noch zwei bis drei Jahre weiterzubetreiben“, um dann womöglich bessere Verhandlungsbedingungen zu haben. Potenzielle „Untermieter“ für das Musicaltheater waren abgesprungen, weil sie ohne öffentliche Zuschüsse nicht ins Risiko gehen wollten.

Claus Kleyboldt, Chef des Musicaltheaters, bekam übrigens durchweg gute Noten. Das Haus sei zu einer attraktiven Veranstaltungsstätte geworden, so Willmann. Möhle sagte: „Das Ding läuft gut.“ Kleyboldts drei Mitarbeiter im Musicaltheater, die viel Herzblut in die Spielstätte stecken, stehen derweil vor dem Aus. Ihre Jobs bleiben auf der Strecke.

Mit der Kündigung geht das wirtschaftliche Risiko auf den Eigentümer der Immobilie, die Frankfurter Unternehmensgruppe Korn Liegenschaften, über. Die Gruppe hatte im Vorfeld signalisiert, das Theater weiter betreiben zu wollen.

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