Pilotanlage in Blumenthal: Meeresalgen sollen Kohlendioxid-Ausstoß reduzieren

„Den Ozean an Land holen“

Meeresbiologe Laurenz Thomsen erläutert vor den Salzwasserbecken das Verfahren der Algenzucht.

Bremen - Von Ulf BuschmannBREMEN · Was des heimischen Swimmingpool-Besitzers Leid ist, könnte schon in wenigen Jahren der Industrie und Umwelt Freund sein: Algen.

Die Kleinsttiere sorgen für die Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes in die Atmosphäre und dienen als Grundstoff für die Industrie. Und Geld lässt sich mit der Aufzucht von Algen auch verdienen. Dieser Überzeugung sind die drei Partner, die gestern offiziell eine neuartige Algenaufzucht-Pilotanlage in Betrieb genommen haben.

Dieser Art der Umweltwirtschaft haben sich die Brewa, ein ehemaliges Tochterunternehmen der Bremer Woll-Kämmerei (BWK), Phytolutions, die erste Ausgründung der Jacobs University Bremen, und die Grohner Uni selbst verschrieben. Die Pilotanlage befindet sich auf dem Areal des Heizkraftwerkes (HKW) Blumenthal, an dem die Abfallwirtschafts-Gesellschaft (AWG) des Landkreises Diepholz als Gesellschafter beteiligt ist. Gefördert wird das Projekt durch das Land Bremen und die Europäische Union.

Um dem Kohlendioxid aus Industrieabgasen den Garaus zu machen und einen Grundstoff zum Beispiel für Treibstoffe zu liefern, bedienen sich die Betreiber der Anlage der Grundlagen der Photosynthese. Das vom HKW zur Verfügung gestellte Rauchgas wird über Schläuche in Photobioreaktoren geleitet. Es sind hinter- und nebeneinander hängende Bahnen aus Kunststoff mit jeweils mehreren Kammern, Wachstumsgefäße genannt.

Sie sind mit Salzwasser gefüllt, in dem gezüchtete Mikro- und Meeresalgen in trautem Miteinander leben. Durch die Verbindung mit dem Sonnenlicht nehmen sie das Kohlendioxid des HKW auf. Die Algen wachsen und teilen sich. Ist die Algendichte in den Wachstumsgefäßen hoch genug, folgt die Ernte: Das Gemisch aus Kleinsttieren und Wasser wird in den Erntebehälter geleitet. Dort werden die Algen vom Wasser getrennt und stehen für die industrielle Weiterverarbeitung zur Verfügung.

Was derzeit noch ein großangelegter Versuch im hohen Bremer Norden ist, könnte in naher Zukunft bis zur industriellen Reife kommen. Dieser Überzeugung sind nicht nur die beteiligten Partner und Bremens Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne). Das glaubt auch Laurenz Thomsen, Meeresbiologe an der Jacobs University und wissenschaftlicher Berater von Phytolutions: „Wir werden den Ozean an Land holen.“

An Land gebe es nur eine begrenzte Fläche, um Biomasse als Energieträger zu nutzen. Anstatt großflächig Mais zur Verwertung anzubauen, ließe sich heute schon anhand von Satellitenbildern vorhersagen, zu welchem Zeitpunkt wo größere Mengen von Meeresalgen angeschwemmt werden. Statt sie als Sondermüll zu entsorgen, müssten sie nur geerntet werden.

Die Menge, die an einen fünf Kilometer langen Strand angespült werde, könne eine Mais-Anbaufläche von über 200 Hektar ersetzen, so Thomsen.

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