Demo: Evangelische Theologen distanzieren sich von St.-Martini-Pastor Latzel

„Bibel ist keine Schlagwaffe“

„Wir arbeiten für Vielfalt“: Pastoren-Protest auf den Domtreppen.
+
„Wir arbeiten für Vielfalt“: Pastoren-Protest auf den Domtreppen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Die Bibel ist keine Schlagwaffe“, sagt Pastor Bernd Klingbeil-Jahr von der evangelischen Friedensgemeinde (Humboldtstraße). Er meint damit: Pastor Olaf Latzel von der ebenfalls evangelischen Innenstadtgemeinde St.Martini hat sie als solche benutzt – in seiner umstrittenen Predigt vom 18.Januar. Zum Protest gegen Latzels Predigt demonstrierten evangelische Theologen gestern auf den Domtreppen.

„Es ist Schaden für unser aller tägliche Arbeit entstanden“, sagt Klingbeil-Jahr. „Dagegen wehren wir uns.“ Etwa 60 Pastoren haben eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Das sei die Mehrzahl der Pastoren in der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), so die Auskunft bei der Demo auf den Domtreppen.

„Jeden Tag begegnen wir in unserer Arbeit unterschiedlichsten Menschen, denen wir zu dienen versuchen“, heißt es in der Erklärung. Dies geschehe „vollkommen unabhängig davon“, ob diese Menschen sich als „Christen verstehen, einer anderen Religion oder gar keiner Weltanschauung zurechnen“. Und: „Wir arbeiten in allen Quartieren für die Vielfalt unserer Stadt.“

Die Unterzeichner distanzieren sich „entschieden von Fundamentalismus jedweder Art“. Und weiter: „Es ist uns unerträglich, wenn wie zuletzt in der St.-Martini-Gemeinde jahrtausendealte biblische Texte mutwillig aus ihrem historischen Zusammenhang herausgerissen werden.“

Wie berichtet, hatte Pastor Latzel von Christen Abgrenzung gefordert und andere Religionen beleidigt. Das islamische Zuckerfest hat er als „Blödsinn“ bezeichnet, Buddha als „dicken, fetten Herrn“ und den Segen des Papstes „Urbi et Orbi“ als „ganz großen Mist“. Reliquien der katholischen Kirche beschimpfte er als „Dreck“. Zu Götzen und anderen Göttern sage Gott „umhauen, verbrennen, hacken, Schnitte ziehen“. Für Christen gebe es nur einen Gott, Gemeinsamkeiten mit dem Islam existierten nicht.

Evangelische Pastoren protestieren in Bremen

Evangelische Pastoren und Pastorinnen demonstrieren in Bremen auf den Stufen des Bremer Doms mit einem Plakat "Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt". © dpa
Evangelische Pastoren und Pastorinnen demonstrieren in Bremen auf den Stufen des Bremer Doms mit einem Plakat "Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt". © dpa
Evangelische Pastoren und Pastorinnen demonstrieren in Bremen auf den Stufen des Bremer Doms mit einem Plakat "Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt". © dpa
Evangelische Pastoren und Pastorinnen demonstrieren in Bremen auf den Stufen des Bremer Doms mit einem Plakat "Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt". © dpa
Evangelische Pastoren und Pastorinnen demonstrieren in Bremen auf den Stufen des Bremer Doms mit einem Plakat "Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt". © dpa
Evangelische Pastoren und Pastorinnen demonstrieren in Bremen auf den Stufen des Bremer Doms mit einem Plakat "Bremen ist bunt! Wir leben Vielfalt". © dpa

Inzwischen entschuldigte sich Olaf Latzel – in einem Gespräch mit dem Kirchenausschuss der BEK – für alle Äußerungen, mit denen er Menschen anderer Religionen und Konfessionen diskriminiert und beleidigt habe. Zum Inhalt seiner Predigt stehe er nach wie vor, heißt es.

Die Kritik der Theologen um Bernd Klingbeil-Jahr zielt ohnehin tiefer – es ist eine grundsätzliche Kritik am erzkonservativen evangelikalen Flügel der Kirche. „Es geht nicht nur um den Ton, es geht um eine Geisteshaltung“, so Klingbeil-Jahr. Und es gehe auch um „selbstgewisse Überheblichkeit“ und um den Glauben, „im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit“ zu sein. „Wir stehen für eine andere Kirche.“ Latzels Predigt sei „klassischer Fundamentalismus“.

In ihrer Erklärung distanzieren sich die Pastoren „von allen Versuchen, Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie, Antisemitismus oder rassistisches Gedankengut mit vorgeblich biblischem Glauben zu bemänteln“. Die evangelische Kirche wolle den Dialog mit anderen Religionen, so die protestierenden Pastoren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

Mit kleinen Kutschen durch Corona-Sommer

So geht Brot auf Europäisch

So geht Brot auf Europäisch

Unter Strom könnte der Volvo XC40 richtig durchstarten

Unter Strom könnte der Volvo XC40 richtig durchstarten

Dämpfer für PSG und Chelsea zum Start der Champions League

Dämpfer für PSG und Chelsea zum Start der Champions League

Meistgelesene Artikel

Risikogebiet Bremen: Neue Coronavirus-Regeln – hier gilt die Maskenpflicht

Risikogebiet Bremen: Neue Coronavirus-Regeln – hier gilt die Maskenpflicht

Risikogebiet Bremen: Neue Coronavirus-Regeln – hier gilt die Maskenpflicht
Coronavirus in Bremen: Hier gelten Maskenpflicht und Sperrstunde in der City

Coronavirus in Bremen: Hier gelten Maskenpflicht und Sperrstunde in der City

Coronavirus in Bremen: Hier gelten Maskenpflicht und Sperrstunde in der City
New Space: Raketen sollen von einer mobilen Plattform aus der Nordsee ins Weltall starten

New Space: Raketen sollen von einer mobilen Plattform aus der Nordsee ins Weltall starten

New Space: Raketen sollen von einer mobilen Plattform aus der Nordsee ins Weltall starten
Coronavirus-Hotspot Bremen: Maskenpflicht und Sperrstunde - Bovenschulte appelliert an Bürger

Coronavirus-Hotspot Bremen: Maskenpflicht und Sperrstunde - Bovenschulte appelliert an Bürger

Coronavirus-Hotspot Bremen: Maskenpflicht und Sperrstunde - Bovenschulte appelliert an Bürger

Kommentare