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Dem Virus auf der Spur: Bremen an Forschungsprojekt beteiligt

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Von: Elisabeth Gnuschke

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Die Kläranlage von Hansewasser in Seehausen. Hier werden die Proben entnommen, um Corona-Infektionen in Bremen frühzeitig zu erkennen. Probenbearbeitung und Auswertung für das bundesweite Forschungsprojekt erfolgen in Karlsruhe.
Die Kläranlage von Hansewasser in Seehausen. Hier werden die Proben entnommen, um Corona-Infektionen in Bremen frühzeitig zu erkennen. Probenbearbeitung und Auswertung für das bundesweite Forschungsprojekt erfolgen in Karlsruhe. © Hansewasser

Das Bremer Unternehmen Hansewasser ist an einem bundesweiten Forschungsprojekt beteiligt. Ziel ist es, dem Corona-Virus frühzeitig auf die Spur zu kommen.

Bremen – Schon Tage vorher wissen, dass eine neue Corona-Welle bevorsteht – das wäre fürs Gesundheitsressort äußerst nützlich. Denn dann könnten vorsorglich Schritte eingeleitet werden, die Bremer zu mehr Vorsicht aufgerufen, Hygienemaßnahmen verstärkt werden. Und womöglich ließen sich so viele Neuinfektionen vermeiden. Hier setzt ein bundesweites Forschungsprojekt an, an dem Bremen beteiligt ist.

Genauer gesagt: Das Bremer Abwasserunternehmen Hansewasser macht beim Pilotprojekt mit, wie Sprecher Oliver Ladeur bestätigt. Am Abwasser einer Stadt lässt sich so manches ablesen, beispielsweise welche Stoffe sich darin finden, so wie Antibiotika. Und diese Stoffe kommen von den Menschen, die in der Stadt, in der Kommune leben – schließlich sind es ihre Ausscheidungen.

Pilotprojekt: Probenentnahme aus der Kläranlage

Überall wird das Abwasser regelmäßig beprobt, auch auf der Kläranlage Seehausen. Im Februar ist eine weitere Probenentnahme hinzugekommen: Hansewasser beteiligt sich mit der systematischen Untersuchung des Abwassers auf das Sars-Cov-2-Virus an dem neuen Forschungsprojekt. Bis zum Frühjahr 2023, so Ladeur, werden im Zulauf der Kläranlage regelmäßig Proben genommen und auf die Konzentration des Corona-Virus untersucht. Der Sprecher: „Hierfür werden die enthaltenen Viren aufkonzentriert und isoliert. Über mulekularbiologische Verfahren lässt sich dann auch das Virus nachweisen.“ Und bevor „oben“, also bei den Behörden, plötzlich steigende Infektionszahlen festgestellt werden, hat das Abwasser „unten“ den Wissenschaftlern preisgegeben, dass da etwas im Anmarsch ist. Vereinfacht ausgedrückt, anhand der Proben sehen sie, dass die Konzentration des Corona-Virus" zunimmt. Probenbearbeitung und Auswertung erfolgen in Karlsruhe.

Ziel sei es, eine gemeinsame Methode einer systematischen Überwachung von Sars-Cov-2 und seinen Varian-ten im Abwasser zu entwickeln, sagt Christoph Bernatzky, Leiter Technologie und Innovation bei Hansewasser. „Bereits acht bis 14 Tage im voraus können wir im Abwasser den Anstieg der Viruslast erkennen, denn sobald eine Person infiziert ist, scheidet sie Bruchstücke des Virus über den Toilettengang aus. Das ist deutlich früher, als ein Humantest beim Arzt das Virus nachweisen kann“, so der Techniker. Umgekehrt geht’s natürlich auch. Bernatzky weiter: „Gleichzeitig kann die Methode auch als Entwarnung dienen. Wenn eine Infektionswelle abebbt, können wir auch das im Abwasser erkennen.“

Forschungsprojekt zu Corona: Bremen ist einer von 20 Standorten bundesweit

Wichtig für den Erfolg des Projekts sei die Abstimmung und Zusammenarbeit mit den Umwelt- und Gesundheitsbehörden. Die aus dem Abwasser gewonnenen Daten werden laut Bernatzky mit den Gesundheitsdaten der Gesundheitsämter abgeglichen.

Insgesamt 119 Standorte hatten sich für das Pilotprojekt beworben. 20 Städte und Gemeinden wurden schließlich ausgewählt. Den Angaben zufolge unterscheiden sie sich in der Größe ihres Einzugsgebiets und somit der Anzahl der erfassten Einwohner. Pendler und Touristen spielen dabei ebenfalls eine Rolle, denn auch sie müssen während ihres Aufenthaltes aufs stille Örtchen.

Nach Ablauf der Pilotphase soll dann entschieden werden, ob das Abwassermonitoring langfristig eingesetzt werden soll, um Viren im Abwasser nachzuweisen und Infektionsgeschehen nachzuverfolgen, sagt Ladeur. Einige Länder, zum Beispiel Kanada, die Niederlande oder Australien, nutzten diese Methode bereits flächendeckend.

Das Abwassermonitoring ist ein gemeinsames Pilotvorhaben der drei Bundesministerien für Gesundheit, Umwelt und Forschung. Es wird aus Mitteln finanziert, die die EU-Kommission allen Mitgliedstaaten zur Verfügung stellt. Der Fördertopf ist mit 20 Millionen Euro gefüllt, Deutschland erhält daraus insgesamt 3,72 Millionen Euro, wie es heißt.

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