Entsetzen über Abschneiden der AfD

Bremen wählt linker als im Bund

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Stille auf der CDU-Wahlparty, als die ersten Zahlen bekannt wurden: Elisabeth Motschmann und ihr Mann Jens.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke und Jörg Esser. Bremen hat wieder einmal gegen den Trend gewählt. Etwas zumindest. Linker eben. Die SPD bleibt im kleinsten Bundesland stärkste Kraft, allerdings nur noch knapp vor der CDU. Die Linken sind klar auf Platz drei vor den Grünen und der AfD. Für die FDP bleibt Platz sechs.

Laut Hochrechnung von 23.30 Uhr (394 von 558 Wahlkreise) kommt die SPD auf 26,6 Prozent und verliert damit 9,0 Prozentpunkte. Auch die CDU verliert und sackt von 29,3 auf 25,0 Prozent. Die Linken landen bei 13,6 Prozent (plus 3,5 Prozentpunkte) und überholen die Grünen, die 11,1 Prozent erreichen (minus 1,0). Die AfD holt 10,1 Prozent (plus 6,4), die FDP 9,3 Prozent (plus 5,9).

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„Das ist ein schwarzer Tag für die SPD“, sagte Bremens Bürgermeister Carsten Sieling kurz nach Bekanntwerden der ersten Prognose. „Und es ist ein schwarzer Tag für die Republik, wenn Rechtsradikale ins Parlament einziehen.“ Rechtsradikal? „Das ist eine freundliche Formulierung“, so Sieling auf Nachfrage.

Bürgermeister Carsten Sieling mit seiner Ehefrau Alexia Sieling auf dem Weg zum Wahllokal in der Friedensgemeinde, um dort seine Stimme zur Bundestagswahl abzugeben. - Foto: dpa

Der Erfolg der AfD hat auch SPD-Fraktionschef Björn Tschöpe die Laune verhagelt. Er sprach von einem „Debakel für die Demokratie“, wenn „eine völkische Partei in den Bundestag gewählt wird“. Eine Partei, die zurück in die Zeiten des Revanchismus wolle. Und das sei für Demokraten ganz schwer zu ertragen.

Sieling sagte weiter, der Eintritt in die Große Koalition habe sich für die SPD nicht ausgezahlt. Der Wähler habe das nicht honoriert. Er empfiehlt seiner Partei, nicht erneut „mit glühenden Fahnen in eine Regierung zu laufen“, sondern „mit diesem Ergebnis in die Opposition zu gehen und diese anzuführen“. Dies dürfe nicht der AfD überlassen werden. „Frau Merkel kann sich nach dem Ergebnis ja ein anderes Bündnis zimmern.“

Maike Schaefer, Fraktionschefin der Grünen, sagte, sie sei froh, dass Wähler für grüne Ziele (Klimaschutz, Soziales) motiviert werden konnten. Es gehe auch zukünftig darum, grüne Inahlte einzubringen. Hauptziel müsse es sein, die AfD zu entzaubern und die Menschen wieder von dieser Partei zurückzuholen.

„Das Ergebnis ist nicht schönzureden“

Stille bei der Bremer CDU im „Fritz“-Theater, als die ersten Zahlen über den Bildschirm flimmerten. Nichts, keine Reaktion, so eine Ruhe um 18 Uhr gab es in all den Jahren nicht, bei keiner Wahl. Erst als das zweistellige Ergebnis für die AfD eingeblendet wurde, ging ein leises Unmutsraunen durch die Reihen. Die CDU-Mitglieder wirkten entsetzt, etliche geschockt über die Verluste der Partei.

„Das Ergebnis ist nicht schönzureden“, sagte Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann. „Das werden keine leichten Jahre“, so Motschmann mit Blick auf eine mögliche Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen, „aber ich würde es versuchen.“ Offenbar seien die Menschen mit der Inneren Sicherheit, Justiz und auch mit der sozialen Gerechtigkeit unzufrieden. Auch Bettina Hornhues, zweite Bremer CDU-Bundestagsabgeordnete, sagte: „Es wird unbequem die nächsten Jahre.“

„Sehr enttäuscht“, ist CDU-Landeschef Jörg Kastendiek. Möglicherweise habe die CDU zu wenig deutlich gemacht, wie gut es Deutschland zur Zeit gehe. Ganz deutlich wurde CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp: „Das ist eine ganz starke Klatsche für die große Koalition und kein Auftrag zur Fortsetzung des Bündnisses.“ Entsetzt zeigte er sich über das Ergebnis für die AfD.

Strahlende Gesichter bei der FDP

Es sei „kein schöner Abend, wenn man so deutlich verliert“, sagte Jens Eckhoff, Vorsitzender der CDU Stadt. Dennoch sei die CDU wieder stärkste Fraktion, was erneut Regierungsverantwortung für Bundeskanzlerin Angela Merkel bedeute. Eckhoff zeigte sich überzeugt, dass Berlin eine „ordentliche Jamaika-Koalition hinbekommt“. Man müsse zudem genau schauen, warum so viele Menschen AfD gewählt hätten. „Damit hab ich nicht gerechnet“, sagte Eckhoff. Es gebe offenbar eine große Unzufriedenheit mit dem Thema Innere Sicherheit. Die CDU müsse da ihre Strategie überdenken.

Ganz anders die Stimmung bei der FDP im „Muchos Mas“: überall strahlende Gesichter. Lencke Steiner, Fraktionschefin und Bundestagskandidation, sagte: „Das ist ultra, unglaublich - ein zweistelliges Ergebnis. Der unermüdiche Einsatz für Mut und Freiheit hat sich ausgezahlt.“ Gezielt habe die FDP junge Menschen über Social Media angesprochen, darin sieht sie einen Grund mit für den Erfolg der Liberalen, die nun in den Bundestag zurückkehren. „Da gab es intensive Diskussionen“, sagte sie. An eine Jamaika-Koalition wollte sie am Sonntag noch nicht großartig denken. Dennoch sagte Steiner: „Jetzt muss man die Schnittmenge ausloten. Aber wir dürfen nicht unsere Seele verkaufen.“ FDP-Parteichef Hauke Hilz sagte, die Liberalen seien kein Anhängsel der CDU. Man müsse schauen, wie man die Profile von drei Parteien überein bekomme.

„Die AfD ist die CDU vor 20 Jahren“

Kristina Vogt, Fraktionschefin der Linken, sagte, sie sei zufrieden mit dem Linken-Ergebnis bei „schwieriger Gemengelage“. Und: „Es schmerzt uns alle, dass die ganz offen völkische AfD auf Platz drei landet.“

AfD-Spitzenkandidat und Landeschef Frank Magnitz sagte: „Die AfD ist die CDU vor 20 Jahren.“ Er warf den anderen Parteien vor, mit einem falschen Zungenschlag zu argumentieren, die AfD in die rechte und rechtsradikale Ecke zu drängen und die Nazi-Keule zu schwingen. Er ergänzte: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“

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