Hochmodernes Rechenzentrum „Colocationix“

„Datenfestung“ im Bremer Westen

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Der Hochbunker an der Zwinglistraße – dass er viel Technik beinhaltet, verrät die Kühlung auf dem Dach.

Bremen - Von Ralf Sussek. Fünf Jahre wurde der Hochbunker im Bremer Westend umgebaut, entstanden ist ein Unikum: Eines der modernsten Rechenzentren Europas, „Colocationix“, befindet sich in einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

Hier werden Daten auf „höchstem digitalen Sicherheitsniveau“ verarbeitet und gespeichert. Und weil das nicht zu sehen ist, dient der in den 70er Jahren zum Atomschutzbunker umgebaute Koloss an der Zwinglistraße als ein in Beton gegossenes Sicherheitsversprechen.

Hinter zwei Meter dicken Stahlbetonwänden wurden fünf der acht Stockwerke zu einem „der modernsten und sichersten Daten-Center in Europa“, sagte Andres Dickehut, geschäftsführender Gesellschafter der Bremer Consultix. Auf rund 2500 Quadratmetern Fläche ist so Raum für bis zu 50.000 Server entstanden.

Am Dienstag wurde „Colocationix“ feierlich eröffnet. „Unser Ziel war es, für regionale, nationale und internationale Unternehmen eine Datenfestung zu schaffen, die weder von außen noch von innen attackiert werden kann“, sagte Dickehut. Gewähr dafür sollen der US-Standard Tier 4/Klasse 4, die höchste deutsche Sicherheitsnorm Iso 27001 und die neue Datenschutzgrundverordnung 2018 (DSGVO) bieten; all diese Standards erfüllt „Colocationix“.

Physische Sicherheit: Geschäftsführer Andres Dickehut an einer der rund 30 000 Euro teuren Sicherheitstüren.

Es dauerte allerdings ein wenig, bis die Macher auf der Suche nach einem Standort auf den Bremer Westen verfielen. Zunächst ist der Norden – im Gegensatz zu Frankfurt am Main mit der bundesweit größten Dichte an Rechenzentren – erdbeben- und hochwassersicher und hat die geringste Blitzintensität in Deutschland. Und dann gab es an diesem Ort in Walle eine große Dichte von Glasfaserkabeln. Dickehut: „Sowas findet man auf der grünen Wiese nicht.“

Autarke Wasser- und Stromversprgung im Katastrophenfall

Die baulichen Parameter von „Colocationix“ entsprechen den Vorgaben für Gebäude Kritischer Infrastrukturen (Kritis). Bedeutet: Eine völlig autarke Wasser- und Stromversorgung auch im Katastrophenfall. Batterien pruffern einen Stromausfall, bis die Generatoren anspringen. Das Energiekonzept setzte schon in der Planungsphase neue Effizienz-Maßstäbe. Bereits 2014 wurde ihm dafür der Deutsche Rechenzentrumspreis verliehen.

Sicherheitstüren der höchsten deutschen Sicherheitsnorm RC 6, 24-Stunden-Video-Totalüberwachung durch über 200 Kameras und die Dreifaktorauthentifizierung über Code-, Chip- und Biometrie-Erkennung machen „Colocationix“ uneinnehmbar. „Selbst ein Flugzeugaufschlag würde unser Rechenzentrum nicht erschüttern“, sagte Andres Dickehut, „die Betonhüllen von Atomkraftwerken gelten mit 1,30 Metern als absolut sicher, unsere Wände sind gleich zwei Meter dick.“

Über die genauen Investitionen machte Dickehut keine Angaben. „Insgesamt betrugen die Umbaukosten eine siebenstellige Summe“, sagte er nur. Konkret benennt er zum Beispiel das digitale „Intrusion Prevention System“, das als eines der weltweit sichersten Softwaresysteme zur Identifikation und Abwehr digitaler Attacken gilt: „Der Listenpreis alleine hier liegt bei 1,7 Millionen Euro.“

Erste Kunden gibt es schon. Ein Mittelständler aus Bremen in Sachen Abfallverwertung, ein Düsseldorfer Hersteller von großen Hydraulikbaggern. Dessen Mitarbeiter lobte die Sicherheitsarchitektur und Möglichkeiten des neuen Rechenzentrums. „Sowas habe ich noch nicht gesehen. Perfekt!“

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