Umstrittene Umbau-Pläne

Bremer City: Misstöne um Haltestellen vor der Glocke

Haltestelle vor dem Konzerthaus Glocke? Gibt es schon! Nach dem Willen von Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer sollen hier aber noch viel mehr Busse und Bahnen halten. Dagegen regt sich Widerstand – auch in der rot-grün-roten Koalition.
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Haltestelle vor dem Konzerthaus Glocke? Gibt es schon! Nach dem Willen von Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer sollen hier aber noch viel mehr Busse und Bahnen halten. Dagegen regt sich Widerstand – auch in der rot-grün-roten Koalition.

Vor dem virtuellen Innenstadt-Gipfel am Freitag, 30. April, reißen die Diskussionen über City-Entwicklung und Verkehrspolitik nicht ab. Dabei zieht sich auch ein Riss durch die rot-grün-rote Koalition.

Bremen – Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) lehnt Haltestellen vor dem Konzerthaus Glocke ab. Genau darauf aber hatte sich Verkehrs- und Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) festgelegt.

Schaefer entschied sich nach einem zweijährigen Planungs- und Beteiligungsverfahren zum Umbau der Domsheide dafür. Am Anfang hatten 14 Varianten gestanden, zwei davon blieben übrig: Haltestellen zwischen Glocke und Post zusammenziehen. Oder die Haltestellen komplett in die Balgebrückstraße legen. Schaefer favorisiert die Variante vor der Glocke, weil sie die kürzesten Laufwege biete. Da es keine Einigung gab, wird nun alles nochmal geprüft.

Vogt schwebt etwas anderes vor als Schaefer. Sie blickt mehr auf die Interessen der Glocke und sieht Entwicklungsmöglichkeiten eines modernisierten Konzerthauses mit Gastronomie vor der Tür – ein generationenübergreifender Anziehungspunkt. Mit Haltestellen vor der Tür wäre das aber nicht möglich. „Eine Haltestelle dort würde zu verschiedenen Problemen führen. Darum sollte man vertieft darüber nachdenken, welche Alternativen möglich sind“, so Vogt am Mittwoch.

Streit um Haltestellen vor der Glocke

Auch die Handelskammer hatte Schaefers Variante abgelehnt. Präses Janina Marahrens-Hashagen: „Die vom Verkehrsressort favorisierte Zusammenziehung aller Haltestellenanlagen vor der Glocke kann mit Blick auf die Entwicklung der Innenstadt nicht die Lösung sein.“ Die FDP sieht es ebenfalls so – der Landesvorsitzende Thore Schäck am Mittwoch: „Damit wird eine weitere Attraktion in der Innenstadt gezielt zugrundegerichtet. Das wird die Glocke nicht überleben.“

Im Herbst war bekanntgeworden, dass aus Berlin 40 Millionen Euro für den Um- und Ausbau der Glocke nach Bremen fließen sollen. So mancher in der Kulturszene sieht darin die Basis für eine „Musikstadt Bremen“. Da stören Haltestellen voller Menschentrauben ebenso wie Fahrtgeräusche und rumpelnde Bahnen. Den von Schaefers Planern vorgesehenen (teuren) „Flüsterschienen“ wird nicht viel Vertrauen entgegengebracht.

Glocke: Auch Bremen muss 40 Millionen Euro aufbringen

Ob es aber tatsächlich zum Umbau der Glocke kommt, ist unterdessen vollkommen offen. Der Bund hat zwar 40 Millionen Euro bereitgestellt – Bremen aber muss noch einmal die gleiche Summe dazugeben. Das ist sehr viel Geld für eine Stadt, die kein Geld hat.

Die Straßenbahnen aus der Obernstraße herausnehmen? Eine Verlegung in die Martinistraße wäre teuer, wird aber gleichwohl immer wieder gefordert.

Im Streit um den Umbau der Domsheide hat sich der Wirtschaftsrat der CDU am Mittwoch an die Seite von Wirtschaftssenatorin Vogt und der Handelskammer gestellt: „Hier hat es offenbar eine viel zu frühe und einseitige Festlegung seitens der Verkehrssenatorin zu Lasten der Glocke gegeben, ohne dass die Interessen der Beteiligten und der Bevölkerung mit einbezogen wurden“, so Jörg Müller-Arnecke, der Landesvorsitzende.

Wirtschaftsrat: „Die Bremer City lebt vom Umland“

Vom Innenstadt-Gipfel am Freitag erwarte der Wirtschaftsrat „mutige Entscheidungen“, so Müller-Arnecke weiter. Beispiel: Obernstraße. Müller-Arnecke: „Eines der Herzstücke der Innenstadt ist die Obernstraße. Sie zu einem einladenden Hotspot zu machen, muss oberstes Ziel sein, um die Anziehungskraft und Attraktivität des Bremer Zentrums zu steigern. Für uns gehört daher die dauerhafte Verlegung der Straßenbahn aus der Obernstraße zu unseren Kernforderungen, um sie nachhaltig zu beleben und die so gewonnene Fläche für Gastronomie, Kultur oder Marktstände und Stadtfeste zu nutzen.“

Auch der Verkehr und die Erreichbarkeit der City beschäftigen den Wirtschaftsrat: „Die Menschen kommen nicht in die Innenstadt, wenn sie schlecht erreichbar ist oder die Stadt vorschreibt, mit welchem Verkehrsmittel sie kommen müssen. Die City lebt vom Umland, und die Menschen wollen selbst entscheiden, ob sie dafür das Auto nehmen oder den ÖPNV nutzen, der dafür wiederum dringend ausgebaut werden muss. Radfahrer retten die Bremer City nicht.“

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