Corona: Bremer Fitnessstudios sehen Schließungen und Hilfen kritisch

„Das reichte nicht mal für Miete“

Anna, stellvertretende Leiterin der Fitness-Galerie in der Bremer Neustadt, an den TRX-Bändern. Im Hintergrund ist die Halle mit den Trainingsgeräten zu sehen.
+
Anna, stellvertretende Leiterin der Fitness-Galerie in der Bremer Neustadt, an den TRX-Bändern. Im Hintergrund ist die Halle mit den Trainingsgeräten zu sehen.

Bremen – „Davon, schnell und unbürokratisch zu sein, ist die November-Hilfe so weit entfernt wie die Erde vom Mars“, sagt Andreas Pleuß, der unter der Marke „Kingdom of sports“ drei Fitnessstudios betreibt, davon eines in Bremen. Auch die Bremer Studios sind im zweiten Lockdown zu. Die Schließung und auch die Hilfen werden von den Fitnessstudio-Betreibern kritisch gesehen.

Pleuß sagt, er habe bis jetzt keine Hilfen in der Corona-Krise bekommen. Seine Anträge seien offiziell bei einer Datenbankumstellung verlorengegangen. Zur Zeit arbeitet er sich an den Anträgen zur November-Hilfe ab. Er müsse die aktuellen Einnahmen wöchentlich belegen. Die Fitnessbranche sei in einen Topf mit der Gastronomie geworfen worden. Er bekommt Beiträge von seinen Mitgliedern, aber die Studios sind geschlossen. „Buchhalterisch muss ich die Einnahmen als Verbindlichkeiten verbuchen“, sagt er. „Die Kunden haben einen Anspruch, ihren Beitrag vergütet zu bekommen.“

Bremer Fitnessstudios sehen Schließungen kritisch: Schadensersatz?

Ein weiteres Problem: Jedes Unternehmen bekomme als Erstauszahlung maximal 10 000 Euro, erklärt Pleuß. Die Kosten für ein geschlossenes Studio seien bereits weitaus höher. Er habe seine drei Studios als jeweils eigene Firmen angemeldet. Andere Unternehmen hätte aber mehrere Studios. Die Hilfen würden in der Realität nicht helfen. „Die ,Bazooka‘ schießt aus der Hüfte“, sagt Pleuß. Hilfskredite sieht er kritisch. „Mit welchem Argument soll ich mich verschulden, wenn der Staat mich zumacht? Wir müssten eigentlich über Schadensersatz sprechen.“

Jennie, Fitness-Managerin und Leiterin der Fitness-Galerie in der Bremer Neustadt mit 1 100 Mitgliedern, sagt: „Im ersten Lockdown bekamen wir eine Soforthilfe. Die reichte nicht mal für eine Miete.“ Aktuell gebe es keine Hilfen, weil Einnahmen da sind. Sie buche die Beiträge ab und hänge die geschlossene Zeit kostenfrei an die Vertragslaufzeiten an. Es gebe keine Neuverträge, aber Mitgliedschaften endeten. Derweil arbeitet man an Expertenvideos, auch um Neukunden zu werben, so die stellvertretende Studio-Leiterin Anna.

Bremer Fitnessstudios sehen Schließungen: Betriebsausfall im Januar kritisch

Kritisch wäre ein Betriebsausfall im Januar und Februar, die Monate mit den stärksten Einnahmen, sagt Jennie. „Das sind die guten Vorsätze.“ Sie ist immer noch optimistisch, was eine Öffnung im Januar anbelangt, sei es auch mit starken Einschränkungen.

Zwischen den Lockdowns konnten sich die Besucher beim Training gut verteilen, so dass es keine Probleme gab, sagt Jennie. Einige Geräte seien gesperrt gewesen, und auch bei Kälte habe man die Türen zum Lüften aufgerissen. Die Decke über den Trainingsgeräten sei, von einer Empore abgesehen, acht Meter hoch, so Anna. „Es gibt viel Raum, um eine gute Luftzirkulation zu gewährleisten.“ Sie zeigt einen 200 Quadratmeter großen Kursraum mit sehr breiter Fensterfront zum Lüften. Bis zu 20 Personen durften hier nach dem ersten Lockdown trainieren, jeder in einem Quadrat, aufgezeichnet auf dem Boden, erklärt Anna.

Bremer Fitnessstudios können Schließung nicht nachvollziehen

Jennie kann die Schließung nicht nachvollziehen. „Man hätte ein stärkeres Hygienekonzept umsetzen können“, sagt sie. Anna gibt zu bedenken: „Wir sind nicht nur wegen der gestiegenen Infektionszahlen geschlossen, sondern auch, weil 75 Prozent der Infektionen nicht mehr zurückverfolgt werden können.“ Im Rahmen der Rückverfolgung habe sich gezeigt, dass Fitnesscenter und Gastronomie keine wesentliche Rolle bei den Infektionen gespielt hätten. Anna hat Zweifel, ob die Gesundheitsbehörden die Zeit zwischen den Lockdowns ausreichend genutzt haben, um die Rückverfolgung zu optimieren.

Markus Begerow, Diplom-Sportlehrer und Geschäftsführer beim Unternehmen ULC Fitness, das vier Studios in Bremen betreibt, beklagt das Fehlen einer Beweiskette für die Rolle der Fitnessstudios bei den Corona-Infektionen. Fitnessstudios seien außerdem wichtige Gesundheitsanbieter. „Es gibt keinen Nachweis über Gefahren, aber Nachweise für Nutzen“, sagt er. Das Durchschnittsalter seiner Kunden läge bei 42,6 Jahren. „Es kommen 20- Jährige und auch 80-Jährige“, sagt Begerow. „Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sind Zivilisationskrankheiten, oft mit Todesfolge. Sport und Bewegung arbeiten dagegen.“ Ein starkes Herz-Kreislauf-System sei auch im Krankheitsfall und so auch bei Covid-19 wichtig. Der Gesundheitszustand sei entscheidend, nicht das Alter. Sport verbessere die Resilienz und steigere die Immunabwehr.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Biden wird als Präsident vereidigt - Trump ist nicht dabei

Biden wird als Präsident vereidigt - Trump ist nicht dabei

BVB verliert Verfolgerduell - Hertha in der Krise

BVB verliert Verfolgerduell - Hertha in der Krise

Deutsche Handballer müssen um WM-Viertelfinale bangen

Deutsche Handballer müssen um WM-Viertelfinale bangen

Vier Wohntrends im Corona-Jahr 2021

Vier Wohntrends im Corona-Jahr 2021

Meistgelesene Artikel

Nach grausamen Taten: Zwei neue Schwäne tauchen auf Osterholzer Friedhof auf ❤��

Nach grausamen Taten: Zwei neue Schwäne tauchen auf Osterholzer Friedhof auf ❤🦢

Nach grausamen Taten: Zwei neue Schwäne tauchen auf Osterholzer Friedhof auf ❤🦢
Berauschender Nachmittag: Mann bildet sich Einbrecher in seiner Wohnung ein

Berauschender Nachmittag: Mann bildet sich Einbrecher in seiner Wohnung ein

Berauschender Nachmittag: Mann bildet sich Einbrecher in seiner Wohnung ein
Die Bremer Bürgerpark-Tombola macht sich startklar

Die Bremer Bürgerpark-Tombola macht sich startklar

Die Bremer Bürgerpark-Tombola macht sich startklar
Bremen: Weiter so im Lockdown

Bremen: Weiter so im Lockdown

Bremen: Weiter so im Lockdown

Kommentare