Das „Nordlicht“ macht Geräusche

Neue Bremer Straßenbahn: BSAG führt Lärm-Probleme auf Probebetrieb zurück

Eins der neuen „Nordlichter“ der Bremer Straßenbahn AG als Linie 6 in der Wachmannstraße in Schwachhausen. Hier hatten sich Anwohner über Lärm beschwert, der von den neuen Bahnen ausgegangen sein soll.
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Eins der neuen „Nordlichter“ der Bremer Straßenbahn AG als Linie 6 in der Wachmannstraße in Schwachhausen. Hier hatten sich Anwohner über Lärm beschwert, der von den neuen Bahnen ausgegangen sein soll.

Sie soll den Weg in eine schöne Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs mitgestalten, die neue Straßenbahn in Bremen. Aber auch dieser Weg hat so seine Holperstellen.

Bremen – Der ganze Stolz der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), das mit viel Tamtam eingeführte neue Straßenbahnmodell „Nordlicht“, ist in die Kritik geraten. Die Bahn sei zu laut, heißt es mancherorts. So haben sich Anwohner der Wachmannstraße in Schwachhausen über „Nordlicht“-Lärm beschwert. Die BSAG spricht von Einzelfällen im Rahmen des laufenden Testbetriebs.

Testbetrieb? Die „Nordlichter“ fahren doch schon im Liniendienst – zunächst auf der Linie 6 vom Flughafen zur Universität (und auf dem Weg dorthin auch durch die Wachmannstraße), inzwischen auch häufiger auf der Linie 4 zwischen Arsten und Lilienthal. Und auf der Linie 1.

Ja, aber gleichwohl läuft parallel noch der Probebetrieb, so BSAG-Sprecher Andreas Holling im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Grund dafür sei, dass die Auslieferung der Bahnen später als geplant begonnen hatte. Es hakte in der Produktion bei Siemens in Wien, wo die Bahnen vom Modell „Avenio“ gebaut werden. 77 dieser Bahnen hat die BSAG insgesamt gekauft.

Jede Woche kommt ein neues „Nordlicht“ nach Bremen

Sie haben einen Gesamtwert von etwa 230 Millionen Euro und lösen nach und nach die 77 „Adtranz“-Modelle der Baujahre 1993 bis 1996 ab – die jeweils weit mehr als eine Million Schienenkilometer zurückgelegt haben und nun ausrangiert werden sollen. Elf „Nordlicht“-Bahnen sind bereits in Bremen eingetroffen. Die BSAG rechnet damit, dass im Frühjahr praktisch jede Woche eine hinzukommt.

Im Probebetrieb geht es darum, die Eigenschaften und das Fahrverhalten der neuen „Nordlichter“ auf den unterschiedlichen Linien gründlich zu prüfen. „Der Tüv begleitet das Verfahren“, so Holling. Zudem würden Fahrer für das neue Modell geschult.

Und es gibt Dinge, die sich erst in der Praxis zeigen, Details, die im laufenden Betrieb nachjustiert werden müssen. Das können beispielsweise Feinheiten an der Türmechanik sein. Und auch der in Schwachhausen beklagte Lärm zählt zu den Dingen, die dem Probebetrieb geschuldet sind, heißt es bei der BSAG. Ärgerlich, aber leider auch nicht immer zu vermeiden. So sollen Notbremsungs-Übungen im Rahmen des Fahrschulbetriebs für Lautstärke gesorgt haben. Zudem habe es „unrunde Stellen“ an den Rädern gegeben, die abgeschliffen werden mussten.

Die „Nordlichter“ sind 2,65 Meter breit und etwa 37 Meter lang, sie setzen sich aus vier Wagenkästen zusammen und werden von sechs Motoren mit je 120 Kilowatt angetrieben. Die Bahnen bieten Platz für bis zu 260 Fahrgäste und erreichen ein Tempo von bis zu 70 Kilometern pro Stunde.

Der „Nordlicht“-Praxis-Test aus Fahrgast-Perspektive

Grundsätzlich sollen die „Nordlichter“ leiser als ihre Vorgänger-Bahnen sein, heißt es. Wie fühlt sich das aus der Perspektive des Fahrgasts an? Wir machten einen Praxis-Test auf der Linie 6. Im Inneren – sprich: im Fahrgastraum – unterscheiden sich die Geräusche von den Fahrtgeräuschen in den alten Bahnen. Wer regelmäßig mit der BSAG unterwegs ist, dürfte den Unterschied mit geschlossenen Augen „erhören“. Die Fahrtgeräusche halten sich im normalen Rahmen. Manch lautes Fahrgast-Telefonat stört da viel eher.

Zwischen Arsten und Lilienthal fährt das „Nordlicht“ jetzt auf der Linie 4 – hier: am Franziuseck.

Aber es gibt auch ganz neue Bahngeräusche. Denn beim „Nordlicht“, da piept‘s. Das Pfeifen setzt immer dann ein, wenn die Türen sich öffnen – ein akustisches Signal, das beinahe Berliner S-Bahn-Feeling aufkommen lässt.

Zudem ist das „Nordlicht“ recht geschwätzig. Das allerdings ist eher draußen – an der Haltestelle – zu hören. Mit männlicher Stimme verkündet die Straßenbahn dann nämlich, wohin sie fährt: „Richtung Universität.“

Schöne Holzbänke und kräftiges Rumpeln im „Nordlicht“

Ein Pluspunkt im Inneren sind die Holzbänke, die es neben stoffbezogenen Sitzen im „Nordlicht“ gibt. Hier ist wenigstens zu sehen, wohin man sich setzt. Bei den Stoffpolstern – gerade in den älteren Bahnen – ist ja nicht immer so genau zu erkennen, welche Flüssigkeiten darin so hinterlassen worden sind. Dafür ist es zu erahnen. . .

Wer allerdings auf der Holzbank glaubt, im „Nordlicht“ sanft durch Bremen gleiten zu können, wird in der einen oder anderen Kurve jäh aus diesen Träumen wachgerüttelt. Unebenheiten im Schienenverlauf teilen sich da körperlich spürbar mit – in der Violenstraße in der Innenstadt zum Beispiel.

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