Bremen koordiniert Vorhaben

Forschungsprojekt zu urbaner Logistik: Das Lastenrad kommt

Auf der Suche nach Ideen für den städtischen Warenverkehr – das Bremer „Ulaads“-Team, von links gesehen: Michael Glotz-Richter, Beate Lange, Karsten Hülsemann, Thomas Nobel, Bonnie Fenton, Sven Eckert und Kristian Schopka.
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Auf der Suche nach Ideen für den städtischen Warenverkehr – das Bremer „Ulaads“-Team, von links gesehen: Michael Glotz-Richter, Beate Lange, Karsten Hülsemann, Thomas Nobel, Bonnie Fenton, Sven Eckert und Kristian Schopka.

Bremen – Paketwagen im Stau, in engen Wohnstraßen, aus Zeit- und Platznot auf Rad- und Fußwegen – lässt sich das nicht anders organisieren? Diese Frage ist Antrieb eines Projekts, in dem nach neuen Lösungen für den städtischen Warenverkehr gesucht wird. Bremen koordiniert das europäische Forschungs- und Demonstrationsprojekt zu urbaner Logistik, so ein Sprecher des Umwelt- und Verkehrsressorts.

Der – nicht zuletzt durch den Online-Handel – stark zunehmende Zustellverkehr führe „zu wachsenden Problemen im Verkehrsbereich und auch zu steigenden Kosten bei den Zustelldiensten“. Das Projekt mit dem etwas umständlichen Namen „Urban Logistics as an on-Demand Service“ (und dem ebenfalls umständlichen Kürzel „Ulaads“) analysiere und entwickle neue Konzepte zum Warenverkehr in Städten, so der Sprecher. Neben Bremen ist das holländische Groningen ein „Ulaads“-Projektpartner. „Die Stadt Groningen ist Vorbild für das Konzept der autofreien Innenstadt“, heißt es.

Und da will das rot-grün-rote Bremen erklärtermaßen hin: zur autofreien City. „Die pulsierende und attraktive Innenstadt von Groningen ist ein interessantes Vorbild für Bremen“, so Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne). Ab 2022 soll die Groninger Innenstadt autofrei sein – nur der Güterverkehr darf dann am Morgen noch motorisiert einfahren. Ab 2025 müssen alle Fahrzeuge in der Groninger Innenstadt emissionsfrei unterwegs sein. Zulieferung, Müllabfuhr, Event-Verkehr – alles elektrisch oder per Rad, das ist dort das Ziel.

Ziel: Lastenräder sollen die Innenstädte entlasten

Ein veränderter Güterverkehr würde die Zahl der Autos reduzieren, das ist der Projekt-Gedanke. „Egal, ob wir uns mit der autofreien Innenstadt oder der Lösung von Verkehrsproblemen in den Nachbarschaften befassen – überall müssen wir neue Konzepte für den Warenverkehr entwickeln. Daher bin ich sehr gespannt auf die Ergebnisse, die uns ,Ulaads‘ in den drei Jahren Projektlaufzeit liefern wird“, sagt Verkehrssenatorin Schaefer.

Auf dem Weg zum neuen Güterverkehr kommt unter anderem das in Bremen entwickelte Lastenrad „Movr“ des Unternehmens „Rytle“ ins Spiel. „Movr“ soll zur ökologischen und verkehrsentlastenden Alternative auf der „letzten Meile des Transports“ werden – ausgestattet ist es mit drei Rädern und zwei Hilfsmotoren, mit Kommunikationstechnik und Software. „Movr“ wird mit einer auswechselbaren, 1,80 Meter hohen Box beladen. Neun solcher Boxen werden per Lastwagen in Depots („Hubs“) angeliefert, deren Größe der Hälfte eines Laster-Wechselladebehälters entspricht. Die Boxen werden mit kleinen Transportbehältern („Cubes“) gefüllt.

Lastenrad, „Hub“, Software – ein komplettes Logistiksystem. „Urbane Logistik ist in allen Städten weltweit ein Thema“, sagt Dr. Kristian Schopka, Projektmanager beim Projektpartner „Rytle“. „Wir sind in New York, Miami oder Montreal damit ebenso im Einsatz wie in Köln oder Bremen.“

„Durch die Corona-Situation kaufen die Menschen deutlich mehr im Internet ein, was zu einer Warenzustellung führt, wie wir sie eigentlich nur aus der Vorweihnachtszeit kennen“, so Dr. Thomas Nobel, Geschäftsführer der Deutschen Güterverkehrszentren-Gesellschaft und damit ein Bindeglied des Projekts in die Logistikwirtschaft.

Pedalritt zum Getränkemarkt: Bremen probiert Lastenrad-Sharing aus

„Warenverkehr findet nicht nur im Lastwagen, sondern auch oft in privaten Autos statt“, sagt Bonnie Fenton, Landesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). „Deshalb wollen wir das ,Fietje-Lastenrad-Sharing‘ im Rahmen von ,Ulaads‘ ausbauen. Dann kann man mit dem Lastenrad zum Großeinkauf, zum Bau- oder Getränkemarkt fahren.“

Die Demonstrationsstädte des „Ulaads“-Projekts sind Bremen, Groningen und die belgische Stadt Mechelen – jeweils Stadtverwaltung gemeinsam mit Logistikern und Forschungspartnern. In Bremen sollen weitere Umladepunkte („Mikro-Hubs“) entstehen, an denen Rollcontainer oder Paletten – im Güterverkehrszentrum vorkonfektioniert – vom Lastwagen auf die elektrischen Lastenräder umgeladen werden.

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