Corona: Bremer Theater arbeiten an Vorgaben für Öffnung

„Das Kleingedruckte bringt uns um“

Wandern für die Kultur: Laura Kuhlen und Meik Gudermann machten am Freitag Station im Metropol-Theater Bremen am Richtweg. 
Foto: KOWALEWSKI
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Wandern für die Kultur: Laura Kuhlen und Meik Gudermann machten am Freitag Station im Metropol-Theater Bremen am Richtweg. Foto: KOWALEWSKI
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Bremen – In Bremen dürfen die Theater seit Freitag unter Auflagen wieder öffnen. Doch wegen der komplizierten Rechtslage können sie nicht so schnell loslegen. „Jetzt nach der Verordnung konzipieren wir ein passendes Hygienekonzept“, sagt Jörn Meyer (47), Geschäftsführer des Metropol-Theaters.

Wandern für die Kultur

Hier, im Theater am Richtweg, machten am Freitag Laura Kuhlen (26) und Meik Gudermann (32) aus Nordrhein-Westfalen Station. Sie wandern die 750 Kilometer durch Deutschland, besuchen Bühnen und Ensembles, um auf die großen finanziellen Probleme privater Theater hinzuweisen. Auch in Syke waren die Wanderer bereits.

Metropol-Theater-Chef Jörn Meyer sieht die neue Verordnung als ein positives Signal, dem weitere folgen müssten. Das Haus öffnet seine Türen am 9. Juli wieder, und zwar nicht für gastierende Tourneen, sondern für zwei Bremer Theater, die unter den derzeit geltenden Richtlinien noch nicht in ihren eigenen Räumen spielen können: das Theaterschiff Bremen und das „Fritz-Theater“. Das wurde am Freitag zwar noch nicht offiziell berichtet, es geht allerdings klar aus der Einladung zu einer gemeinsamen Pressekonferenz in der nächsten Woche hervor. Dort wollen die Beteiligten ihr Konzept vorstellen.

Bremer Theater messen

Knut Schakinnis (64), Betreiber des Packhaustheaters und des Theaterschiffs sowie weiterer Standorte in Bielefeld, Kassel, Worpswede und Lübeck, sagt: „Das Kleingedruckte bringt uns um.“ Man habe inzwischen angefangen zu messen und wolle das Packhaustheater für 70 bis 80 Zuschauer öffnen. Auf dem Theaterschiff, so Schakinnis, werde man unter den aktuellen Auflagen gar nicht spielen können. Einer der Gründe: An den Toiletten wird es zu eng.

Die Anforderungen im Land Bremen seien im Vergleich zu anderen Bundesländern recht hoch. Man brauche einen Hygienebeauftragen, der am Eingang wacht, und man dürfe keine Pausen machen, unter anderem, weil sich vor der Toilette Schlangen bilden könnten. In Bremen, so Schakinnis, dürften Aufführungen nur 90 Minuten dauern, danach müsse 20 Stunden Pause sein. Durch Stücke mit wenigen Schauspielern sollen die Aufführungen im Packhaustheater kostendeckend werden.

Keine Kostendeckung

Kostendeckung ist dagegen für die Konzertveranstalter kaum machbar. Veranstalter Jan Trautmann (53) sagt auf Nachfrage: „Was nützt mir, wenn bei einer ausverkauften Show nur 500 Leute kommen dürften? Ich kann nicht zwei Dritteln der Besucher sagen, Ihr könnt nicht rein.“ Er räumt mit einem Vorurteil auf: „Es ist nicht so, dass ich mit jedem verkauften Ticktet ein bisschen verdiene. Ins Metropol-Theater passen 1 450 Besucher. Ich muss im Schnitt 1 100 bis 1 200 Tickets verkaufen, bis ich etwas verdiene“, sagt er. Darunter mache er Verlust. Der Grund seien die Künstlergagen, Saalmiete und Ausgaben für weitere Dienstleister. Die Marge in der Branche liege bei sieben bis acht Prozent.

Stefan Paul, Geschäftsführer der Revue Gesellschaft für Konzerte- und Veranstaltungen in Bremen, und Oliver Mücke (54), Geschäftsführer bei Koopmann-Concerts, sagen ebenfalls, Konzerte mit 200 Zuschauern in großen Häusern funktionierten wirtschaftlich nicht. Paul spricht zwar von einer gedrückten Stimmung und mehr Arbeit als üblich wegen der Terminverlegungen, sagt aber auch: „Wir wissen nicht, wie die Lage in zwei bis vier Wochen ist. Sie kann dann besser sein. Jetzt sind wir einen kleinen Schritt weitergekommen.“ Aufgrund der unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern sei es aktuell nicht möglich, eine zusammenhängende Tour hinzubekommen.

„Es geht nicht einfach wieder los“

Mücke sagt: „Wir erleben mittlerweile eine Wahrnehmung durch die Politik. Auch der Wirtschaftsbehörde wird bewusst, wir sind zwar nicht auf den ersten oder zweiten Blick systemrelevant, wohl aber auf den dritten. Welcher Jugendliche oder Student geht irgendwohin, wo man nichts machen kann?“ Allein seine Agentur akquiriere 250 000 bis 300 000 Besucher im Jahr, 150 000 bis 180 000 davon für Bremen. Bei Großveranstaltungen würden bis zu 300 Dienstleister eingesetzt. „Den Stecker zu ziehen, ist einfach. Es geht aber nicht einfach wieder los, wenn die Politik das Go gibt“, sagt er. Der Kartenverkauf sei aktuell auf einen einstelligen Prozentbereich eingebrochen.

Von Martin Kowalewski

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