Bremer Amtsgericht verurteilt 23-Jährigen nach Autorennen zu Geldstrafe

„Das ist kein harmloser Spaß“

Ein Mann sitzt auf der Anklagebank. Neben ihm steht ein Anwalt.
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Späte Einsicht: Der 23-Jährige (hier beim Prozessauftakt) kam mit einer Geldstrafe davon.

Ein illegales Autorennen endet vor dem Bremer Amtsgericht. Für den Angeklagten gibt es eine Geldstrafe.

  • Angeklagter zeigt spät Einsicht.
  • Verbotene Wendemanöver mit dröhnenden Motoren.
  • Sechsmonatiges Fahrverbot endet.

Bremen – Die Einsicht kam spät, aber sie kam – wohl auch deswegen ist am Mittwoch ein 23-jähriger Mann wegen eines verbotenen Autorennens glimpflicher davon gekommen, als er vermutlich selbst gedacht hatte. Das Bremer Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 900 Euro (90 Tagessätze à zehn Euro), seinen Führerschein bekommt der Mann in nur wenigen Tagen zurück. Ob er sich demnächst wieder ans Steuer eines Wagens setzen darf, entscheidet jedoch eine andere Behörde.

Mit knapp 90 Kilometern pro Stunde raste der Angeklagte zusammen mit einem anderen Autofahrer Ende Juli 2020 durch die Bremer Innenstadt. Verbotene Wendemanöver, dröhnende Motoren, immer wieder lassen sich die Fahrer auf Höhe des anderen zurückfallen, um wenig später das Beschleunigungspotenzial ihrer Wagen zu messen. Und all das an Orten, die gerade im Sommer gut besucht sind. Was die Fahrer nicht wussten: Sie hatten stets Begleiter im Nacken. Begleiter von der Polizei, die das mehr als 20-minütige Rennen auf Video aufzeichneten.

Post vom Amtsgericht

Während der BMW-Fahrer fliehen konnte, gelang es den Beamten, den 23-Jährigen mit seinem Mercedes anzuhalten. Die auf Verkehrsdelikte spezialisierten Polizisten zogen noch vor Ort den Führerschein des Mannes ein, beschlagnahmten seinen Wagen. Dann folgte Post vom Amtsgericht – doch den darin enthaltenen Strafbefehl wollte der junge Mann nicht akzeptieren. So kam es bereits im Dezember zum Prozessauftakt (wir berichteten). Zunächst jedoch ohne Ergebnis. Da der Angeklagte den Wagen zusammen mit seiner Schwester gekauft hatte und die Frau auf den Wagen angewiesen sei, akzeptierte er den Strafbefehl nicht, der neben einer Geldstrafe von 1800 Euro auch eine zwölfmonatige Sperrfrist zur Wiedererlangung des Führerscheins beinhaltete. Das Gericht entschied, dass das Auto wieder herausgegeben wird, da man die Schwester nicht für etwas bestrafen könne, womit sie gar nichts zu tun hätte.

Zwar forderte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer ebenfalls eine Sperrfrist von sieben Monaten, da der Angeklagte „charakterlich nicht geeignet ist, am Straßenverkehr teilzunehmen“, jedoch verzichtete Richterin Ellen Best in ihrem Urteil auf eine solche Maßnahme. Der nicht vorbestrafte 23-Jährige habe sich nicht nur geständig und reumütig gezeigt, auch seien die Geschwindigkeiten „nicht so exorbitant hoch gewesen“ wie in anderen von ihr bereits ausgeurteilten Fällen. Dennoch appellierte die Richterin an den Angeklagten, „das Urteil zu verbreiten“ und sich mögliche Folgen solcher Rennen genau vor Augen zu führen. Tödliche Ausgänge verbotener Autorennen habe es in der Vergangenheit leider genug gegeben, so Richterin Best.

„Idiotentest“ bei der Führerscheinstelle

Das sechsmonatige Fahrverbot endet am 24. Januar, dann dürfte der Mann theoretisch wieder ein Auto im Straßenverkehr bewegen. Theoretisch. Denn ob der 23-Jährige zunächst eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung (MPU) machen muss, entscheidet die Führerscheinstelle. Beim im Volksmund auch „Idiotentest“ genannten Verfahren wird die Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs ermittelt – und die scheint beim Angeklagten zumindest fraglich zu sein.

Die Beamten, sagte Richterin Best, seien auch zukünftig auf Streife, um genau solche Verstöße zu ahnden. „Und die Polizei bekommt da die volle Rückendeckung von der Justiz“, so Best. Denn: „Solche Autorennen sind kein harmloser Spaß, sondern häufig tödlicher Ernst“, formulierte es der zuständige Staatsanwalt kurz zuvor.

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