Zeugen sagen in Totschlagsprozess aus

„Das war irgendwie surreal“

Bremen - Von Judith ChristiansenBREMEN · „Ich kannte die Frau sehr gut. Wir waren befreundet“, so ein 58-Jähriger Pädagoge, der gestern vor dem Landgericht im Totschlagsprozess gegen den 41-jährigen Mann aussagte, der im Januar zwei Frauen, 58 und 59 Jahre alt, in Findorff erstochen haben soll.

Der Mann leide unter einer Psychose und sei „inneren Stimmen“ gefolgt, die ihm gesagt hätten, er müsse zwei Menschen töten. Der 41-Jährige habe die Frauen im Haus der 59-Jährigen überwältigt und erstochen. Die 58-Jährige konnte zunächst noch fliehen und um Hilfe rufen, wurde von dem Mann aber auf der Straße eingeholt und dort erstochen. Wegen seiner Psychose ist der Mann vor Gericht nicht angeklagt, sondern in einer Antragsschrift wird seine Unterbringung in einer Klinik gefordert.

Der 58-Jährige war sichtlich aufgebracht, als er gestern seine Aussage machte. „Es geht mir überhaupt nicht gut“, antwortete er auf einer entsprechende Frage der Vorsitzenden Richterin Barbara Lätzel. „Ich bin einfach zu spät gekommen, das ist mein Problem. Ich habe das nicht rechtzeitig erkannt.“ Der Zeuge sei an dem Tag im Auto unterwegs gewesen, als er den Mann und sein Opfer sah. Er habe die beiden zunächst für zwei Jugendliche gehalten, die sich im Schnee vergnügen, bis ihm aufgefallen sei, dass irgendetwas anders war. Er sei dann mit dem Auto umgekehrt, stehengeblieben, habe sein Wagenkreuz aus dem Kofferraum geholt und habe den Täter mit „Lass den Mann in Ruhe“ angeschrien. „Ich dachte erst, das Opfer sei ein Mann.“ Dann sei der Täter aufgestanden und an ihm vorbeigegangen. „Jetzt hört das endlich auf“, soll der 41-Jährige noch vor sich hin gemurmelt haben. Die Richterin versuchte den Zeugen zu beruhigen. „Nach allem, was wir wissen, hätten Sie nicht helfen können, wenn Sie eher gekommen wären. Machen Sie sich nicht den Vorwurf.“

Offenbar hatten alle Zeugen Schwierigkeiten, die Situation richtig einzuschätzen. „Ich habe eine Dame aus dem Haus rennen sehen, die meines Erachtens nach Hilfe gerufen hat. Das war irgendwie surreal, ich konnte das nicht einordnen“, so ein 41-jähriger Zeuge. „In dem Moment kam der Mann mit einer Riesen-Geschwindigkeit und einem Messer in der Hand aus dem Haus.“ Der Prozess wird am 29. Juni fortgesetzt.

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