Peter Störmer lebt seit 20 Jahren mit einem fremden Herzen

„Das grenzt an ein Wunder“

+
Peter Störmer war vor der Transplantation viermal klinisch tot. Seit 20 Jahren lebt er mit einem fremden Herzen.

Bremen - Von Nina Seegers. Mit Anfang 50 war der schwer herzkranke Peter Störmer viermal klinisch tot, dann endlich bekam er ein neues Herz und damit eine zweite Lebenschance. Laut den Ärzten sollte das neue Herz bloß fünf Jahre halten.

Aber mittlerweile lebt Störmer schon 20 Jahre mit dem Organ eines fremden Menschens – „das grenzt an ein Wunder“, sagen die Ärzte und Störmer selbst.

Der 74-Jährige sitzt auf dem Sofa im Wohnzimmer seiner Wohnung in Mahndorf, die Sonne scheint an diesem eisigen Wintertag hell durch das große Fenster. Seit 20 Jahren feiert er zweimal im Jahr Geburtstag, erzählt Störmer. Seinen ersten im Juni und seinen zweiten am 25. Februar. Das ist jener Tag, an dem ihm vor 20 Jahren in einer Klinik in Bad Oeynhausen ein neues Herz erfolgreich transplantiert wurde. „Meine Frau und ich zünden dann immer eine Kerze für den Spender des Organs an“, so Störmer weiter. Den Spender, dessen Herz er nun in unter seiner Brust trägt, kennt er nicht. „Das ist auch gut so, aber in meiner Vorstellung war das ein sehr liebenswerter Mensch“, sagt er lächelnd. Man merkt ihm aber an, dass die Freude über sein zweites Leben durch ein schlechtes Gewissen ein wenig getrübt wird. „Kurz bevor ich neugeboren wurde, ist mein Spender gestorben. Während meine Familie gefeiert hat, hat die andere Familie getrauert.“

Weihnachten 1989 kam Störmer zum ersten Mal ins Krankenhaus, weil er keine Luft mehr bekam, er hatte ein krankes Herz. Aber erst Jahre später sollten die Ärzte feststellen, was die Ursache dafür war. Bis dahin baute Störmer gesundheitlich immer mehr ab und war viermal klinisch tot. „Am Ende habe ich nur noch 40 Kilogramm gewogen und konnte mich nicht mehr bewegen“, erzählt er. Große Unterstützung erhielt er in jener Zeit von Frau und Tochter, die ihn täglich im Krankenhaus besuchten. „Ohne meine Familie hätte ich das niemals durchgehalten.“ Dann folgte Ende des Jahres 1992 endlich die Diagnose: Störmer litt an einer bestimmten Wachstumsstörung, die linke Herzkammer war deshalb zu groß und konnte nicht mehr pumpen. Störmer wurde auf den ersten Platz der Warteliste für eine Herztransplantion gesetzt und bekam schneller als gedacht in Bad Oyenhausen am 25. Februar 1993 ein gesundes Herz transplantiert.

Eine Art Nahtoderlebnis habe er, als er klinisch tot gewesen war, nicht gehabt, sagt der Bremer. Aber nach der Transplantation habe er wochenlang in einer Art Dämmerzustand sich selbst neben sich im Bett liegen sehen. „Ich habe mich mit meinem zweiten Ich dann viel unterhalten, immer in fließendem Englisch, obwohl mein Englisch eigentlich nie besonders gut gewesen ist“, sagt er und kann sich diese seltsame Begegnung bis heute nicht erklären.

Störmer ist für das Herz unglaublich dankbar. „Mein Leben hat sich seitdem deutlich verändert, ich freue mich viel mehr über all die kleinen Dinge“, erzählt er. Trotzdem sollten er und seine Frau vom Schicksal nicht verschont bleiben. Beim Tsunami 2004 in Südostasien verloren sie ihre einzige Tochter, die damals Urlaub in Thailand machte. Erst nach vier schrecklichen Monaten der Ungewissheit konnte ihre Leiche indentifiziert werden. Fotos in kleinen Bilderrahmen der damals erst 30-Jährigen schmücken heute den kleinen Beistelltisch neben dem Sofa.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Röttgen erklärt Kandidatur - Neue Positionierung der CDU

Röttgen erklärt Kandidatur - Neue Positionierung der CDU

Biathlon-WM 2020: Die besten Bilder aus Antholz

Biathlon-WM 2020: Die besten Bilder aus Antholz

Die Themen der Reisemesse ITB

Die Themen der Reisemesse ITB

Neue Dokumente: Willkürliche Inhaftierung von Uiguren

Neue Dokumente: Willkürliche Inhaftierung von Uiguren

Meistgelesene Artikel

In Bremen entsteht viertes Hospiz - Bauantrag bereits gestellt

In Bremen entsteht viertes Hospiz - Bauantrag bereits gestellt

Klimaforscher warnt vor Hysterie und kritisiert „Fridays for Future“-Bewegung

Klimaforscher warnt vor Hysterie und kritisiert „Fridays for Future“-Bewegung

Schaffermahlzeit: Küchenchef kocht sonst in Brinkum

Schaffermahlzeit: Küchenchef kocht sonst in Brinkum

Brände im Bremer Steintorviertel - rechtspolitischer Hintergrund möglich

Brände im Bremer Steintorviertel - rechtspolitischer Hintergrund möglich

Kommentare