Menschen legen sich bei zehn Grad Frost auf gefrorenen Boden

„Das feuchte Haus“ der Lucie Mercadal

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Performance: Statisten unter dem „Feuchten Haus“ in der Überseestadt. ·

Bremen - Von Nina Seegers. Was bringt eine kleine Gruppe von Menschen dazu, sich frühmorgens am Wochenende bei eisigen Temperaturen von zehn Grad Frost auf einer brachliegenden Fläche in der Bremer Überseestadt zu treffen – und sich dort auf den gefrorenen Boden unter ein kleines, selbstgebasteltes Häuschen zu legen?

Was seltsam aussah, war eine Performance der französischen Künstlerin Lucie Mercadal. In warme Jacken eingemummelt, standen ein paar Statisten zähneklappernd auf einer Wiese hinter dem Speicher XI. Sie warteten geduldig, bis drei verschiedene Filmkameras platziert waren.

Danach erklärte die junge Künstlerin den Anwesenden, worin genau ihre Aufgabe bestand. Sie sollten sich nacheinander unter das kleine Häuschen legen, mit dem Rücken auf den Boden.

Dabei sollte das Häuschen jegliche Bodenhaftung verlieren und nur noch auf den Körpern der Statisten stehen. Mercadal, 25, Studentin der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig, nennt ihre Arbeit „Das feuchte Haus“.

Ihre Idee: Im Inneren der Hütte, deren Wände und Dach mit Plastikplanen bespannt sind, steht eine große Schale mit Wasser, die von einem Gaskocher erhitzt wird. Der dadurch entstehende Wasserdampf soll entfleuchen – in dem Moment, in dem die Statisten das Häuschen auf ihren Körpern tragen.

Das jedenfalls war die ursprüngliche Idee. Tatsächlich war das Häuschen im Inneren aber nicht warm genug, jedenfalls dampfte „Das feuchte Haus“ nicht.

„Es geht mir bei dieser Arbeit zum einen darum, das Haus auf eine Wanderung durch das Hafengebiet zu schicken, und zum anderen möchte ich einfach ein poetisches Bild erschaffen“, so Mercadal. Zwei Tage lang filmte sie ihr selbstgebasteltes Häuschen im Hafengebiet der Überseestadt. Mal mit und mal ohne Menschen. Aus dem Filmmaterial will sie ein etwa 20-minütiges Video schneiden.

„Ich mag die Ästhetik der Industrielandschaft hier, dieses weitläufige Gebiet mit den Kränen und den Containern.“ „Das feuchte Haus“ soll mit eben dieser Umgebung korrespondieren. Mal wirkt es vollkommen absurd und fehl am Platz, dann wieder fügt es sich in die Landschaft ein, als hätte es schon immer da gestanden.

In Anbetracht der eisigen Kälte waren die etwa zehn Statisten froh, nach etwa anderthalb Stunden ihre Aufgabe gemeistert zu haben. „Vom ‚Feuchten Haus‘ geht‘s jetzt ins warme Haus“, freute sich einer der Teilnehmer.

Lucie Mercadal hat 2010 ihr Studium der Freien Kunst mit Diplom in Dijon abgeschlossen und studiert seitdem in Braunschweig. Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit sind Videos von eigenen Performances.

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