Demontage nach der Havarie

Das Ende einer Brücke: Abriss am Bremerhavener Kaiserhafen

Die Drehbrücke am Bremerhavener Kaiserhafen ist kaputt, das ist nicht zu übersehen. Nun wird sie abgebaut und demontiert. Ob es Ersatz gibt und in welcher Form – dazu gibt es in der Seestadt noch keine konkreten Pläne.
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Die Drehbrücke am Bremerhavener Kaiserhafen ist kaputt, das ist nicht zu übersehen. Nun wird sie abgebaut und demontiert. Ob es Ersatz gibt und in welcher Form – dazu gibt es in der Seestadt noch keine konkreten Pläne.

Eine Stahlkonstruktion kommt zum alten Eisen – Bremerhaven nimmt Abschied von der Eisenbahndrehbrücke am Kaiserhafen. Nach ihrer Havarie ist das einst stolze Bauwerk schrottreif. Was nun kommt, ist unklar.

Bremerhaven – Sie galt als größte Eisenbahndrehbrücke Deutschlands, nun ist ihr Ende gekommen. Der endgültige Abbau der kaputten Drehbrücke am Bremerhavener Kaiserhafen beginnt am Sonnabend in den Morgenstunden. Er dürfte bis in die Mittagszeit hinein dauern.

Bereits am Freitag war ein 95 Meter langer Ponton zur Brücke gebracht worden – die Vorbereitung der Abrissarbeiten. Dazu werden die letzten Stahlträger durchtrennt, die die Brücke noch halten, so Holger Bruns, Sprecher der Hafengesellschaft Bremenports, gegenüber unserer Zeitung. Schlepper ziehen den schwimmenden Ponton „Innovation 1“ mit der Brücke anschließend zur ABC-Insel im Kaiserhafen. Wo die Stahlkonstruktion dann gänzlich demontiert und abgewrackt wird, ist noch nicht entschieden. „Es fehlt an Zeit und Platz“, fasst Bruns das Seestadt-Dilemma zusammen.

Die 116 Meter lange Brücke war 1930 fertiggestellt worden. Nun endet eine Ära am Kaiserhafen.

Ein Dilemma, das seinen Anfang am Donnerstag, 1. April, um 17 Uhr genommen hatte. Havarie an der Drehbrücke Nordschleuse, diese Meldung verbreitete sich in Windeseile, nachdem einer der beiden Obergurte der Drehbrücke gerissen war. Was wiederum zur Zerstörung weiterer Stahlteile führte. Am Ende stand ein irreparabler Totalschaden. Die von 1928 bis 1930 errichtete, 116 Meter lange Drehbrücke war mit einem Mal schrottreif.

Senatorin: „Jahrzehntelang eine verlässliche Verbindung“

War das abzusehen? Die Brücke ist jüngst erst untersucht worden, hieß es in Bremerhaven. Im Prüfbericht des Tüv Rheinland vom 23. Januar sei „bei allen ermüdungsgefährdeten Obergurtträgern ein sicheres Betriebszeitintervall von mindestens zwölf Monaten“ attestiert worden. Bremenports-Chef Robert Howe sagte: „Wir haben in die Unterhaltung der Brücke viel Arbeit investiert und dabei große Sorgfalt an den Tag gelegt.“

„Die Drehbrücke hat über acht Jahrzehnte verlässlich die Verbindung zur Columbusinsel dargestellt und zugleich der Schifffahrt einen alternativen Weg in den Kaiserhafen eröffnet. Die Havarie dieses historischen Bauwerks schockiert mich zutiefst“, erklärte Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) – und brachte damit auch einen emotionalen Aspekt ins Spiel.

Praktisch durchgehend ist seit der Havarie an und mit der Drehbrücke gearbeitet worden.

Zunächst aber waren ganz profane Probleme zu lösen. Der unter anderem für Autotransporte wichtige Kaiserhafen war nach der Brücken-Havarie über Tage nicht erreichbar, weil die Kaiserschleuse als zweite Zufahrt gerade saniert wird. Für einen Notbetrieb wurde die Schleuse wieder in Gang gesetzt. Bremenports-Mitarbeiter arbeiteten rund um die Uhr daran. Nach einem erfolgreichen Testlauf am Ostersonntag um 2 Uhr konnten zwei bis dahin festliegende Autotransporter den Kaiserhafen noch in der Nacht verlassen.

Durchfahrt über die Nordschleuse

Nach dem Abbau der havarierten Drehbrücke soll eine Durchfahrt über die Nordschleuse wieder möglich sein. Gleichwohl bleiben Veränderungen für Seefahrt und Logistik. In einem auf der Bremenports-Website veröffentlichten Brief an die Hafennutzer schreibt Howe: „Leider wird eine Erreichbarkeit der Columbusinsel über die Schiene nicht mehr möglich sein. Der Straßenverkehr muss über die Häupter der Kaiserschleuse geführt werden, die auch für Schwerlastverkehr ausgelegt sind.“

Zudem stehen gegenwärtig noch 28 Güterwaggons auf der Insel, so Bremenports-Sprecher Bruns. Wie bekommt man die dort weg? Eine Frage, die noch beantwortet werden muss. Der ungünstigste – sprich: teuerste – Weg wäre ein Transport mit Kran und Ponton.

Eine weitere, noch viel entscheidendere Frage: Wann wird eine neue Brücke gebaut? Wird es wieder eine Brücke mit Schienen sein? Gibt es temporären oder dauerhaften Ersatz? Und vor allen Dingen – was wird in Zukunft überhaupt auf der Columbusinsel gemacht? Auf dem Weg zu Antworten auf diese Fragen will Bremenports „bereits vorliegende Vorstudien weiter vorantreiben“. Liegen die Pläne dann vor, muss die Politik entscheiden.

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