Bremen: Prozess um Geiselnahme von Kleinkind

Haftstrafe für den Angeklagten

Urteil im Prozess um die Entführung eines Kleinkinds: Der Angeklagte (helles Hemd) muss für mehr als vier Jahre in Haft – drei weitere Jahre könnten wegen Verstößen gegen die Bewährungsauflagen hinzukommen. Rechts im Bild: sein Verteidiger, Rechtsanwalt Florian Burgsmüller.
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Urteil im Prozess um die Entführung eines Kleinkinds: Der Angeklagte (helles Hemd) muss für mehr als vier Jahre in Haft – drei weitere Jahre könnten wegen Verstößen gegen die Bewährungsauflagen hinzukommen. Rechts im Bild: sein Verteidiger, Rechtsanwalt Florian Burgsmüller.

Urteil vor dem Bremer Landgericht im Prozess um die Geiselnahme eines Kleinkindes: Der Angeklagte muss mehrere Jahre in Haft.

  • Mann entführt seinen kleinen Sohn.
  • Gericht verhandelt über Geiselnahme und räuberische Erpressung.
  • Dem Angeklagten drohen weitere Jahre Haft.

Bremen – Er steckte sich ein Messer und eine Schreckschusswaffe ein, fuhr zum Haus seiner Schwiegereltern und entführte seinen zweijährigen Sohn: Das Bremer Landgericht hat am Freitag einen 31-jährigen Mann unter anderem wegen Geiselnahme, besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Zur Strafe könnten weitere Jahre hinzukommen, die Taten beging der Mann unter laufender Bewährung. Mit dem Urteil blieb die Strafkammer 42 unter den von Staatsanwalt Dr. Björn Rothe geforderten fünf Jahren Gefängnis, auf die der Ankläger zuvor plädiert hatte, aber auch etwas über den von Verteidiger Florian Burgsmüller beantragten vier Jahren Haft für seinen Mandanten.

In vielen Punkten herrschte nach der Beweisaufnahme Einigkeit, in erster Linie, weil der 31-Jährige bereits zu Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte (wir berichteten). Laut Staatsanwalt Rothe habe der Angeklagte „die Hosen runtergelassen“, ein „lupenreines Geständnis“ abgelegt und so den Opfern „eine lange und sehr komplizierte Verhandlung erspart“.

Bremer Prozess um Geiselnahme: Streit eskaliert

Nachdem sich der Mann und die heute 28-Jährige im März 2017 kennengelernt hatten und bereits neun Monate später das erste gemeinsame Kind zur Welt kam, entwickelte sich eine Beziehung, die, so Ankläger Rothe, von „einer schweren Hypothek“ belastet war – und im August 2020 letztlich eskalierte. Nachdem der Angeklagte zunächst in mehreren Kneipen Alkohol getrunken hatte, fuhr er am Abend zum Haus seiner Schwiegereltern in Bremerhaven, zückte dort ein Käsemesser und eine Schreckschusspistole und forderte die Familie auf, ihm Handys, Bargeld und den Schlüssel für ein Auto auszuhändigen. Dann setzte er den zweijährigen Jungen ins Auto, drohte, sollte die Polizei alarmiert werden, „knalle ich alle ab“ oder „rase mit 200 Sachen gegen eine Mauer“, und fuhr davon.

Mehr als 16 Stunden behielt der Mann seinen kleinen Sohn in seiner Gewalt, mehrere Versuche der Polizei, ihn zur Aufgabe zu überreden, scheiterten. Erst am Nachmittag des Folgetages übergab er den Jungen körperlich wohlbehalten am Wohnhaus der Schwiegereltern den Beamten und flüchtete abermals, um „erstmal ein Bier zu trinken“. Kurze Zeit später – der Mann hatte sich einen Sechserträger Bier in einem Supermarkt gekauft – gelang es Beamten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK), den 31-Jährigen auf einem Parkplatz festzunehmen. Kurz zuvor versprühte der Angeklagte noch Pfefferspray und verletzte dadurch fünf Einsatzkräfte leicht.

Strafmilderung wegen „tätiger Reue“

Dass der Mann seinen Sohn letztlich unverletzt zurückbrachte, wertete das Gericht strafmildernd. Die sogenannte tätige Reue beschreibt laut Strafgesetzbuch, „wenn der Täter das Opfer in seinen Lebensbereich zurückgelangen lässt und zudem auf die erstrebte Leistung verzichtet.“ So entging der Mann der bei Geiselnahmen eigentlich vom Gesetzgeber vorgesehenen Mindeststrafe von fünf Jahren. Dennoch machte die Vorsitzende Richterin Andrea Schneider klar, dass insbesondere die seelischen Folgen für die Familie „massiv“ seien. Gerade die damals 16-jährige Schwester seiner Ex-Freundin, der der Mann die Waffe an den Kopf hielt, sei bis heute „schwer traumatisiert“ und in psychologischer Behandlung. „Das brennt sich ein“, verdeutlichte auch Staatsanwalt Rothe.

Und Richterin Schneider mahnte den Angeklagten eindringlich – in zweifacher Hinsicht: Zum einen beging der Mann (23 Vorstrafen) die Taten unter zweifacher laufender Bewährung mit einer Gesamtstrafe von drei Jahren. „Da müssen Sie damit rechnen, dass die widerrufen werden“, so Schneider. Zum anderen drohe dem Angeklagten, sollte er wieder Verbrechen begehen, die Sicherungsverwahrung. „Das muss Ihnen bewusst sein, das sage ich Ihnen ganz deutlich.“

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