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Bremen hat das bestbesuchte Kleinplanetarium

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Von: Jörg Esser

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Zahlreiche Stelen aus recycelten Hafenspundwänden und Windräder.
„Metalhenge“ auf der Mülldeponie: Stelen aus recycelten Hafenspundwänden wurden nach astronomischen Kriterien angeordnet und aufgestellt. Die Kunstinstallation erinnert an den berühmten Steinkreis „Stonehenge“ im Südwesten Englands. © DPA/Schuldt

Das Bremer Planetarium zählt zu den kleinen Planetarien. Wegen der Kuppelgröße von sechs Metern. Doch es ist das bestbesuchte Kleinplanetarium Deutschlands.

Bremen – Der Weltraum habe ihn schon als Kind fasziniert, sagt Andreas Vogel. „Als ich fünf Jahre alt, hat mir mein Vater am Himmel den Großen Wagen gezeigt. Aber ich wollte mehr wissen.“ Mit zehn habe er sein erstes Fernrohr geschenkt bekommen. „Dann hat es mich gepackt, der Himmel und die Sterne haben mich nicht wieder losgelassen.“

Andreas Vogel ist Leiter des Bremer Olbers-Planetariums an der Werderstraße 73. Seit Februar 2007, seit 15 Jahren also. Tätig ist er dort schon seit 1989, zunächst als studentische Hilfskraft. „Ich habe relativ viel Zeit meines Lebens hier verbracht“, sagt der Physiker. Das Olbers-Planetarium hat jetzt 70-jähriges Bestehen gefeiert. Offizieller Gründungstermin ist der 23. Januar 1952.

Das Planetarium liegt eher im Verborgenen, in einem Lehrgebäude der Hochschule Bremen, in dem die Fachbereiche Nautik und Wirtschaft beheimatet sind. Aber es ist ein Publikumsmagnet. Vor Corona wurden Jahr für Jahr 30 000 Besucher gezählt. „Und wir hätten locker 60000 haben können.“ Das heißt: Eigentlich ist das Planetarium mit seinen 35 Besucherplätzen und der Sechs-Meter-Kuppel zu klein – für das große Interesse der Bremer und des ganzen nordwestdeutschen Raums am Weltraum. „Wir sind das bestbesuchte Kleinplanetarium Deutschlands.“ Eines, mit einem großen Einzugsgebiet. „Es kommen viele Gruppen aus Ostfriesland, auch aus Cloppenburg“, sagt Vogel.

Einzugsgebiet bis nach Ostfriesland und Cloppenburg

Gibt es Pläne für ein neues, großes Planetarium? Eines, das vielleicht mit den Standorten in Hamburg, Münster und Wolfsburg konkurrieren kann? „Es gibt verschiedene Ideen“, sagt Vogel.

Der Planetariumsleiter ist gebürtiger Bremen. Nach dem Abitur hat er Physik studiert, sich nicht gleich auf Astrophysik festgelegt, weil es eben weltweit nur etwa 3 000 Berufs-Astronomen gibt. Mittlerweile zählt er dazu.

„Seit 10 000 Jahren wird Astronomie betrieben“, fährt Vogel fort. Und bereits am Ende der Steinzeit sei der Lauf der Sonne beobachtet und als eine Art Kalender benutzt worden – für Aussaat und Ernte und so weiter. Im Mittelalter waren die Astronomen Wissenschaftler und Aufklärer – Nikolaus Kopernikus, Galileo Galilei, Johannes Kepler.

Wissenschaftler und Aufklärer

„Und heute wird immer noch etwas Neues entdeckt“, springt der Bremer Sternenhimmel-Erklärer in die Jetzt-Zeit. Auch Wilhelm Olbers, Namensgeber des Planetariums in der Neustadt, hat einiges am Himmel entdeckt – unter anderem die Asteroiden Pallas und Vesta. Und dann gibt es in der Physik ja das Olberssche Paradoxon, das den sich ergebenden Widerspruch bei der Vorhersage eines hellen Nachthimmels und seiner tatsächlichen dunklen Erscheinung aufzeigt. Zurück ins Planetarium: Schulklassen zählen zu den Stammgästen. Und dann gibt es ein reichhaltiges Angebot für die breite Öffentlichkeit. „Kosmische Katastrophen“, heißt es da. Oder: „Diebstahl im Weltraum.“ Oder: „Die große Show der Rekorde im All.“ Laut Vogel werden „anspruchsvolle Unterhaltungsprogramme mit wissenschaftlichen Inhalten“ serviert.

Andreas Vogel und ein Projektor.
Der Chef am Projektor: Andreas Vogel ist Leiter des Bremer Olbers-Planetariums. © Esser

Seit dem Sommer 2021 gibt es in Bremen einen weiteren astronomischem Aussichtspunkt, die Installation „Metalhenge“ des Achimer Künstlers Thomas Roth auf einem stillgelegten Teil der Blocklanddeponie in etwa 40 Metern Höhe. „Metalhenge“ orientiert sich an diversen archäoastronomischen Bauwerken, die optische Facette wurde vom Steinkreis „Stonehenge“ im Südwesten Englands inspiriert Und die Bedeutung von „Metalhenge“ als Astronomiestandort lässt sich am besten aus dem Kreismittelpunkt nachvollziehen, da alle astronomischen Beobachtungsmöglichkeiten auf eine Augenhöhe von 1,50 Meter in der Mitte des Monuments ausgerichtet sind, heißt es. Ein Ausflug lohnt sich!

Partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober

Der Sternenhimmel über Bremen hat in diesem Jahr noch ein besonderes Highlight zu bieten – eine partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober. Ein Drittel der Sonne sei dann bedeckt. „Das sieht aus wie ein angebissener Keks“, sagt Vogel. Und wann ist die nächste totale Finsternis in Bremen zu beobachten? Das dauert noch. Bis zum Jahr 2189 nämlich. Zu lange also für den geneigten Leser dieser Zeilen.

Da bleibt nur die Möglichkeit, zu einem Schauplatz einer totalen Sonnenfinsternis zu reisen – am 8. April 2024 nach Mexiko oder am 12. August 2026 nach Spanien, Island oder Grönland. Andreas Vogel hat 2006 in der Türkei eine Sonnenfinsternis live miterlebt. „Das lohnt sich auf jeden Fall“, sagt er.

Weitere Infos unter:

planetarium.hs-bremen.de

www.metalhenge.de

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