300 Klinikärzte protestieren auf dem Bremer Marktplatz / Mediziner wollen fair bezahlt werden

„Das Angebot ist schäbig“

Rasseln, Trillerpfeifen, Protestplakate: Klinikärzte aus Bremen und Niedersachsen versammelten sich gestern Mittag auf dem Marktplatz zu einer Abschlusskundgebung nach einem Protestzug durch die Innenstadt.

Bremen - Von Jörg Esser · „Qualität hat ihren Preis“ ist auf einem Plakat zu lesen. Auf einem anderen steht: „Kein Nachtdienst für Dumpinglohn“. Die Klinikärzte fühlen sich von ihren Arbeitgebern schlecht behandelt, als Billigkräfte ausgenutzt. Und dagegen machen sie mobil. Gestern zogen rund 300 Weißkittel in einer Demonstration durch die Stadt zur Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz.

Trillerpfeifen und Rasseln ertönen. Und Sambarhythmen. Die Ärzte verschaffen sich lautstark Gehör. Mediziner aus den kommunalen Bremer Krankenhäusern Mitte, Ost, Links der Weser und Nord sind dabei, aus dem Klinikum Reinkenheide in Bremerhaven sowie zahlreiche Kollegen aus Hannover, Walsrode, Braunschweig, Lüneburg, Emden, Wolfsburg, Wolfenbüttel und Peine. Sie wollen nicht länger „zum Narren gehalten werden“. Und sie wollen vor allem fair bezahlt werden.

Die Klinikärzte kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen, für eine bessere Vergütung der Bereitschaftsdienste in der Nacht, an Wochenenden und an Feiertagen und für eine lineare Gehaltserhöhung um fünf Prozent. Die Arbeitgeber wollen aber nur 2,9 Prozent mehr zahlen – und zwar bis 2012 gestreckt. Ab sofort soll’s einen Zuschlag von 1,7 Prozent geben, ab August 2011 noch einmal 1,2 Prozent. „Das ist unter dem Strich weniger als ein Prozent pro Jahr“, sagt Dr. Heidrun Gitter, stellvertretende Bremer Landesvorsitzende des Klinikärzteverbands Marburger Bund. „Ein solches Angebot ist schäbig“, ruft sie in die Menge. Applaus hallt zurück.

Auch die geringen Zuschläge für Nachtdienste (1,28 Euro pro Stunde) und für Sonntagsarbeit (64 Cent pro Stunde) sorgen für Verärgerung. „Dafür gehen Handwerker nicht einmal vor die Tür“, sagt Dr. Jens Kersten aus dem Klinikum Braunschweig. Seine Bremer Kollegin Gitter spricht von einer „beispiellosen Verdichtung der Arbeitszeit“. 24-Stunden-Dienste nähmen inflationär zu. „Die Ärzte subventionieren die kommunalen Kliniken“, sagt sie und fordert die Arbeitgeber zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Die Tarifvergespräche für die 55 000 Ärzte an den bundesweit 700 kommunalen Krankenhäusern waren Ende April gescheitert. Daraufhin hat der Marburger Bund zu unbefristeten Streiks aufgerufen.

„In den Krankenhäusern gibt es eine Notfallbesetzung“, sagte Sven De Noni vom Marburger Bund. „Alle Patienten, die behandelt werden müssen, werden auch behandelt.“ Die anderen werden rechtzeitig informiert oder wieder nach Hause geschickt, heißt es. In den betroffenen vier Bremer Kliniken bleibt derzeit etwa die Hälfte der Operationssäle geschlossen.

WWW.

marburger-bund.de

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