Tat in Bremen-Walle

Prozess um Kneipenschlägerei: Angeklagter räumt Messerstiche ein

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Angeklagter Marcel R. (38, Mitte) mit seinem Anwalt Temba Hoch (r.).

Bremen - Von Steffen Koller. Es begann mit einer Kneipentour – und endete für einen 38-Jährigen wenig später in Untersuchungshaft. Der Mann muss sich seit Dienstag unter anderem wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bremen verantworten. Am Mittwoch räumte der Angeklagte ein, mehrmals auf einen 23-Jährigen eingestochen zu haben. Aus Notwehr, wie er sagte.

Marcel R. wirkt zurückhaltend, als Wachtmeister den 38-Jährigen am Mittwochmittag in den Sitzungssaal führen. Fast schüchtern betritt der Mann die Empore der Anklagebank und stellt sich zu seinem Verteidiger. So verlegen der Deutsche im Gericht erscheinen mag, so aggressiv muss er, geht es nach der Staatsanwaltschaft, im Juli vergangenen Jahres aufgetreten sein. Vor einem Waller Lokal soll der Angeklagte auf einen 23-jährigen Mann eingestochen haben – einmal ins Bein, ein Stich in die Brust sowie der Versuch, seinem Widersacher die Kehle durchzuschneiden. Es sind die Vorwürfe, die die Anklage gegen ihn erhebt.

Wie zu Prozessauftakt angekündigt, lässt Marcel R. über seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Temba Hoch, eine Erklärung verlesen. In dieser räumt der mehrfach vorbestrafte Gelegenheitsarbeiter ein, am Morgen des 14. Juli gegen 4.40 Uhr zusammen mit dem wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Abdulmutalip C. (31) in einen Streit mit zwei Männern geraten zu sein. Die zwei 23-Jährigen sollen, so R., zwei weitere Kneipenbesucher zu bestehlen versucht haben , was R. seinerseits „regeln“ wollte. Er habe sich dazu verpflichtet gefühlt, sagt er. Schließlich sei der Kneipenwirt ein guter Freund von ihm.

Beide Angeklagten hätten zuvor zusammen etwa drei Flaschen Wodka in verschiedenen Bars getrunken und seien so alkoholisiert gewesen, dass sie sich beide kurz vor der Auseinandersetzung übergeben mussten, heißt es von Abdulmutalip C. Soweit man sich heute noch erinnern könne, hätten die späteren mutmaßlichen Opfer den Streit herbeigeführt. R. sagt dazu: „Er hat mich böse angeguckt – und ich habe mich provoziert gefühlt.“ Ein Wort ergab das andere – „dann zog ich das Messer“, so Marcel R. in seiner Erklärung. Aufgrund seiner Alkoholisierung habe er sich „schwach und unterlegen“ gefühlt und nach einem ersten Handgemenge in den Oberschenkel des 23-Jährigen gestochen. Als der Mann wenig später auf ihn zugekommen sei, habe er mit dem Messer „eine bogenförmige Abwehrbewegung“ gemacht und dem Mann „mit Kraft“ das Messer versehentlich in die Brust gestoßen. Das tue ihm sehr leid, er schäme sich dafür. „Im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten“ wolle er Schmerzensgeld an den Mann zahlen, sicherte R. zu. Die Stiche seien weder gezielt gewesen noch habe der 38-Jährige etwas von den schweren Verletzungen des Mannes mitbekommen.

Laut Anklage soll R. zudem versucht haben, seinem Kontrahenten die Kehle aufzuschneiden. Beim mutmaßlichen Angriff erlitt der Mann schwere Verletzungen im Gesicht. Eine etwa 30 Zentimeter lange Wunde führe von einem Ohr zum anderen, so die Staatsanwältin am Dienstag zu Prozessbeginn. Davon ist in beiden Einlassungen mit keinem Wort die Rede, nähere Nachfragen zum Tatgeschehen werden auf Anraten der Verteidiger zunächst nicht beantwortet.

Bis Ende Februar hat das Landgericht weitere 15 Termine angesetzt. R. muss bei einer Verurteilung wegen versuchten Totschlags mit einer empfindlichen Haftstrafe rechnen. C. drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

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